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Schluss mit KPMG: Allianz holt sich neuen Bilanzprüfer

29.03.2017 – Aktien, Boerse, Kurs, Sturz minus Verluste Windoria_ pixelio.deUnter den Arbeitnehmern argwöhnisch beäugt, für Versicherer wichtiger Impulsgeber und Problemlöser: Berater polarisieren. Auch der EU ist so manch enge Beziehung zwischen Consultants und Unternehmen ein Dorn im Auge. Seit ihrer Gründung im Jahr 1890 hat die Allianz ihre Bilanzen von KPMG prüfen lassen. Aufgrund einer neuen europarechtlichen Regelung geht nun das Mandat an den konkurrierenden Wirtschaftsprüfer PwC.

Die Allianz hatte das Mandat im Mai vergangenen Jahres ausgeschrieben. Der Grund dafür war die verpflichtende Prüferrotation, die seit Juni 2016 gilt. “In Deutschland müssen Versicherungsgesellschaften zukünftig den Abschlussprüfer spätestens alle zehn Jahre wechseln”, erklärt die Allianz auf Anfrage. “Der Aufsichtsrat der Allianz SE hat in seiner Sitzung am 9. März 2017 eine Entscheidung zu dem europarechtlich vorgegebenen Wechsel der Prüfungsgesellschaft getroffen. Der Wechsel soll beginnend mit dem Geschäftsjahr 2018 erfolgen.”

Es ist es das erste Mandat, das KPMG im Rahmen der Prüferrotation verliert, weitere werden folgen. Denn der Wirtschaftsprüfer zählt über 90 Prozent der in den wesentlichen Aktienindizes vertretenen Unternehmen, vom Fortune 500 bis zum Dax 30, zu seinen Mandanten. Die Beziehung zwischen Allianz und KPMG ist die mit Abstand längste zwischen einem Unternehmen und einem Prüfer im Dax. 2015 hat KPMG für alle seine Dienstleistungen beim Versicherer über 64 Mio. Euro erhalten, auf die Abschlussprüfung entfielen dabei 48 Mio Euro – eines der höchsten Honorare, das im Dax gezahlt wird. Nur die Deutsche Bank gibt mehr für KPMG-Consultants aus.

Kein Vorbeikommen an den “Großen Vier”

Ob PwC von der Allianz ähnlich fürstlich entlohnt wird, werden die kommenden Geschäftsberichte zeigen. Die formelle Bestellung des neuen Prüfers soll, wie üblich, für das jeweilige Geschäftsjahr in der Bilanzsitzung des Aufsichtsrats erfolgen. Die Allianz erklärte gegenüber VWheute, dass sie keine fundamentalen Änderungen durch den Wechsel des Abschlussprüfers erwarte. Den Wechselzeitpunkt hat der Aufsichtsrat nach Erwägung verschiedener Gesichtspunkte festgelegt. “Dabei spielten auch die anstehenden Einführungsprojekte für neue internationale Bilanzierungsstandards (IFRS) eine wichtige Rolle”, erklärt ein Sprecher.

PwC dürfte jetzt auch gute Chancen bei einem weiteren Dax-Versicherer, der Munich Re, haben. Der Rückversicherer wurde bislang ebenfalls durch KPMG geprüft. Als Transmitter von fachlichem und methodischem Know-how ist das Consulting weltweit zu einer Branche herangewachsen, die selbst schon wieder Industrie ist. Abgesehen von den USA, dem Mutterland dieses Geschäfts, ist Deutschland größter Markt. Mit 731 Mio. Euro Umsatz dominiert PwC die Wirtschaftsprüfung in Deutschland. Konkurrent KPMG hat sich mit einem zweiprozentigen Wachstum auf 609 Mio. Euro eher schwach entwickelt. Deloitte ist um sieben Prozent gewachsen, generiert jedoch einen Umsatz von 303 Mio. Euro. E&Y hofft auf die verpflichtende Prüferrotation, da der Prüfungsumsatz um acht Prozent auf 494 Mio. Euro eingebrochen ist.

Entscheidungsmacht liegt bei den Versicherern

Kleinere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben es schwer, in diesem Markt Fuß zu fassen. Es sei denn sie beraten die Versicherer bei Big-Data-Projekten. Das Beratungshaus PPI AG etwa unterstützt Versicherungsplayer wie die Nürnberger, Wüstenrot & Württembergische, Generali Deutschland, HDI Gerling, Talanx oder Axa bei der Zusammenführung von Systemen und Abläufen. Dazu gehören die Kernkomponenten Vertriebsprozesse sowie das Unternehmensarchitekturmanagement. Allerdings gibt es keine Patenrezepte für Erfolg.

“Mandanten müssen von Anfang an eng und intensiv an der Projektumsetzung beteiligt sein”, erklärt Frank Ellenbürger, Bereichsvorstand Versicherungen bei KPMG. “Dass Berater unabhängig und losgelöst von ihren Kunden arbeiten und zum Schluss nur ihre Erkenntnisse präsentieren, ist ein weit verbreitetes Vorurteil, das mit der Realität nichts zu tun hat.” Nach wie vor werden wesentliche Strategien nicht von Beratern, sondern in den Konzernen entwickelt.

Den Balanceakt zwischen unabhängigem Leadership und der richtigen Dosierung von externen Helfern müssen die Versicherer selbst meistern. Die verbindliche Entscheidungsmacht über zukunftsstrategische und positionelle Fragen liegt letztlich beim Top-Management. Auch der Erfolgsdruck. (dg/mst)

Bildquelle: Windoria / PIXELIO / www.pixelio.de

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Naturkatastrophen kosten die Versicherer mehr Geld
Die Versicherer haben im vergangenen Jahr wieder mehr Katastrophen-Schäden zahlen müssen. Laut einer aktuellen sigma-Studie des Schweizer Rückversicherers Swiss Re stieg der gesamtwirtschaftliche Schaden aus globalen Katastrophenereignissen um 85 Prozent 175 Mrd. US-Dollar (2015: 94 Mrd.). Die versicherten Schäden stiegen demnach laut Swiss Re um 43 Prozent auf 54 Mrd. US-Dollar (2015: 38 Mrd.).

DVAG erzielt neuen Umsatzrekord
Die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) hat das Geschäftsjahr 2016 mit einem neuen Umsatzrekord abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, erzielte der Vermögensberater einen Umsatz von 1,31 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Plus von 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Gewinn stieg laut DVAG um 1,4 Prozent auf 188,8 Mio. Euro. Zudem belief sich das Gesamtvolumen der verwalteten Verträge auf 189,9 Mrd. Euro (plus 2,6 Prozent).

Axa: Kunden erwarten eine “digitale Normalität”
Die Axa definiert das “Ökosystem Schaden” als “eines der wesentlichen, strategischen Geschäftsfelder”, betont Vorstand Frank Hüppelshäuser im Exklusiv-Interview mit VWheute. Dennoch sei der Schadenmitarbeiter “mitnichten ein Auslaufmodell.” Vielmehr erwarte der Kunde eine “digitale Normalität”, wie er es auch “aus seinem Lebensalltag gewohnt” sei.

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