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Talanx macht Aktionäre glücklich

20.03.2017 – Hebert_Haas_TalanxAm Talanx-Konzern scheiden sich die Meinungen der Experten. Für die einen ist er der schlafende Riese in der Branche, für die anderen ein expandierender Vorzeigekonzern unter den Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit. Wie so oft, dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Heute veröffentlicht der Konzern seine Geschäftszahlen für 2016. Spektakuläres ist kaum zu erwarten.

Diplom-Kaufmann Herbert K. Haas führt seit nunmehr elf Jahren eine Gruppe, die mit so ehrwürdigen Namen wie Hannover Rück SE, HDI, neue leben und PB Versicherungen, weltweit Erst-, Rück- und Industrieversicherungsgeschäft betreibt. In den letzten Jahren hat der Konzern international immer stärker an Gewicht gewonnen. Ausflüge in andere Wirtschaftszweige – um zusätzliches Wachstum zu generieren – sind dem 62-Jährigen Haas, der in jungen Jahren zwei Jahre als Referent bei der Vorgängerin der Bafin im Arbeitsgebiet Schaden-, Unfall- und Rückversicherungen gearbeitet hat, verpönt.

Das ist auch besser so, denn in vorderster Linie muss der Konzernchef darauf achten, dass die Erstversicherer einen höheren Anteil am Gesamtergebnis abliefern als das bisher der Fall ist. Er spricht selbst von einer notwendigen 50:50-Balance. Rund 4,6 Mrd. Euro steuert das internationale Privat- und Firmengeschäft bei.

Eine andere Zahl, die das Dilemma verdeutlicht: 65 Prozent des operativen Ergebnisses kommen allein vom drittgrößten Rückversicherer der Welt, der Hannover Rück SE. Wobei Talanx natürlich nicht auf das hervorragende Ergebnis des glänzend aufgestellten Unternehmens in der Königsdisziplin der Versicherer verzichten will.

Konzernchef präferiert Industriegeschäft

Was Haas sympathisch macht, ist, dass er die Probleme seines Konzerns offen anspricht und nichts verklausuliert. Es herrscht großer Optimismus, alles schaffen zu können. Gerade das Industriegeschäft macht dem Konzernchef immer mehr Spaß. Er sieht aber auch Nachholbedarf im Privatgeschäft des deutschen Marktes. Ob ihm alles noch in seiner Zeit als Vorstandschef gelingt, sei dahin gestellt. Sein Vertrag läuft noch bis Ende 2019, dann ist Haas 65 Jahre alt.

So gibt er ebenfalls offen zu, dass Talanx in der IT dem Markt um einige Jahre hinterherhinkt. Inzwischen seien allerdings die Weichen für eine Effizienzsteigerung durch Automatisierung und Digitalisierung gestellt worden. Bei den Kosten hat Talanx ebenfalls einen deutlichen Nachholbedarf gegenüber vergleichbaren Mitbewerbern. Deshalb wurde die Notbremse gezogen.

Bis 2020 sollen rund 300 Mio. Euro in die Hand genommen werden, um die Ausgaben jährlich um 240 Mio. Euro zu senken. Das kostet allerdings in den nächsten vier Jahren 930 Beschäftigten den Arbeitsplatz. Wenn Talanx auch bekannt ist für seine eher konservative Anlagepolitik, geht man bei den Kapitalanlagen inzwischen verstärkt in moderne Infrastruktur-Investments, Privaty-Equity-Maßnahmen sowie ertragreiche Immobilien.

Dennoch betonte Talanx-Finanzvorstand Immo Querner unlängst im Exklusiv-Interview mit dem Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft, “keine Zockerbude sein zu wollen”. Das Ziel einer reinen Renditeoptimierung stellt er in Abrede. Zufrieden dürften die Aktionäre der Talanx AG sei: Als Dividende soll es bei 900 Mio. Konzernergebnis im vergangenen Jahr 1,35 je Aktie geben, das sind fünf Cent mehr als 2015.

Wer das Zentral-Gebäude in der Hannoveraner Hauptverwaltung betritt, glaubt sich in einer futuristischen Welt wieder zu finden. Talanx muss in den nächsten Jahren hart an sich arbeiten, damit das Erscheinungsbild mit Anspruch und Wirklichkeit übereinstimmt.

Kontinuität mag eine gute Voraussetzung für Erfolg sein, dennoch müssen die vorhandenen Impulse auch zünden. Zu wünschen wäre es dem Versicherer, der nach wie vor seine dynamische Kraft aus dem Einfluss eines traditionsreichen Versicherungsvereins schöpfen kann. (wo)

Bild: Herbert K. Haas, Vorstandsvorsitzender der Talanx (Quelle: Talanx)

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