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Sparkassenversicherung positioniert sich digital

09.05.2018 – sv-pk_tdEs war der lang angekündigte Wechsel an der Konzernspitze der SV Sparkassenversicherung: Nach 14 Jahren geht Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl zum Monatsende in den Ruhestand. Bei der Präsentation der Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr 2017 konnte er seinem Nachfolger Andreas Jahn zumindest vordergründig ein gut bestelltes Haus hinterlassen. Doch die aktuellen Entwicklungen rund um ZZR oder Provisionsdeckel werfen dennoch ihre Schatten.

“Die Ergebnisse in diesem Jahr sind weitgehend außerordentlich gut. Wir haben das beste Jahresergebnis in unserer Geschichte erreichen können”, konstatiert Wolff von der Sahl zum Abschluss seiner Amtszeit. Dabei lesen sich die Kernzahlen der Sparkassenversicherung auf den ersten Blick nicht schlecht. So landete die Holding bei einem Nettogewinn von 281,9 Mio. Euro (20016: 137,6 Mio.).

Bei den Bruttoschadenaufwendungen profitierte die SV zudem von einer geringeren Schadenbelastung durch Unwetter. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete der öffentliche Versicherer daher ein Minus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1.044,6 Mio. Euro (2016: 1.1109,1 Mio.). Die Schaden-Kostenquote ging zudem deutlich um fast zehn Prozentpunkte auf 82,7 Prozent (2016: 92,2 Prozent) zurück.

Sorgenfalten verursachten daher lediglich der Rückgang bei den gebuchten Bruttobeiträgen um 3,9 Prozent auf 3.223,4 Mio. Euro (2016: 3.363,6 Mio.), was Wolff von der Sahl jedoch vor allem auf die. Einmalbeiträge zurückführte. Zugelegt hat der öffentliche Versicherer jedoch vor allem in der Schaden- und Unfallsparte mit einem Plus vom 3,9 auf 1.618,3 Mrd. Euro (2016: 1,541,9 Mio.). “Dabei wir insbesondere im Kraftfahrtgeschäft zugelegt”, betonte Wolf von der Sahl.

Positiv bewertet er auch den Zuwachs in der Haftpflicht- und Hausratversicherung. So wolle man “alle guten Sparten außerhalb von Gebäude nach vorne bringen, weil wir ja bekanntlich aufgrund unserer Historie als großer Gebäudeversicherer in Hessen und Baden-Württemberg unterwegs sind”. Zufrieden zeigte er sich schließlich auf mit einem Neugeschäft über 100 Mio. Euro und einem Plus von rund 420.000 Verträgen, “davon allein 170.000 in Kraftfahrt”. “Das zeigt, das wir vom Vertrieb her in unserem Hause gut aufgestellt sind”, konstatierte der scheidende Vorstandschef.

Kein “Weiter so”

Und dennoch: Ein einfaches “Weiter so” wollte er seinem Nachfolger dennoch nicht hinterlassen. “Natürlich haben wir uns auch intensiv mit dem Thema digitale Innovation beschäftigt. Ich glaube, dass wir mit dem Programm ‘SV Digital’ genauso wie viele anderen mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen wollen. Wir haben derzeit 37 Projekte, in die wir das Projekt Digitalisierung zerlegt haben, sowohl in den Sparten als auch im Vertrieb”.

Ein wesentlicher Teilaspekt dabei: die künstliche Intelligenz. Dabei werde diese zwar “Teile übernehmen, die heute zwar Mitarbeiter machen, aber wir sind hundert Prozent überzeugt, dass wir Mitarbeiter benötigen, die wiederum in anderen Themen unterwegs sind”, konstatiert Wolff von der Sahl: “Wir sind mit Robotics unterwegs und versuchen hier auch einfachste Fälle darüber abzuarbeiten”.

Einfach alles ausprobieren, was derzeit am Markt unterwegs ist, wolle man allerdings ebenso wenig. “Entscheidend ist am Ende nicht, ob wir schneller oder toller unterwegs sind. Der entscheidende Punkt wird sein: Ist der Kunde in den Sparkassen mit uns zufrieden”, betont der scheidende SV-CEO. Dabei fristet gerade der Bankenvertrieb in Deutschland immer noch ein gewisses Schattendasein. Gerade das viel beklagte Filialsterben durch die chronisch niedrigen Zinsen und den zunehmenden Regulierungsdruck macht den Banken zunehmend zu schaffen.

“Der Bankenvertrieb über die Sparkassen als wichtiger Vertriebspartner und Eigentümer der SV hat für die SV Sparkassenversicherung unverändert höchste Bedeutung. So kommen beispielsweise rund 86 Prozent der Versicherungsabschlüsse im Segment der Lebensversicherung aus dem Sparkassenvertrieb. Wir arbeiten ständig daran, die Zusammenarbeit mit den Sparkassen zu verbessern und es den Instituten so einfach wie möglich zu machen, Versicherungsprodukten zu beraten und diese zu verkaufen”, gab sich die SV hingegen kürzlich auf Anfrage von VWheute gelassen.

Dabei setzt der öffentliche Versicherer neben digitalen Lösungen auch eine direkte Ansprache des Kunden: “Mit dem Rückgang der Filialen der Sparkassen geht der Ausbau des Angebots von Direktanspracheaktionen einher, um den Sparkassen die Möglichkeit zu geben, die Kunden mit Versicherungsangeboten anzusprechen, für den Weg in die nächstgelegene Filiale zu gewinnen oder idealerweise Direktabschlüsse zu tätigen. Die Einbringung in die Multikanalbankensysteme der Sparkassen ermöglicht den Kunden ferner, in den Versicherungsprozess von daheim oder unterwegs einzusteigen, wenn gewünscht abzuschließen oder bei Bedarf zwischenzuspeichern und gemeinsam mit dem Berater in der Filiale letzte Fragen zu”, so die SV weiter.

Jahn will Kundenschnittstelle verteidigen

Wenig verwunderlich also, dass auch der designierte Vorstandschef und ehemalige Ergo-Manager Andreas Jahn sich vor allem auf “zwei Facetten”. “Das eine ist, wie können wir unser Ertragsposition, weiter sicher ausbauen. Das andere ist, wir stellen wir uns so für die Zukunft auf, dass wir auch noch in fünf oder zehn Jahren mit unserem Geschäftsmodell auch weiterhin erfolgreich am Markt agieren können”, so Jahn.

So habe man sich “in den vergangenen Jahren eine sehr gute Position als Serviceversicherer erarbeitet”, betont der neue starke Mann. Dabei spielt die Kooperation mit den Sparkassen auch weiterhin eine wesentliche Rolle, um gerade in der Schadensparte weiter zu wachsen. Dabei stelle vor allem der Flächenvertrieb – auch mit den Sparkassen – eine entsprechende Basis dar, “um auch dann digitale Kommunikation zu betreiben”, stellt Jahn fest. Daher kommt es nicht überraschend, dass Jahn auch künftig auf die Präsenz in der Fläche setzen will. So glaube man, “dass die Kunden auch weiterhin Beratung wollen zu bestimmten Themen”.

Wichtig sei zudem, dass man “keine Digitalisierungsstrategie als Selbstzweck hat”. Vielmehr geht es dem künftigen Vorstandschef dabei um die Frage: “Wie verzahne ich dies mit meiner Geschäftsstrategie? [...] Im Mittelpunkt steht dabei für uns immer der Kunde”. Dabei wolle man zum auf der “Prozessseite die Erwartungen der Kunden erfüllen. Und da glauben wir, dass es der Kunde eben einfach, schnell und verständlich haben möchte”. Zum anderen “geht es auch darum, die Erwartungen der Kunden im Kundenkontakt besser darzustellen”, so Jahn: Kurzum: “Wir wollen natürlich auch unsere Kundenschnittstelle sichern”.

Eher zurückhaltend äußerte sich Jahn hingegen zu den möglichen Plänen einer Provisionsdeckelung. “Ich bin da grundsätzlich neutral”, so Jahn. “Wir haben die Provisionen entsprechend einkalkuliert. Man muss natürlich schauen, was an dieser Stelle angemessen ist. Wir mit unseren Sparkassen sind da in einer sehr vernünftigen Range, wie wir auf der Provisionsbasis zusammenarbeiten”, betont Jahn. So werde man “erst einmal schauen, wie hoch ist der Deckel, wir setzen uns aber nicht aktiv dafür ein. Wenn ein Deckel kommt, werden wir schauen: Wie sind die Spielregeln definiert, worauf bezieht sich das, zum Beispiel nur auf Lebensversicherung oder auch auf andere Vorsorgeprodukte”, so Jahn.

Das vieldiskutierte Thema “Fusion” kam bei der Jahresbilanz des öffentlichen Versicherers jedoch nicht auf den Tisch – auch wenn sich Provinzial-Chef Patric Fedlmeier erneut offen für einen Zusammenschluss mit der Provinzial Nordwest zeigte. (siehe UNTERNEHMEN & MANAGEMENT). (td)

Bild: Der scheidende SV-Vorstandschef Ulrich-Bernd Woff von der Sahl (links) und sein Nachfolger Andreas Jahn (rechts). (Quelle: td)

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