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Swiss Re: Mumenthaler muss die Zukunft vorstellen

23.02.2018 – Mumenthaler_Swiss_reVergessen sie Schweizer Gemütlichkeit – bei der Vorstellung der Zahlen 2017 wird es Feuer geben. Im dritten Quartal musste die Swiss Re einen dreistelligen Verlust bekanntgegeben, die Softbank will massiv einsteigen und fordert dafür erheblichen Mitsprachegegenwert. Zudem gelingt es den Rückversicherern nicht, angemessene Prämien zu erzielen. Der CEO Christian Mumenthaler muss auf der heutigen Bilanzpressekonferenz alle Register ziehen.

Ob die Schweizer möchten oder nicht, der sich abzeichnende Einstieg der Japaner von Softbank wird das bestimmende Thema sein. Bisher konnten sich die Schweizer mit dem Hinweis auf die quiet period den Spekulationen entziehen, das wird heute bei den Fragen der Journalisten nicht möglich sein. Nach Medienberichten möchte die Softbank 161 Mrd. US-Dollar in die Schweizer investieren. Als Gegenleistung fordern sie mehrere Sitze im “Swiss Re board”, also ein deutliches Mitspracherecht bei der Konzernausrichtung.

Zuvor wurde über einen Einstieg von einem Drittel spekuliert, mittlerweile wird laut Insidern in zunehmend ernsteren Gesprächen ein Engagement von “20 bis 30 Prozent” besprochen. Eine Schweizer Zeitung hatte spekuliert, der Einstieg der Japaner würde einen Wechsel des Geschäftsfeldes nach sich ziehen, weg von der launenhaften Rückversicherung, hin zum Lebensversicherungsmarkt. Die Schweizer dementierten umgehend und verwiesen auf die Wichtigkeit des Geschäftsfeldes Rückversicherung.

Mumenthaler selbst erklärte bereits vor Wochen: “Wir sehen, dass in einigen unserer Märkte erhebliche Herausforderungen bestehen aber langfristig sind wir optimistisch. Im derzeitigen Umfeld ist es absolut unerlässlich, dass wir uns auf unsere Stärken konzentrieren: Die Nutzung unseres Wissens, Risiken zu bewerten und denjenigen Geschäftsbereichen Kapital zuzuweisen, die am attraktivsten sind.”

Das kann man als ein Bekenntnis lesen. Gleichzeitig sagte Mumenthaler allerdings auch, “dass Kapazitäten in bestimmten Bereichen des Sach- und Haftpflicht-Geschäfts weiter zurückgefahren werden”, im Gegenzug werde mehr in das “Leben- und Krankenversicherungsgeschäft investiert”. Das ist ein Wechsel zu mehr LV-Geschäft.

Was bringt der Neue?

Die Softbank ist bisher kein Spieler auf dem Versicherungsmarkt, sondern hat seine Stärken eher in den Bereichen Kommunikation, Medien und seit dem Einstieg bei Auto1 auf dem KFZ-Markt. Eine gewisse Neuorientierung des Geschäftsfeldes der Swiss Re wäre vor diesem Hintergrund mehr als vorstellbar, wenn auch zunächst in begrenztem Umfang. Mumenthaler selbst scheint allerdings trotz Unwettern an der Unternehmensstrategie festhalten zu wollen: “Naturkatastrophen gehören nun einmal zu unserem Kerngeschäft, und es gibt in den USA nichts, was wir jetzt sehen, was völlig außergewöhnlich wäre.”

Bald werden alle Beobachter wohl wissen, wohin der Weg der Swiss Re und Softbank führt, denn Masayoshi Son, CEO und Gründer von Soft Bank, und Walter Kielholz, Chairman der Swiss Re, werden sich laut Medienberichten “in den kommenden Wochen treffen”, um das Geschäft zu finalisieren.

Die Einschätzungen von Marktbeobachtern über den Sinn des Einstiegs halten sich die Waage. “Es ist mir ein Rätsel. Eine solche Transaktion macht für mich keinen Sinn”, erklärte ein Analyst der Bank Julius Bär. Moody’s prophezeit dagegen eine “langfristig positive” Aussicht und begründet dieses Urteil mit einer besseren Kapitalisierung des Unternehmens.

Mumenthaler wird sich vor dem Beginn der Gespräche etwas dabei gedacht haben. Vielleicht hat ihn ein Blick auf die Situation der Mitbewerber zu einer Veränderung bewogen, denn auch die kämpfen mit den Gegebenheiten am Markt.

Die Konkurrenz kämpft

Das Rekord-Katastrophenjahr 2017 hat vielen Versicherern die Bilanz verhagelt, aber die Rückversicherer leiden doppelt. Die Hannover Rück musste ihre Aussicht auf einen Milliardengewinn zunächst auf 800 Mio. Euro revidieren, kam aber schlussendlich mit einem respektablen Plus von 950 Mio. Euro gut aus der Krise. Schwerer erwischte es die Munich Re. Der Gewinn von 392 Mio. Euro bedeutete einen Rückgang von rund 85 Prozent – im Jahr 2016 waren es noch 2,580 Mrd. gewesen.

Beide Versicherer werden ihre Dividenden unverändert belassen. Es wird erwartet, dass die Swiss Re dem Vorbild ihrer deutschen Mitbewerber folgt und die Auszahlung mindestens auf dem alten Stand belässt. Die Schweizer mussten in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen Verlust von 468 Mio. US-Dollar verkraften , haben allerdings zum Wohl ihrer Aktionäre am eine Milliarde Schweizer Franken teuren Rückkaufprogramm festgehalten. Wer in ein solches Programm in den Jahren 2017 und 2016 rund zwei Mrd. Schweizer Franken investiert, wird die Aktionäre auch in einem Rekordschadenjahr nicht leer ausgehen lassen. “Die massiven Naturkatastrophen in diesem Jahr haben unsere Ergebnisse natürlich beeinträchtigt. Wir sind aber bestens gerüstet, diese Schäden zu absorbieren”, erklärte Mumenthaler. Ein Blick in die Vergangenheit dürfte die Aktionäre zusätzlich beruhigen, im Jahr 2016 sank der Gewinn, die Dividende stieg.

Wer bezahlt den Einstieg

Vielleicht waren die heute zu erwartende Dividendenzahlung und die Rückkaufprogramme der letzten Jahre auch nur der Zucker, um den Aktionären die bittere Medizin Softbank zu verabreichen. Denn wenn der Investor einsteigt, müssten wohl neue Aktien in nicht unerheblichem Umfang ausgegeben werden, was einer Verwässerung der alten Anteile gleichkäme. Alternativ könnten die Schweizer auch die gehaltenen eigenen Wertpapiere an die Softbank verkaufen, das sollen etwa zehn Prozent sein. Bei einem Einstieg in Höhe der wohl angedachten 20 bis 30 Prozent entstünde eine Lücke, die dann die Altaktionäre durch einen Wertverlust ihrer Anteile stopfen müssten.

Das Problem auf dem Rückversicherungsmarkt sind aber nicht nur die durch Wetterextreme steigenden Kosten, sondern zu geringe Einnahmen. Die Rückversicherer schaffen es nicht, ausreichende Prämien durchzusetzen. “So kann es nicht weitergehen”, kommentierte Mumenthaler im September die Ertragssituation der Branche.

Für die Zahlen des zurückliegenden Jahres ist die Prämienentwicklung unerheblich, für die Zukunft aber wohl essenziell. Wetten sollten die Versicherer nicht auf einen Anstieg. Stefan Materne, Lehrstuhlinhaber für Rückversicherung an der TH Köln, hält “Risk Adjusted Flat” für realistisch, also ein “Gleichbleiben der Preise bei unverändertem Exposure bzw. ein proportionales Ansteigen der Preise relativ zu einer Zunahme der Risikoexponierung des gedeckten Portfolios”. Sieht das die Swiss Re auch so und will deswegen mit Hilfe des Investors das eigene Geschäftsfeld optimieren – bis zur heutigen Konferenz ist es Spekulation.

Bei aller wirtschaftlichen Stärke und zweifelsohne sehr validen Kenntnis des eigenen Geschäftes, der Fokus bei der Vorstellung der zurückliegenden Zahlen der Swiss Re wird die Zukunft sein. (vwh/mv)

Bild: Christian Mumenthaler (Quelle Swiss Re)

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