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Verkauf der Generali Leben nimmt erste Konturen an

14.07.2017 – IMGM0673Noch sind es nur Gerüchte, die sich aber immer mehr verdichten und die deutsche Versicherungslandschaft erschüttern werden: Der italienische Versicherungskonzern Generali soll Insidern zufolge die US-Investmentbank Morgan Stanley konkret damit beauftragt haben, einen Verkauf der deutschen Tochter Generali Leben oder andere Optionen zu prüfen. Damit käme der bisher größte Bestand an Lebensversicherungen in Deutschland auf den Markt.

Die Generali Leben, einer der größten Lebensversicherer, verfügt über Beitragseinnahmen von rund 3,1 Mrd. Euro und betreut rund 4,2 Mio. Verträge. Das Portfolio beinhaltet mehr als 41 Mrd. Euro Kapitalanlagen. Die Erträge daraus lagen 2016 bei 1,6 Mrd. Euro. Eine solche Transaktion dürfte im deutschen Lebensversicherungsmarkt mindestens ein mittleres Erdbeben auslösen und bedeutet einen weiteren Vertrauensverlust in das Lebensversicherungsgeschäft hierzulande.

Interessant ist auch und weitgehend an der Öffentlichkeit vorbeigegangen, dass die Generali Leben schon gar keine eigenen Beschäftigten mehr hat. Bis Ende 2016 waren es noch insgesamt 505 von einstmals mehreren Tausend. Wörtlich heißt es im Geschäftsbericht: “Durch den Teilbetriebsübergang Target Orga, resultierend aus der strategischen Neuausrichtung der Generali in Deutschland aus der Generali Lebensversicherung AG in die Generali Deutschland AG zum 31.12.2016, waren zum Januar 2017 keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Generali Lebensversicherung AG mehr beschäftigt“. Im Übrigen wurden auch die Mitarbeiter der Generali Sach, die nicht zum Verkauf anstehen soll, auf die Generali Deutschland übertragen. Die Mitarbeiter sind jetzt noch per Dienstleistung für die Leben und die Sach tätig.

Die jetzige Generali Leben war 2009 aus der Fusion der Volksfürsorge Lebensversicherung und der Generali Lebensversicherung hervorvorgegangen und kerngesund. Seitdem hörte man in regelmäßigen Abständen allerdings von Kostensenkungsprogrammen, die mit dem Abbau von Hunderten von Arbeitsplätzen einhergingen. Zugleich wurde in Leipzig eine Dienstleistungsgesellschaft gegründet, um mit neuen Mitarbeitern kostengünstiger zu arbeiten. Ende 2015 wurde das Neugeschäft mit traditionellen Lebensversicherungen bereits eingestellt. Auch auf der Vorstandsebene gab es sehr oft überraschende Veränderungen.

Was passiert mit dem Vertrieb?

Neu sind Verkaufs-Gerüchte um den Lebensversicherer des größten italienischen Versicherungskonzerns oder gar ein Run-off nicht. Zuletzt waren Anfang des Jahres Hinweise über Veränderungspläne bekannt geworden. In den letzten Monaten war es aber wieder ruhiger geworden. Allerdings gibt es Informationen, dass spätestens im August/September 2017 eine Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens fallen würde.

Noch sei nichts entschieden, heißt es aus der Generali. Der Prüfprozess sei aber im Gange. Als Argument wird immer wieder angeführt, dass die Niedrigzinsphase das Unternehmen stärker betroffen habe als die Schwestergesellschaften Cosmos Direkt und Aachen Münchener Leben. Hier stellt sich allerdings die Frage nach dem Warum und möglichen Versäumnissen des Managements, das Ruder rechtzeitig rumgerissen zu haben.

Der Verkauf der Leben-Tochter dürfte auch für den Generali-Vertrieb weitreichende Konsequenzen haben. Dann wäre kein Haupt-Produktgeber mehr vorhanden. Der andere Lebensversicherer des Konzerns, die Aachen Münchener Leben, darf aufgrund eines Exklusivvertrages ausschließlich vom Vertrieb der DVAG bedient werden. An der DVAG ist die Generali mit 40 Prozent beteiligt. Um nun dem Generali Vertrieb eine neue Perspektive geben zu können, soll Deutschland-Chef Giovanni Liverani nach wie vor mit der DVAG über einen Verkauf des Vertriebs an diesen verhandeln.

Realistische betriebswirtschaftliche Berechnungen des inzwischen ausgeschiedenen Finanzvorstands Utecht hatten allerdings, so heißt es aus zuverlässigen Quellen, schon sehr früh zum Ergebnis geführt, dass der Übergang des Vertriebs auf den größten deutschen Finanzvertrieb mit großen Unwägbarkeiten verbunden sei. Zudem sei nicht auszuschließen, dass mindestens ein Drittel der Agenturen den Weg in die DVAG verweigern würde und daher über die Jahre mit erheblichen Bestandsübertragungen auf andere Gesellschaften zu rechnen sei. Auch in Italien sei inzwischen verstanden worden, welche Risiken in den Plänen von Liverani stecken.

Kein Maklergeschäft mehr

Nachdem bereits das Maklergeschäft in Leben von der Dialog Lebensversicherung AG betreut wird, soll Liverani zudem die komplette Einstellung des Geschäfts mit freien Vermittlern in Komposit vorbereiten, und das, obwohl Makler in diesen Sparten jährlich rund 800 Mio. Euro Bestandsprämie einbringen. Allerdings verwundert dann in diesem Zusammenhang die Meldung, dass zum 1. Juli 2017 mit Stefanie Schlick von der Cosmos eine Nachfolgerin für Olaf Engemann die Leitung Unabhängige Vertriebspartner der Generali übernommen hat.

Anmerkung der Redaktion: In einer Stellungnahme zu diesem Artikel widerspricht die Generali den Gerüchten. Diese würden jeglicher Grundlage entbehren. Das Unternehmen biete auch weiterhin das profitable Kompositgeschäft im Maklervertrieb an. Das Management der Generali Deutschland arbeite intensiv daran, die zukünftige Marktposition des Unternehmens nachhaltig zu stärken. Deutschland sei ein strategisch bedeutender Markt.

Für die Advocard Rechtschutzversicherung und die Central Kranken sind nach Informationen von Insidern ebenfalls Veränderungen vorgesehen. So sollen zwar die Marken erhalten bleiben, aber die Gesellschaften durch eine gemeinsame verwaltungstechnische Plattform unter dem Dach der Aachen Münchener zusammengeführt werden. Daneben gibt es dann noch den erfolgreichen Direktversicherer Cosmos Direkt.

Seitens der Generali wurde bisher offiziell lediglich erklärt, bereits auf dem Investorentag 2016 in London angekündigt zu haben, über den Verkauf verschiedener Portfolios, einschließlich solcher in Deutschland,  nachzudenken, aber auch andere Optionen zu prüfen. Für die Generali sei es wichtig, die Gruppe im besten Interesse der Aktionäre zu managen. Es sei in den letzten zwei Jahren gelungen, durch Kostensenkungen und das Management der Kapitalanlagen die Generali Leben finanziell sicherer und gesünder zu machen. Die Sovency-II-Quote lag Ende 2016 bei 169 Prozent, die der Aachen Münchener bei 504 Prozent und die der Cosmos bei 542 Prozent.

Ganz trennen will sich der italienische Generali-Konzern auch von Tochtergesellschaften in anderen weniger rentablen Märkten dieser Welt. Mit dem Verkauf internationaler Unternehmensanteile will der Versicherer eine Milliarde Euro erwirtschaften. Zudem sollen die Betriebskosten um mindestens 200 Mio. Euro reduziert werden. (vwh/wo)

Bild: Generali-CEO Philippe Donnet (Quelle: Generali)

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