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Tarifverhandlungen: Gelingt der Durchbruch?

30.08.2017 – Verdi_StreikDie Tarifverhandlungen für die rund 170.000 Beschäftigten in der Versicherungsbranche werden heute in München fortgesetzt. Das haben die Gewerkschaft Verdi und der Arbeitgeberverband AGV vereinbart. Ob es in dieser vierten Runde zu einem Durchbruch oder gar Abschluss kommen wird, bleibt die spannende Frage. Die Erklärungen beider Seiten im Vorfeld, Bereitschaft für einen Abschluss zu zeigen, sprechen nach vorsichtiger Einschätzung dafür.

Die Versicherungswirtschaft befindet sich nicht erst seit diesem Jahr in einer ausgesprochen schwierigen Phase. Das niedrige Zinsniveau, hohe Investitionen im digitalen Bereich, neue Konkurrenz durch Startup-Unternehmen, Solvency II, Compliance-Regelungen und weitere regulatorische Maßnahmen zehren an einer in früheren Zeiten erfolgsverwöhnten Branche. Selbst vor einem “Run-off” in der Lebensversicherung schrecken die Konzerne nicht mehr zurück. Das bisherige Prädikat der Assekuranz, als Branche Wachstumslokomotive zu sein, hat inzwischen nicht nur die produzierende Wirtschaft übernommen, die mit gefüllten Auftragsbüchern und Vollbeschäftigung glänzen kann.

Nun ist die Versicherungsbranche nach wie vor substantiell sehr stark und hat ausreichend Vorsorge für Zeiten getroffen, wenn es mal nicht so toll läuft. Dennoch muss das Gebot eines verantwortungsvollen wirtschaftlichen Handelns, oberste Regel bleiben. So hat die gewerkschaftliche Forderung, die Verhandlungen über einen neuen Gehaltstarifvertrag mit einem sogenannten “Zukunftstarifvertrag Digitalisierung” zu koppeln, für helle Aufregung auf den Vorstandsetagen gesorgt. Die Arbeitnehmervertretung fordert unter anderem einen Weiterbildungsfonds, der von allen Versicherungsgesellschaften finanziert wird sowie den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen.

Mit Digitalisierung geht jedes Unternehmen unterschiedlich um

In den ersten drei Verhandlungsrunden gab es deshalb auch keinerlei Annäherungen. Verdi hat daraufhin mit mehreren Warnstreiks geantwortet. Wobei man auch wissen muss, dass die Versicherungsbranche im letzten Jahr per Saldo “nur” rund 1,5 Prozent der Arbeitsplätze in Innen- und Außendienst abgebaut hat. Demgegenüber sind sogar, so sagen es die Arbeitgeber, bereits zahlreiche neue Arbeitsplätze aufgrund der Anforderungen im Rahmen der Digitalisierungsmaßnahmen entstanden.

Gewerkschaften neigen in aller Regel dazu, alles immer über einen Kamm zu scheren und durch Tarifverträge die Probleme dieser Welt absichern zu wollen. Hier stellt sich die Frage, ob solche allgemeinen Schutzplanken beim Thema Digitalisierung überhaupt sinnvoll sind. Das Thema betrifft die Unternehmen in unterschiedlichster Weise und Heftigkeit. Schon allein aus wirtschaftlichen Gründen wird sich aber kein Unternehmen vorschreiben lassen wollen, einen Arbeitsplatz, der nicht mehr benötigt wird, dennoch aufrechterhalten zu müssen.

Das würde jedem ökonomischen Grundsatz zuwider laufen. Deshalb ist eine manteltarifvertragliche Regelung das völlig falsche Instrument. Vielmehr sollten Gewerkschaften und Betriebsräte individuelle Betriebsvereinbarungen mit den Unternehmen abschließen, mit denen auf die Besonderheiten jedes einzelnen Unternehmens auf geeignete Weise viel besser und intensiver eingegangen werden kann. Hier sollten die Gewerkschaften auch im eigenen Interesse stärker auf die Kompetenz der Betriebsvertretungen setzen.

Wenn Verdi über diese Brücke gehen würde, und damit im Interesse der Stärkung der Versicherungsbranche und letztlich der immer noch stattlichen Zahl an Arbeitsplätzen, dürften für den sozialen Frieden in den Unternehmen die Signale wieder auf grün stehen. Bei dieser Gelegenheit sollte auch daran erinnert werden, dass die Arbeitgeberseite für den Gehaltstarifvertrag ein Angebot von 3,33 Prozent für 36 Monate auf den Tisch gelegt hat, über das auch verhandelt wird. (vwh/wo)

Bild: Verdi-Mitglied am 19. Juni in Hannover. (Quelle: Verdi)

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