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Streikwelle: “Verdi-Forderungen beinahe absurd”

07.07.2017 – Verdi_Streik“Von Glückspilzen und Steh-auf-Menschen” nennt die W&W ihr Gesundheitsmanagement, das Mitarbeiter im “Umgang mit Druck und Veränderungen” schulen soll. Heute nehmen die W&W-Mitarbeiter den Titel wörtlich: zusammen mit Allianz- und Axa-Kollegen gehen sie in Stuttgart und Karlsruhe auf die Straße. Mit den erneuten Streiks will Verdi den Druck auf den AGV erhöhen, nachdem die Tarifverhandlungen Anfang Juni gescheitert waren.

Für heute und kommenden Montag hat Verdi die Beschäftigten von Allianz und Württembergischer, von Axa, Generali und R+V in Stuttgart und Karlsruhe zum Streik aufgerufen. Die Signal-Iduna-Mitarbeiter meldeten sich laut Gewerkschaft Verdi von sich aus, sie wollten mitstreiken.

Mehr als 10.000 Angestellte der Versicherungswirtschaft hatten am 19. Juni während einer ersten Streikwelle nach Scheitern der Verhandlungen bundesweit die Arbeit niedergelegt, berichtet Verdi. “Die Beteiligung der Versicherungsangestellten an den Streikmaßnahmen war sehr unterschiedlich, und zwar sowohl regional als auch hinsichtlich der einzelnen Gesellschaften”, äußerte sich AGV-Präsident Andreas Eurich gegenüber dieser Redaktion. “Wir bedauern selbstverständlich diese Arbeitsniederlegungen, sie werden aber nicht dazu führen, dass wir einen Tarifvertrag unterschreiben, den wir für unvertretbar halten.”

AGV_Eurich

3,33 Prozent Lohnsteigerung verteilt über drei Jahre hatte der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) den Verdi-Unterhändlern am 2. Juni angeboten. Diese hatten 4,5 Prozent mehr Lohn  für rund 210.000 Beschäftigten im Innen- und Außendienst – auch für die Auszubildenden – gefordert.

Nachdem das Arbeitgeberangebot nicht einmal die Inflation ausgleiche, so Verdi, quittierte die Gewerkschaft die Tarifverhandlungen. “Wir lassen uns nicht abspeisen. Wir haben aber auch keine Almosen nötig”, kommentiert Verdi-Verhandlungsführer Christoph Meister das letzte Gehaltsangebot. An den Verhandlungstisch zurückkehren will Verdi erst, wenn die Arbeitgeberseite die “grundsätzliche Bereitschaft“ zeigt, “ihre Beschäftigten nicht von der allgemeinen Lohnentwicklung abzukoppeln.”

AGV will Digitalisierung vertagen

Neben einer Gehaltserhöhung möchte Verdi über einen “Zukunftstarifvertrag Digitalisierung” verhandeln, dieser soll – so die Idee der Gewerkschaft – die digitale Transformation der Branche mit überbetrieblichen Regelungen zu Beschäftigungssicherung und Weiterbildung für die Beschäftigten abmildern. Der AGV hatte bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Digitalisierung seiner Ansicht nach innerhalb der Mitgliedsunternehmen geregelt werden müsse.

“Der Verdi-Entwurf ist für uns nicht zustimmungsfähig”, erklärt AGV-Verhandlungsführer Eurich. “Es sind darin Forderungen enthalten, die ich als beinahe absurd bezeichnen möchte, etwa die geforderte Einführung eines “Bildungs-Sabbaticals” mit Rückkehranspruch in das Arbeitsverhältnis bis zu einer Dauer von sieben Jahren.” Stattdessen schlägt der AGV eine Verhandlungsverpflichtung und damit die Vertagung des Themas Digitalisierung auf einen späteren Zeitpunkt vor.

“Der AGV hilft uns gerade”

Die Arbeitsniederlegungen im Südwesten markieren den Beginn einer ganzen Streikwoche: Am Montag, den 10. Juli, verweigert der Versicherungsinnendienst in Düsseldorf und Köln, München und Nürnberg sowie Hamburg die Arbeit. In Baden-Württemberg schließen sich zudem noch die Mannheimer Beschäftigten an. 11. Juli wird erneut in Hamburg gestreikt, auch Hannover, Kiel und Münster wollen sich einreihen. Das vorläufige Streikende markieren die Frankfurter Beschäftigten am Freitag, den 13. Juli.

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“Der AGV hilft uns gerade”, sagt Jochen Höpken, Verdi-Gewerkschaftssekretär in Karlsruhe, mit Blick auf die Mitgliederzahlen. Zweistellig seien diese während der bisherigen Streiks gestiegen. Ob die wachsende Macht der Gewerkschaft ausreicht, den AGV bald in Verhandlungen über die Digitalisierung zu ziehen, wird die kommende Woche zeigen. (de)

 

Bilder: Verdi-Mitglied am 19. Juni in Hannover, Andreas Eurich und die AGV-Tarifkommission am dritten Verhandlungstag in Hamburg, streikende Versicherungsbeschäftigte am 19. Juni in Wuppertal (Quelle: Verdi)

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