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Versicherer am Limit: Nur das Beste ist genug

02.05.2018 – 2018-04-27 14_58_24-05_2018_titel.pdf - Adobe ReaderNichts scheint die Branche mehr aus dem Tritt zu bringen als kritische Töne, die zu allem Übel noch zutreffen. Zum Beispiel, wenn bestimmte Ziele wider Erwarten nicht erreicht wurden, wenn es heißt, Leben geht die Luft aus, oder überhaupt, man hinke digital zurück. Ob Allianz, Munich Re samt Tochter Ergo oder die Generali – wer riskiert schon gerne negative Response, wenn es im Wettbewerb um Kunden, Marktanteile und Spitzenplätze mal holpriger zugeht. Man muss sich aber auch die Frage stellen, welche andere Branche so solide dasteht wie die Versicherer.

Nicht gerügt ist halb gelobt: Gerade Versicherer vermitteln den Eindruck, dass Passivität in Auftritt und Wirkung in deren ganz speziellem Selbstverständnis durchaus unternehmerisches Kalkül beherbergt. Die Insurance-Industrie kocht ihr Süppchen bevorzugt im Verborgenen. Nicht schlimm also, wenn nicht ausgiebig gelobt wird. Es ist ein selbst implantierter Schutzmechanismus für möglicherweise schlechtere Zeiten.

Rein wirtschaftlich ist ein Knock-out-Szenario auf die stillen Marktgiganten – zugegeben mit wenigen Ausnahmen – ohnehin kaum übertragbar. Finanzielle Engpässe gab es nicht, gibt es nicht und wird es in absehbarer Zeit wohl nicht geben. Diese Botschaft transportierte auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft auf seiner Jahrespressekonferenz, zwischen den Zeilen versteht sich.

Im Hinblick auf das vergangene Geschäftsjahr sprachen die Lobbyisten von Ergebnissen, die vorherige Prognosen übertroffen hätten. “Mit Beitragseinnahmen von 197,7 Mrd. Euro (+1,7 Prozent) verbuchten 2017 die Sparten Leben, Sach und Kranken bessere Ergebnisse als zuvor erwartet”, sagte etwa Verbandspräsident Wolfgang Weiler. Für das laufende Jahr rechnen die rund 460 Branchenunternehmen mit einer stabilen Entwicklung.

Wo liegen die Schmerzpunkte?

Wer hat wo wieviel Geschäft gezeichnet? Wo liegen weitere Potenziale? Wer bekommt noch ein Stück von einer kleiner werdenden Torte? Fragen, die die Vorstandsebenen immerwährend umtreiben. Doch reicht das, um zu reflektieren, wie gesund eine ganze Branche tatsächlich ist oder um herauszufinden, wo die Schmerzpunkte liegen?

Ja, sagen die Analysten und Mathematiker, die sich anhand von statistischen Daten, Werten und Entwicklungen auf Ursachenforschung begeben, um neuralgische Punkte frühzeitig zu identifizieren und direkt an die Führungsetagen zu leiten. Von dort aus werden entsprechende Gegenmaßnahmen entwickelt. “Wir wollen erforderliche Veränderungen aus einer Position der Stärke angehen und nicht mit Verspätung und aus einer Not heraus. Und wir wollen mitgestalten und nicht von der Veränderung getrieben sein”, erklärt etwa Allianz-Chefstratege Thomas Naumann.

Nein, sagen dagegen Experten, die den Faktor Mensch und den damit zusammenhängenden Faktor Service in ihre Überlegungen miteinfließen lassen. Schließlich ist Versicherung ein Mensch-zu-Mensch-Geschäft – digitale Beschleunigung hin oder her.

Wenn Vorstandschefs Nadelstiche setzen

Wenn man in der Google-Suche den Satz “Die besten Versicherer Deutschlands” eingibt, erscheinen Millionen an Ergebnissen. Es ist mühselig darüber zu debattieren, welcher Versicherer besser ist als der andere. Und doch ist der Erkenntnisgewinn immens, wenn man sich vor Augen hält, wie unterschiedlich der Aktionsradius der einzelnen Akteure von der Allianz, der Munich Re über die Debeka und die R+V bis zur BGV sein kann und wie geschickt sie ihre Stärken in einem hoch diversifizierten Markt jeweils zu ihren Gunsten ausspielen.

Eine merkwürdige, aber doch interessante Form der Kampfansage an und des Vergleichs zu anderen Wettbewerbern der Branche präsentierte Ende April die Deutsche Familienversicherung, selbsternannter wirklich digitalisierter Versicherer und einziges funktionierendes Insurtech-Unternehmen, in einer Einladung zur Talkrunde. Anspruch sei es, vieles einfacher und besser zu machen als die etablierte Konkurrenz. Die Unternehmen und ihre Heads können also durchaus kratzen und beißen, wenn es sein muss. Aber auf ihre ganz eigene Art.

Nun, wer besser ist als der andere, darüber lässt sich vortrefflich debattieren. Mindestens genauso gut wie bei einem Vergleich zwischen den Fußballstars Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. Und doch ist eines sicher – wie auf dem Fußball- so auf dem Marktplatz Versicherung. Entscheidend ist, was man aus Veranlagung und Möglichkeiten macht. (mst) 

Mehr zum Thema lesen Sie in der neuen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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