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“Telematik gewinnt an Bedeutung”

05.09.2017 – christoph_meurer_itzehoerTelematik ist derzeit nicht unumstritten. Während die Versicherten entsprechende Tarife nur teilweise als gerecht empfinden, sorgt vor allem die Weitergabe von Daten für Differenzen. “Telematik in der heutigen Form mit einer gesonderten Hardware ist sicher nur eine Übergangslösung”, betont Christoph Meurer von der Itzehoer im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Telematik-Tarife sind seit langem ein Thema bei den Kfz-Versicherern. Allerdings sind diese nicht unumstritten, manche Versicherer haben sich gar schon davon verabschiedet. Was soll Telematik also den Versicherern bringen?

Christoph Meurer: Es sind drei Aspekte, die Telematik für einen Versicherer interessant machen und es wert sind, Telematik zu erforschen. Zum einen ist es das Thema Schadenmanagement und Assistance im Schadenfall. Ein Schaden ist für den Kunden immer eine Extremsituation und wir als Versicherer möchten ihm helfen, möglichst schnell alles Notwendige in die Wege zu leiten. Hier gilt, je früher wir unterstützen können, desto besser für den Kunden.

Der zweite Aspekt ist die Kundenbindung, da durch Telematik eine andere Art der Kommunikation mit dem Kunden möglich wird. Der Versicherer kann nicht nur im Schadenfall seine Qualitäten zeigen, sondern auch darüber hinaus nützliche Unterstützung bieten. Der dritte Punkt ist dann die Tarifierung. Mit Hilfe der Telematik kann es möglich werden, fairer und risikogerechter zu tarifieren. Es werden nicht mehr Ersatzmerkmale wie Wohneigentum herangezogen, sondern das Fahrverhalten wird gewertet. Dieser Punkt fordert aber noch einiges an Forschung und Entwicklung.

Aus diesem Grund haben wir als Itzehoer Versicherungen gemeinsam mit der aktuariellen Beratung Meyerthole Siems Kohlruss und dem Förderverein VM4K.de eine Masterarbeit mit dem Thema “Aktuarielle Analyse von großen Telematikdatenmengen” in Auftrag gegeben. Die Arbeit zeigt auf, dass hier einiges an Potenzial vorhanden ist und weitere, tiefer gehende Analysen sinnvoll sind. Die Art der Prämienfindung könnte nicht nur fairer werden, sondern auch deutlich einfacher und schneller.

VWheute: Talanx-Vorstand Jan Wicke sieh die Akzeptanz “generell nicht so hoch”, was unter anderem am Datenschutz liege. Wie lautet Ihr Urteil? Und welche Zukunft hat Telematik aus Ihrer Sicht?

Christoph Meurer: Telematik in der heutigen Form mit einer gesonderten Hardware ist sicher nur eine Übergangslösung. Telematik-Tarife von Versicherern werden aber stark an Bedeutung gewinnen, wenn die Daten aus den Fahrzeugen genutzt werden können. Dadurch muss der Kunde keine gesonderte Hardware in seinem Auto verbauen und auch die Akzeptanz für die Nutzung der Daten durch Versicherer wird zunehmen. Das Thema Datenschutz ist ein hohes Gut. Hier gilt es durch eine verständliche und transparente Darstellung den Kunden umfassend zu informieren. Bei den Itzehoer Versicherungen war daher der Datenschutzbeauftragte von Beginn an ins Projekt integriert.

VWheute: Stichwort Daten: Derzeit streiten sich Autoindustrie und Versicherer über das “Vorrecht auf die Daten”. Der GDV meint, diese gehörten in die Hände der Autofahrer. Wie sehen Sie das Thema?

Christoph Meurer: Ganz klar gehören die Daten dem Autofahrer. Wie er, wo und wann er fährt und was mit den Informationen geschieht, muss er selbst entscheiden können. Diese Informationen haben auch nichts mit der Technik des Fahrzeugs zu tun und Betriebsgeheimnisse des Herstellers werden durch eine Freigabe nicht gefährdet.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Tobias Daniel.

Bild: Christoph Meurer, Prokurist bei den Itzehoer Versicherungen und Abteilungsleiter für den Produktbereich Schaden/Unfall, refereriert heute auf der K-Tagung “Kraftfahrt unter Strom”. (Quelle: Itzehoer)

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

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Die Zurich Gruppe Deutschland überarbeitet ihre Tarife in der privaten Sach- und Unfallversicherung komplett und macht sie fit für den Abschluss über so genannte Spracherkennungsplattformen. “Wir werden alle digitalen Touch Points für den Kunden ausbauen und müssen gucken, wie die Kunden sie annehmen. Es gibt bereits 28 Millionen in Deutschland, die Sprachassistenten nutzen – Tendenz steigend”, sagte Vorstandschef Marcus Nagel am Montag in Köln.

“Junge Leute werden bei Rente allein gelassen”
“Junge Leute, die bei der Rente in eine ungewisse Zukunft schauen, werden dabei komplett allein gelassen”, beklagt Christoph Schmallenbach. Der Vorstandsvorsitzende der AachenMünchener Lebensversicherung begründet das damit, dass die Rentenprogramme der Parteien alle auf die jetzige und die nächste Rentengeneration abzielten.

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