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Stille Unruhe im Herzstück der Versicherung

08.05.2017 – VW_05_2017Gekonnt spielen Versicherer nach außen mit dem Image des fairen Arbeitgebers. Doch Stellenkürzungen passen nicht so recht in dieses Bild. Im Inneren rumort es, und die Unternehmen scheinen zunehmend das Gleichgewicht von Effizienz und Gerechtigkeit zu verlieren. Wie steht es um die soziale Verantwortung der Unternehmen gegenüber den eigenen Beschäftigten?

“Die Leute sind durch permanente Umstrukturierung an der Belastungsgrenze”, sagt Frank Weber. Auf 21 Jahre Betriebsratsarbeit blickt er bei der Karlsruher und Württembergischen zurück. Die Übernahme der Karlsruher durch die Württembergische wurde 2006 abgewickelt. Frank Weber ist seit November 2016 Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der W&W Gruppe.

Am Standort Karlsruhe sind von ehemals 2.500 Mitarbeitern nur noch rund 700 übrig geblieben. Ein extra geschlossener Fusionstarifvertrag aus dem Jahr 2006 schützte die damals Beschäftigten zwar vor Kündigung. Rund 800 bis 1.000  Mitarbeiter aus Stabsabteilungen und der IT mussten allerdings rasch die Koffer packen und nach Stuttgart ziehen. “Das war ein harter Einschnitt”, blickt Weber zurück. “Nun sind wir im elften Jahr der Fusion, doch die Konzentrationsprozesse werden weitergehen.”

Der Druck im Kessel steigt

Mit seinem Stellenabbau steht der baden-württembergische Versicherer nicht alleine da. Immer wieder sorgen die Unternehmen mit Personalkürzungen für Schlagzeilen: Ende 2015 kündigte die Talanx an, bis 2020 rund 600 Arbeitsplätze zu streichen, die Generali Deutschland wolle ihre Personalstruktur bis 2018 um rund 1.000 Stellen reduzieren. Die Ergo ihrerseits will zwischen 2017 und 2019 etwa 1.800 Stellen abbauen.

Auch die Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV) ist betroffen. Die Belegschaft von 10.000 Mitarbeitern im Gründungsjahr 2006 reduzierte man um 3.000 Personen. “Für die Beschäftigten ist der Effizienzdruck in dieser Zeit immer stärker geworden. Zwar fahren wir die Digitalisierungswelle erst seit zwei Jahren”, erklärt Johann Lindmeier, Betriebsratsvorsitzender der Geschäftsstelle München, das allerdings in rasantem Tempo: Innerhalb von fünf Monaten sei man durch das Restrukturierungsprogramm “ABV 2.0″ galoppiert – damals noch unter der Führung eines Allianz-Deutschland-Chefs namens Rieß.

Versicherer in Erklärungsnot

Die Allianz nimmt das Problem nicht auf die leichte Schulter. “Unsere Mitarbeiter sind unser wertvollstes Gut”, teilt der Konzern mit. Man habe ein starkes Interesse daran, den Krankenstand niedrig zu halten. Erklären, warum die Krankheitstage angestiegen sind, könne man derzeit noch nicht. Seriöse Zahlen und Fakten über mögliche Zusammenhänge von digitalem Arbeiten und Stress lägen nicht vor.

Man untersuche das Phänomen qualitativ und hoffe, mehr darüber zu lernen, wie der Ausfall von Arbeitnehmern zu verhindern sei. Schließlich schlägt dieser auch auf Kostenseite zu Buche. Positiv ist zu bewerten, dass das Unternehmen kräftig in Weiterbildung investiert. Dafür wurden im vergangenen Jahr 690 Euro pro Kopf ausgegeben, eine Steigerung gegenüber dem Jahr 2015 mit 621 Euro und immer noch höher als im Jahr 2014, in dem sie 668 Euro für Schulungen ausgab. Diese sollen helfen, das Herzstück der Branche, die Sachbearbeiter im Innendienst bei der Digitalisierung mitzunehmen. Den Strukturwandel der gesamten Branche wird auch Weiterbildung wohl nicht verhindern. (de)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bild: Die Mai-Ausgabe der Versicherungswirtschaft (Quelle: VVW)

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