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Versicherer sind Könige der Dividende

14.03.2018 – Krone_henning schmidt_pixelio.deVersicherer sind des Aktionärs Liebling. Egal ob Unwetterrekord, Niedrigzinsen oder siechende Lebensversicherung, die Aktienbesitzer können sich auf die Branche verlassen. Jüngstes Beispiel ist die Hannover Re, die trotz großem aber sinkendem Gewinn und “Großschadenbelastung deutlich über Erwartungswert” die Dividende stabil hält.

Die Munich Re und Swiss Re hatten den aktuellen Dividendenkurs vorgegeben und trotz Verluste die Dividende erhöht. Das ist in Finanzkreisen keineswegs unüblich, im Jahr 2017 zahlten Finanzinstitute laut einer Statistik von Janus Henderson Investors 293,3 Mrd. US-Dollar an ihre Aktionäre aus. Die beiden folgenden Branchen Basiskonsumgüter sowie Öl Gas und Energie kommen gemeinsam auf rund 235 Mrd. US-Dollar.

Das Phänomen Dividendenlust ist auf dem deutschsprachigen Versicherungsmarkt präsent. Die Munich Re beließ die Dividende wie im Vorjahr bei 8,60 Euro, dabei störte es nicht, dass der Gewinn im Jahr 2017 um 85 Prozent auf 392 Mio. Euro fiel. “Auf unsere Dividende ist Verlass”, lies Finanzvorstand Jörg Schneider verlauten.

Die Swiss Re wird ihre Dividende ebenfalls trotz eines Gewinnrückgangs erhöhen, um 15 Rappen auf fünf Franken. Der Gewinn des Konzerns sank im Vergleich zum Vorjahr von rund 3,56 Mrd. US-Dollar auf 331 Mio. US-Dollar. Die Strategie “Gewinn runter, Dividende rauf” hat sich offenbar bewährt, denn ein Jahr zuvor verfuhren die Schweizer nach demselben Muster. Obendrauf legte die Swiss Re noch Rückkaufprogramme in Milliardenhöhe.

Bei der Allianz wurde für 2017 ein Nettogewinn von rund 7,2 Mrd. Euro erwirtschaftet – ein Minus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Dividende soll auf acht Euro je Aktie steigen, ein Zuwachs von “fünf Prozent” und gleichzeitig “das fünfte Dividendenplus in Folge”, wie CEO Oliver Bäte im Aktionärsbrief stolz schreibt. Die Allianz hat zudem für das Jahr 2018 “zur Steigerung der Kapitaleffizienz” ein zweites Aktienrückkaufprogramm von bis zu zwei Mrd. Euro aufgelegt.

So viel Eifer macht sich bezahlt, bei den Dax-Unternehmen gehören die Munich Re und die Allianz zu den Top-Ten der Dividendenrendite.

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Die Gründe für die Dividendenlust

Die Gründe für die Ausschüttungsfreude sind aber nicht nur der Menschenliebe der Versicherer geschuldet, sondern haben handfeste Hintergründe. Einiges sind offensichtlich, andere börsensystemisch.

Zu den Offensichtlichen gehören die Wahlmechanismen in einer Aktiengesellschaft. Der von den Aktionären gewählte Aufsichtsrat ernennt und ruft Vorstände ab. Verliert der Vorstand oder der CEO das Vertrauen der Aktionäre, wählen die Anleger bei der Hauptversammlung einen ihnen gesonnen Aufsichtsrat. In der Folge wird die Luft für den Vorstand sehr schnell dünn. Es ist also im Sinne des Vorstandes, die Anleger bei guter Laune zu halten. Dividende funktioniert hierbei ausgezeichnet.

Die Versicherer folgen mit ihrer Dividendenpolitik zudem einem globalen Trend, denn seit dem Jahre 2011 steigt die Summer der Dividendenzahlungen mit Ausnahmen eines Jahres kontinuierlich an, zuletzt auf den Siebenjahreshöchstwert von 1.252 Mrd. US-Dollar.

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Das können allerdings schwerlich die alleinigen Gründe für den Zahlungswillen der Versicherer sein, weiß Gregor Claussen, Asset Management Leiter Aktienresearch, Hauck & Aufhäuser Privatbankiers. “Die Versicherungs-Branche gehört zu den großen Dividendenzahlern. Dafür gibt es zwei Gründe. Das wäre zum einen das niedrige Wachstum der Branche. Bis auf einige Märkte wie zum Beispiel Asien sind die meisten Märkte gesättigt. Gleichzeitig erwirtschaften die Versicherungen relativ hohe Eigenkapitalrenditen. Gepaart mit niedrigem Wachstum ergeben sich somit hohe mögliche Ausschüttungsquoten”, erklärt der Aktienexperte.

Zu gering bewertet

Die Versicherungen werden an den Börsen im Gegensatz zu vielen Tech-Unternehmen gering geschätzt, worüber sie sich auch regelmäßig beschweren. Claussen bestätigt das: “Die relativ geringe Bewertung ergibt sich auch etwas aus der Natur des Geschäfts. Die Garantieverpflichtungen auf der Passivseite und die Investment-Risiken auf der Aktivseite der Bilanz verführen Anleger nicht zum Zahlen von hohen Preisen. Zudem könnten Versicherungen mittel- bis langfristig einem hohen Wettbewerb infolge der Digitalisierung ausgesetzt sein. Daraus folgt: Niedrige Bewertung plus hohe Ausschüttungsquote ergibt hohe Dividendenrendite.”

Handeln die Versicherer also aus einer Position der Schwäche heraus, Claussen verneint: “Die hohen Dividendenzahlungen sind eher ein Zeichen der Stärke. Die Unternehmen sind in der Regel ausreichend kapitalisiert. Zudem ist die hohe Ausschüttung auch ein Signal, dass die Unternehmen ihre Risiken auf der Aktivseite, also Kapitalanlagen und Passivseite, Verpflichtungen aus dem Versicherungsgeschäft unter Kontrolle haben. Ansonsten müssten höhere Rückstellungen gebildet werden.”

Es sprechen also einige Gründe für die Dividendenpolitik der Versicherer, nicht zuletzt die eigene Stärke. Negative Gegenstimmen gegen den eigenen Kurs werden ignoriert. Axel Kleinlein, Bund der Versicherten, moniert, dass die Allianz “großzügige Geschenke an ihre Aktionäre verteilt, gleichzeitig aber die Lebensversicherungskunden massive Kürzungen hinnehmen müssen.”

Ob sie Kleinleins Meinung teilen oder ablehnen, hängt vermutlich davon ab, ob sie Allianz-Lebensversicherungskunde oder Aktionär sind. Sicher ist für absehbare Zeit, solange Geld das ist, werden die Versicherer es weiter unter die Aktieninhaber bringen. (vwh/mv)

Bild: Aktienkurs (Quelle: birgitH / www.pixelio.de / PIXELIO)

Grafikkquellen. Statista

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