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Talanx will mittelfristig zukaufen

02.10.2017 – Talanx_Haas_QuernerHerbert K. Haas und Immo Querner, Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der Talanx, freuen sich über eine Kriegskasse von bis zu fünf Mrd. Euro. Dass sie diese in Zukunft für internationale Akquisen nutzen wollen, verrät die Talanx-Führung auf dem fünf jährigen Börsenjubiläum. Eine Akquise im Deutschland-Vertrieb verkündet das Unternehmen bereits am gleichen Tag.

Im ausländischen Privatkundengeschäft, auch in der Industrieversicherung, will die Talanx zukaufen, das erklärte Vorstandsvorsitzender Herbert K. Haas auf einer Veranstaltung zum fünfjährigen Börsenjubiläum der Gruppe in Frankfurt am Main. Der Ankeraktionär der Talanx-Gruppe, der HDI V.a.G., sei bereit seinen Aktienanteil auf 50,1 Prozent verwässern zu lassen, um den Hannoveranern das nötige Kapital zuzuschießen. “Ich könnte bis zu fünf Mrd. Euro ausgeben”, rechnet Haas vor.

Eine Liste mit möglichen Kandidaten, besitzt Haas zwar noch nicht. “Bei der Industrieversicherung steht wenig im Schaufenster”, ergänzt sein Finanzvorstand Immo Querner. Doch könnte sich der Talanx-Vorstand ein stärkeres Investment in der Industrieversicherung in den USA und in Lateinamerika vorstellen. Der Generali hatte die Talanx jüngst ihre Kolumbien-Tochter abgekauft. Außerdem ist sie derzeit mit der Tochter HDI in sechs lateinamerikanischen Staaten (Argentinien, Brasilien, Chile, Peru, Uruguay und Mexiko) vertreten.

Talanx kauft FVB

Das Deutschland-Geschäft verliert die Talanx deshalb nicht aus den Augen. Zum Börsenjubiläum gibt sie zudem bekannt, dass die Talanx die Finaz und Versorungsberatung mbh (FVB) aus Osnabrück inklusive ihrer 300 Vermittler und 100.000 Kunden aufkauft. Die Digitalisierung im Vertrieb wolle man dadurch stärken. Und Haas sichtlich bemüht zu betonen: „Der deutsche Markt wird unser Hauptmarkt bleiben.“ Dies gelte vor allem in der Erstversicherung, aber auch für die Hannover Rück.

Dass die Rückversicherungs-Tochter eben erst eine Gewinnwarnung ausgeben musste, kann die Freude Haas’ über die positive Bilanz des Börsengangs nicht trüben. “Die letzten fünf Jahre waren aus unserer Sicht sehr erfolgreich.”  Das Überschreiten des Großschadenbudgets durch das Erdbeben in Mexiko und Hurrikan “Maria” und damit das Übersteigen eines kalkulierten Erwartungswertes liege Querner zufolge in der Natur des Versicherungsgeschäftes. Alles normal also. Und doch ist es das “schlimmste Schaden-Jahr“ seit dem Börsengang.

Willst Du mit mir traden? Ja, nein, vielleicht

“Ich würde es noch einmal machen”, sagt Haas rückblickend auf den Börsengang. “Die Sanierung der Talanx wäre sonst wohl nicht so konsequent umgesetzt worden.” Immerhin hat sich die Talanx-Führung rund 20 Jahre Zeit bis zu diesem Schritt gelassen: Als Running Gag der Versicherungswirtschaft galt das Projekt schon, als die Talanx es 2012 doch noch wagte. Angedacht, immer wieder angekündigt und doch wieder abgesagt hatte die Talanx-Führung den Börsengang – selbst knapp drei Wochen bevor sie die Aktie schließlich doch aufs Parkett schickten. Die Investment-Banken waren kurzfristig zu dem Schluss gekommen, der Platzierungspreis von 18,30 Euro sei zu hoch angesetzt, und um jeden Preis hatte sich die Talanx nicht verkaufen, verrät Haas.

Dass gut Ding Weile haben will, beweist der drittgrößte Versicherer Deutschlands mit seiner Erfolgsgeschichte: Anders als die Telekom-Emission, die fünf Jahre nach Börsengang deutlich unterhalb des Platzierungspreises notierte, hat die Talanx-Aktie ihren Platzierungspreis nicht mehr unterschritten. Vielmehr hat sie seit dem 2. Oktober 2012 ganze 85 Prozent zugelegt, der Total Shareholder Return beläuft sich nach einer halben Dekade an der Börse sogar auf 118 Prozent.

Index schlägt Aktie schlägt Index

Gegen den MDax, indem sie ebenfalls seit 2012 gelistet ist, gewinnt die Talanx damit zwar nicht. Ganze 131 Prozent hätte schließlich ein ETF auf den Index mit den 60 größten Unternehmen hinter dem Dax gebracht. Den Branchenvergleich brauchen die Hannoveraner indes nicht scheuen. Während die Talanx-Aktie nach den ersten fünf Jahren mit acht Prozentpunkten über der Benchmark Stoxx Europe 600 Insurance steht, hat der Index nur 110 Prozent zugelegt.

Die Dividende der Talanx-Aktie konnte seither jährlich erhöht werden. Zuletzt erhielten die mittlerweile rund 26.000 Aktionäre mit 1,35 Euro eine Rendite von 4,8 Prozent für ihr Papier. Der Anteil der Aktien in Streubesitz ist heute deutlich höher als im Jahr 2012, schließlich hält der einstmalige meldungspflichtige Minderheitenaktionär, der japanischen Versicherer Meiji Yasuda, heute nur noch zwischen drei und fünf Prozent aller Talanx-Aktien. Direkt nach Börsengang waren es noch 6,5 Prozent. Die strategische Partnerschaft mit den “Freunden” bestehe weiterhin, betont Haas. Auch Großaktionär HDI V.a.G. hat von ehemals 82,3 auf 79 Prozent abgebaut.

“Keiner unserer Aktionäre stört sich an niedriger Aktienquote”

Bei der Kapitalanlage der Talanx setzt Finanzvorstand Querner selbst weniger auf Aktien, sondern auf klassische Assets. “Die Investoren raten uns, bei der Aktienquote maßvoll zu bleiben, diese nicht zu erhöhen.” Sein Vorstandsvorsitzender pflichtet ihm bei: “Keiner unserer Aktionäre stört sich an unserer niedrigen Aktienquote”, sagt Haas.

Mit der soliden Wachstumsgeschichte und einer gut gemachten Berichten hat es die Talanx nach fünf Jahren sogar in den FTSE4Good geschafft. Der Index listet Unternehmen, die besondere Nachhaltigkeitskriterien einhalten und entsprechende Kennzahlen veröffentlichen. Obwohl die Hurrikans in der Karibik wohl durch den Klimawandel heftiger werden und sich immer mehr Einzelunternehmen ihrer ökologischen Verantwortung bewusst werden, besaß Nachhaltigkeit für Vorstandsvorsitzenden bis vor zwei Jahren keine große Priorität. Da immer mehr Investoren eine nachhaltige Unternehmensführung verlangten, habe er sich schließlich von deren Vorteilen überzeugen lassen, gibt Haas zu. (de)

Bild: Immo Querner, Finanzvorstand, und Herbert K. Haas, Vorstandsvorsitzender der Talanx-Gruppe (Quelle: de)

Hinweis in eigener Sache: Die nächste Ausgabe von VWheute erscheint wegen des Tages der deutschen Einheit am Mittwoch, dem 04.10.2017, wie gewohnt um 00.04 Uhr. Bleiben Sie uns gewogen.

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

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