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Schiffsversicherern droht die Havarie

14.06.2017 – Riesencontainerschiff_Bernd Sterzl_pixelio.deDie Totalschäden in der Schifffahrt sind im Laufe der letzten zehn Jahre um die Hälfte zurückgegangen. Auch im letzten Jahr sanken die Totalverluste bei Schiffen, wie der Safety & Shipping Review 2017 von AGCS zeigt. Dennoch befindet sich die Schifffahrtsbranche in einer anhaltenden Krise, die sowohl Reedereien als auch Versicherer vor erhebliche Probleme stellt.

In der Schifffahrtsbranche wurden im Vorjahr 85 Totalverluste gemeldet, ein Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit war das Jahr 2016 das sicherste Jahr für die Schifffahrt – mit den geringsten Totalschäden seit einem Jahrzehnt. Die Zahl der Schifffahrtsunglücke mit reparablen Schäden blieb laut der Studie der Allianz-Tochter AGCS mit 2.611 gemeldeten Unfällen relativ stabil, der Rückgang gegenüber dem Vorjahr betrug vier Prozent.

Allerdings seien niedrige Sicherheitsstandards in Teilen Asiens noch immer ein Problem: So entfallen mehr als ein Viertel aller Totalausfälle (23) auf Südchina, Indochina, Indonesien und die Philippinen. Ähnlich gefährlich ist nach Angaben von AGCS auch das östlichen Mittelmeer sowie das Schwarzen Meer mit insgesamt zwölf Totalausfällen. Hier nahmen Schiffsunfälle in 2016 um 16 Prozent zu.

Damit übertraf diese Region erstmals die Britischen Inseln als den Unfallschwerpunkt im vergangenen Jahrzehnt. Zudem sei die Zahl der Totalschäden in Japan, Korea und Nordchina, an der ostafrikanischen Küste, im südlichen Atlantik und der Ostküste Südamerikas sowie in den Regionen der kanadischen Arktis und der Küste Alaskas gestiegen, berichtet AGCS weiter.

Dabei machten Frachtschiffe (30 Totalausfälle) mehr als ein Drittel aller Schiffsverluste aus. Bei den Passagierschiffen stieg die Zahl hingegen leicht auf acht Ausfälle, vor allem im Mittelmeer und Südostasien. Auch hier beobachtet die Allianz-Tochter unzureichende Sicherheitsstandards oder Wartung, mangelhafte Umsetzung von Vorschriften und die Überbesetzung mit Passagieren.

Häufigste Ursache für die Totalausfälle war laut AGCS in mehr als 50 Prozent der Fälle ein Schiffsuntergang – oftmals in Verbindung mit schwerer See. Mehr als ein Drittel der Schiffsunglücke ging dabei auf Maschinenschäden zurück. Piraterie ging allerdings im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 20 Prozent zurück. So registrierte das International Maritime Bureau (IMB) in 2016 insgesamt 191 Vorfälle. Gleichzeitig haben sich dieFälle von Crew-Kidnapping mit Lösegeldforderungen gegenüber dem Vorjahr verdreifacht.

Zahl der Insolvenzen steigt

“Obwohl der langfristige Abwärtstrend bei den Totalschäden ermutigend ist, gibt es keinen Anlass sich zurückzulehnen. Vielmehr ist weiter Wachsamkeit notwendig”, betont Baptiste Ossena, Global Product Leader Hull & Marine Liabilities bei AGCS. “Die Schifffahrtsbranche ist mit steigendem regulatorischem Druck, schwindenden Margen und neuen Risiken konfrontiert.”

Zumindest ein Risiko ist allerdings nicht neu: die Krise der Branche. Am Markt herrschen Überkapazitäten und die Frachtraten fallen. In der Folge nehmen die Insolvenzen zu, zuletzt traf es die Traditionsreederei Rickmers in Hamburg, deren Geschichte bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Das Hamburger Amtsgericht hat die Insolvenz in Eigenregie vorläufig genehmigt, aber es droht der Totalabsturz, seit die HSH Nordbank das Sanierungskonzept zurückwies. Aktuell hat die Reederei die Teilnahme am Börsenhandel gestoppt, es stehen 2.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Letztes Jahr traf es die koreanische Großreederei Hanjin – es kam zu grotesken Szenen. Da die Schiffe wegen ausbleibender Hafenkosten nicht mehr in die Häfen einfahren durften, mussten Hilfsorganisationen die demoralisierten und unbezahlten Seeleute an Bord mit Wasser und Nahrung versorgen.

Megaschiffe und fehlende Sicherheit

Immer größere Volumina des Warengeschäfts werden von sogenannten Riesenfrachtern transportiert. Weniger Schiffe bedeuten allerdings weniger Versicherungsmöglichkeiten - auch für Waren- und Kreditversicherungen. Der Markt wird dichter: “Die seit Jahren anhaltend schwierige wirtschaftliche Situation der Schifffahrtsbranche geht auch an Schiffsversicherern nicht spurlos vorbei. Zum einen verringert sich durch Insolvenzen und Zusammenschlüsse von Reedereien, Chartergesellschaften und Schiffsmanagern die Zahl der potenziellen Versicherungseinkäufer. Zum anderen werden die Schiffswerte bei auslaufenden Finanzierungen oftmals nach unten korrigiert, was sich in den benötigten Deckungssummen für die Schiffskaskoversicherung und die Prämien niederschlägt”, erläutert Volker Dierks, der bei AGCS Zentral- und Osteuropa für Schiffsversicherungen verantwortlich ist.

Die Riesenschiffe bergen aber noch weitere Probleme für die Versicherer. Es existiert keine Bergungsausrüstung, die im Schadenfall zum Einsatz kommen kann. Würde ein solches Schiff bei der Einfahrt in einen Hafen sinken oder sich festfahren, wäre der Hafen höchstwahrscheinlich lahmgelegt, vom eigentlichen Schaden ganz zu schweigen. Im Februar2016 behinderte die “CSCL Indian Ocean”, 400 Meter lang und 59 Meter breit, rund eine Woche die Einfahrt zum Hamburger Hafen. Das Schiff konnte schließlich ohne Löschen der Container flott gemacht werden. Ein Glück, denn in ganz Europa gab es zum damaligen Zeitpunkt genau einen schwimmender Kran, der ein solch großes Schiff hätte löschen können. Und die Schiffe werden immer größer, wie diese Grafik von Statista zeigt:

Infografik: Die größten Containerschiffe der Welt | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Große Schiffe sorgen im Schadenfall für gigantische Schäden. Nach Berechnungen von Experten könnte eine Havarie zwischen einem großen Containerschiff und einem Kreuzfahrtschiff, ein unwahrscheinliches aber nicht unmögliches Szenario, zu Schäden von 3,6 Mrd. Euro führen. Dabei ist menschliches Versagen laut AGCS allein zwischen 2011 und 2016 für etwa 75 Prozent von 15.000 untersuchten Seehaftpflichtschäden in Höhe von über 1,6 Mrd. US-Dollar verantwortlich.

Ursache der Probleme auf der CSCL Indian Ocean war wohl die mangelnde Wartung der Schiffselektronik. Das ist nicht ungewöhnlich, denn viele Reedereien versuchen in der Krise Kosten zu sparen, indem sie auf unerfahrene Seekräfte zurückgreifen oder die Wartungsintervalle strecken. Das erhöht die Gefahr von Unfällen, wie Volker Dierks anmerkt: “Die Schiffseigner müssen Inspektions- und Wartungsvorschriften weiterhin konsequent und kontinuierlich umsetzen.”

Es ist paradox: Trotz einer geringeren Anzahl von Großschäden steht die Versicherungsbranche im Bereich Schifffahrt vor Problemen. Eine Lösung ist ohne die anderen Marktteilnehmer kaum zu erreichen. (vwh/mv)

Bild: Containerschiff aus China (Quelle: Bernd Sterzl / PIXELIO / www.pixelio.de)

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