Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

Scheidender GDV-Chef sieht Branche robust aufgestellt

27.09.2017 – alexander_erdland_brsHeute Vormittag wird auf dem Versicherungstag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) der Stabwechsel von GDV-Präsident Alexander Erdland zum ehemaligen Huk-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Weiler offiziell vollzogen. Gestern zog Erdland vor Journalisten für die Branche, die sich auf recht solidem Wachstumskurs befinde, eine positive Bilanz.

Gleichzeitig warnte der scheidende Verbandspräsident aber vor einer Überregulierung aus Brüssel und hoffte auf eine handlungsfähige neue Bundesregierung, die möglichst bald ihre Arbeit aufnehmen sollte. Erdland hatte als GDV-Präsident auf Bitten der Branche noch ein Jahr bis zum Ende dieser Legislaturperiode und der Neuwahl des Deutschen Bundestags drangehängt.

Zum Thema Altersvorsorge sagte Erdland, diese müsse demografiefest gemacht werden, da schon bald die ersten Baby-Boomer in Rente gehen würden. Er begrüßte, dass die neue Bundesregierung – wie im Wahlprogramm von CDU/CSU angekündigt – wohl eine Rentenkommission einsetzen werde.

Die neue Regierung müsse auch Antworten zum Klimaschutz und der digitalen Revolution formulieren. Erdland warnte zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit als GDV-Präsident vor einer Überregulierung aus Brüssel. Man habe gerade erst unter großem Aufwand Solvency II umgesetzt, da gebe es bereits aus Brüssel sieben Evaluierungsvorhaben. “Zähmen Sie Ihren Regulierungseifer”, sagte Erdland mit Blick auf die Europäische Kommission.

LVRG: Der Kostensenkungsprozess ist voll im Gang

Die neue Bundesregierung steht in der Pflicht, Anfang kommenden Jahres die Wirkungsweise des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) zu evaluieren. Das Bundesfinanzministerium hat bereits angekündigt, dass die von der Branche erhofften Erleichterungen bei der Zinszusatzreserve (ZZR) nur im Zusammenhang mit der LVRG-Evaluierung zu sehen seien. Das Ministerium will ein ausgewogenes Paket schnüren. Dabei dürften die Abschlusskosten in der Lebensversicherung besonders ins Blickfeld kommen. Erdland sagte, die Branche sei bei den Kostensenkungen auf dem richtigen Weg. “Kostensenkungen sind in vollem Gange.” Allerdings müsse man auch sehen, dass eine intensive persönliche Beratung durch den Versicherungsvermittler einen Mehrwert darstelle. Das müsse seinen Preis haben.

Wenn bei der Zinszusatzreserve (ZZR), die in der Niedrigzinsphase dafür sorgen soll, dass die einmal gegebenen Garantien auch erfüllt werden können, nicht gehandelt werde, dann drohten bis zum Jahr 2025 Rückstellungen im Volumen von 180 Mrd. Euro, sagte Erdland. Für Ende dieses Jahres erwartet er ein Volumen der ZZR von rund 60 Mrd. Euro.

Branche auf solidem Wachstumskurs

Nach vorläufigen Zahlen konnte die Versicherungswirtschaft insgesamt ihre gebuchten Bruttobeiträge im ersten Halbjahr dieses Jahres um 2,4 Prozent auf 107,4 Mrd. Euro ausweiten. Im vergangenen Gesamtjahr hatte die Branche nur ein kleines Plus von 0,2 Prozent erreicht. Erdland blieb bei seiner Jahresprognose vorsichtig. Über alle Sparten hinweg sollte sich noch ein Plus von 1,2 Prozent ergeben.

halbjareszahlen_gdv

Für die Lebensversicherung rechnete er auch in diesem Jahr mit einem Beitragsrückgang, der aber deutlich kleiner ausfallen sollte als in den Vorjahren (2016: minus 2,0 Prozent) Die Lebensversicherer konnten ihre Beitragseinnahmen im Halbjahr um 0,6 Prozent auf 43,9 Mrd. Euro ausweiten.

Das stärkste Wachstum erreichte die private Krankenversicherung (PKV) mit einem Plus von 4,9 Prozent auf 19,6 Mrd. Euro. Die Schaden- und Unfallversicherer kamen auf ein Wachstum von 3,2 Prozent auf 43,8 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr rechnete Erdland in dieser Sparte mit einem Zuwachs von rund drei Prozent. (brs)

Bild: Der scheidende GDV-Präsident Alexander Erdland übergibt heute den Staffelstab an seinen Nachfolger. (Quelle: GDV)

Grafikquelle: GDV

__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Lars Gatschke: “Privatleben ist tabu für Versicherer”
Verbraucherschützer sehen in Fitness- oder Vitalitytarifen die grundsätzliche Gefahr, dass die Versicherer sich damit immer mehr in die private Lebensführung einmischen. Das könnte sogar so weit gehen, dass die Gesellschaften die Lebensweise vorgeben. Außerdem könnten sie überprüfen, ob Vorgaben eingehalten werden. VWheute sprach darüber mit vzbv-Versicherungsexperten Lars Gatschke.

HDI-Prozess: Richter rät zu Vergleich
Im Prozess zwischen einem Handelsvertreter und dem HDI wegen fehlerhafter Bestandsangaben bei Abschluss eines Agenturvertrages 2012, der nach dreieinhalb Jahren gekündigt worden war, kam es am Dienstag zu einer Güteverhandlung vor dem Landgericht Hannover. Darüber hinaus geht es in dem Prozess um Streitigkeiten über die Abrechnung von Provisionen.

Huk-Coburg findet Vergleichsportale “zu teuer”
Der Beginn eines Trends? Der größte Kfz-Versicherer zieht sich aus allen Vergleichsportalen zurück. Dabei wird die Tochter Huk24 direkt mitgenommen. Der Grund für den Rückzug sind die Preise der “relativ teuren Vergleichsportale”. Es könnte sein, dass der Sparten-Primus damit eine Bewegung in Gang setzen wird, die andere Versicherer nachziehen lässt.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten