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Tektonische Bewegungen: Munich Re muss liefern

15.03.2018 – gebaeude_munichre“Harvey”, “Irma” und “Maria”: Genau diese tropischen Wirbelstürme haben den führenden deutschen Rückversicherern Munich Re und Hannover Rück das Geschäft im abgelaufenen Jahr mächtig schwer gemacht haben. Die Vorab-Bilanzen zeigen auch, dass nicht alles schlecht war, wie die Hannover Rück jüngst belegt. Wenn die Munich Re heute ihre endgültigen Zahlen vorlegt, dürften die rosigen Zeiten mit Milliardengewinnen vorerst vorbei sein.

Vor allem der M-Dax-Konzern wusste im Wettbewerb der Big Player gekonnt Ausrufezeichen zu setzen. Unter dem berühmten Strich verbucht die Hannover Rück mit einem Konzernergebnis von rund 959 Mio. Euro – nach knapp 1,2 Mrd. Euro im Vorjahr. “Obwohl dieses hinter den Vorjahreswerten zurückbleibt, kann es als zufriedenstellend bewertet werden, wenn man bedenkt, dass das Jahr 2017 durch Naturkatastrophenereignisse geprägt war, die zu versicherten Schäden von deutlich mehr als 100 Mrd. US-Dollar geführt haben”, erklärt Ulrich Wallin.

Indes berichtet der Vorstandsvorsitzende der Hannover Rück von erfolgreichen Verhandlungen bei der Erneuerungsrunde für die Schaden-Rückversicherung zum 1. Januar 2018. “Wir konnten bei den Verhandlungen notwendige Preiserhöhungen durchsetzen, strategische Kooperationen ausbauen und unsere Anteile erhöhen, sodass wir in vielen Sparten wieder gewachsen sind.”

Das typische Branchenspiel geht also in eine neue Runde: Größere Schäden wie im abgelaufenen Geschäftsjahr führen meist zu höheren Prämien für das neue Jahr. Allerdings, schränken Experten ein, bleibe das Angebot am Rückversicherungsmarkt weiterhin hoch.

Edward Morris von JP Morgan wies in einer ersten Einschätzung darauf hin, dass die Hannoveraner die Preise stärker gesteigert hätten als der Kontrahent Münchener Rück kurz zuvor. Deutlich waren die Zuwächse für die Niedersachsen in den Märkten Asien und Großbritannien. Zudem sollen sich in Nordamerika, der Karibik, Osteuropa sowie in den Bereichen Financial Solutions und Cyber attraktive Möglichkeiten eröffnet haben, das Portefeuille auszubauen.

Wallin düpiert großen Konkurrent

Haben die bekennenden Befürworter des gepflegten Understatements aus Hannover die mächtige Konkurrenz aus München im Jahr 2017 düpiert? Diese Frage muss man sich stellen. Immerhin gelang Wallin ein im Vergleich zum größeren Rivalen mehr als doppelt so hohes Resultat. Der Munich Re, die einen Gewinn von 392 Mio. Euro erzielte, wurde die Serie von Wirbelstürmen zum Verhängnis. Das Ergebnis der Schaden- und Unfall-Rückversicherung sank auf -476 Mio. Euro. Die Schaden- Kosten-Quote stieg aus demselben Grund auf 114,1 Prozent der verdienten Nettobeiträge, im vierten Quartal betrug sie 103,9 Prozent. Die Gesamtbelastung aus Großschäden betrug 2017 -4.314 Mio. Euro.

Lichtblick waren die Ergebnisse der Munich-Tochter Ergo. Das Geschäftsfeld verzeichnete einen Überschuss von 273 Mio. Euro. Das ursprüngliche Ziel lag in der Spanne von 200 bis 250 Mio. Euro. Allein auf der Basis des vergangenen Geschäftsjahres von einer umbrechenden Hackordnung in der Rückversicherung zu sprechen, wäre trotzdem unangemessen – und naiv. Nicht unwichtig für die aktuellen Entwicklungen dürfte die Tatsache gewesen sein, dass sich die Hannoveraner im dritten Quartal von ihrem fast eine Milliarde schwerem Portfolio börsennotierter Aktien trennten.

Die Munich Re dagegen hatte im vierten Quartal ihre Aktienquote weiter ausgebaut. Wenn man die Prognosen für 2018 analysiert, dürfte sich die Rangfolge aller Voraussicht nach bald wieder im Bereich des Normalen einpendeln. Während die Hannover Rück 2018 einen Nettokonzerngewinn in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro anvisiert, hat sich die Munich Re einen Überschuss von rund 2,4 Mrd. Euro zum Ziel gesetzt. Vorausgesetzt, ungewöhnlich hohe Großschäden bleiben aus. Doch wer weiß das schon, in einem unberechenbaren Markt. (mst)

Den vollständigen Kommentar lesen Sie auch in der aktuellen März-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

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