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Sautter will Prämienabrieb durch Unister-Affäre stoppen

11.05.2017 – Sauter Hanse MerkurHanse Merkur hat ihre Bilanzzahlen vorgelegt. Neben Beitragssteigerungen und hohen Erträgen soll es auch Problemfelder geben. VWheute sprach exklusiv mit dem Vorstandsvorsitzenden Eberhard Sautter über das Unister-Desaster, die Bürgerversicherung sowie Bonifikationen für Mitarbeiter und möglichen Ärger bei der Vertriebstochter Hanse Vertriebspartner AG (HVP). Auf Niedrigzinsen reagiert Sautter mit Umschichtung in Sachwerte.

VWheute: Sie sind nach sehr erfolgreichen Jahren bei den Beitragseinnahmen unter die Zwei-Milliarden-Euro-Grenze zurückgefallen. Hängt das mit Unister zusammen, und wann werden Sie diese Marke wieder schaffen?

Eberhard Sautter: Wir sind nicht wegen Unister unter die Zwei-Milliarden-Euro Grenze gefallen, sondern wegen der geplanten Reduzierung der Leben-Einmalbeiträge um 235 Mio. Euro (siehe UNTERNEHMEN & MANAGEMENT). Die Zwei-Milliarden-Beitragssumme werden wir spätestens wieder im Jahre 2018, und dann dauerhaft, erreichen. Es kann aber sein, dass es schon in diesem Jahr klappt, obwohl dies nicht in unserer Planung steht. Mit Ausnahme des Geschäftsfeldes Risiko- und Altersvorsorge, wo bei uns Konsolidierung vor Wachstum geht, und wir erst mittelfristig wieder zulegen werden, sehen wir in allen Geschäftsfeldern wie der Kranken- und Pflegeversicherung, im Sach- und Kompositgeschäft, dem Assetmanagement sowie in der Reiseversicherung, wo die Zeichen auf Internationalisierung stehen, exzellente Wachstumschancen.

VWheute: Wie haben Sie bisher die Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten verkraftet, und wie sieht Ihre Anlagestrategie aus?

Eberhard Sautter: Wir haben unsere Invests mehr auf Sachwerte wie Aktien und Immobilien ausgerichtet. In der Lebensversicherung ist es sicherlich anspruchsvoll, die Zinszusatzreserve (ZZR) zu bedienen. Aber wir sind in unserer Lebensversicherung in der komfortablen Situation, nach Einrechnung der ZZR nur noch mit einem Durchschnittszins im Bestand von 2,05 Prozent rechnen zu müssen. Das ist sicherlich ein Spitzenwert im Lebensversicherungsmarkt.

VWheute: Haben Sie das Unister-Desaster überstanden und mit welchen Konsequenzen?

Eberhard Sautter: Natürlich wäre es mir lieber gewesen, die Wachstumsgeschichte bei Unister wäre fortgeschrieben worden. Was Thomas Wagner in Leipzig an Know-how und Umsatz im Online-Vertrieb bei hohem Bekanntheitsgrad der Unternehmensmarken aufgebaut hatte, sucht sicher seinesgleichen und verdient retrospektiv auch meinen Respekt. Bei unserem Online-Reiseversicherer BD24 Berlin Direkt Versicherung AG stehen die Zeichen jetzt auf Repositionierung. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir schnell neue Online-Partner finden werden, um den Prämienabrieb durch die Unister-Turbulenzen auf mittlere Sicht wieder ausgleichen zu können.

VWheute: Nun soll es finanzielle Probleme bei der Hanse Vertriebspartner AG geben, die mit ihren Vertriebsbeteiligungen an den Unternehmen Impuls AG, Verticus AG und Inpunkto AG kein glückliches Händchen habe. Was ist da dran?

Eberhard Sautter:  Ich würde nicht von Problemen sprechen. Die HVP ist eine Beteiligungsgesellschaft  an Vertriebsgesell-schaften, die sich unterschiedlich attraktiv entwickeln. Mehr ist es nicht.

VWheute: Wie bereiten Sie sich auf die Bürgerversicherung vor?

Eberhard Sautter: Zunächst einmal betreiben wir im Schulterschluss auch mit unserem Betriebsrat Aufklärung, um die Vorteile der Dualität von privater Krankenversicherung und gesetzlichen Kassen herauszustellen, die Garant dafür sind, dass Deutschland über eines der besten Gesundheitssysteme der Welt verfügt. Aber obwohl ich nicht glaube, dass das Einheitssystem wirklich kommt, sind wir natürlich Unternehmer und haben uns auf diverse Szenarien eingestellt und Maßnahmen vorbereitet. Denn die Hanse Merkur ist ein äußerst flexibles Unternehmen mit fünf Geschäftsfeldern, einem Multikanalvertrieb und einer leistungsfähigen IT.

VWheute: Wie sehen Ihre Solvency-II-Quoten aus, die in diesen Tagen bekannt werden?

Eberhard Sautter: Unsere Quoten sehen sehr gut aus und spiegeln eine durchweg gesunde Versicherungsgruppe. Aber da das Reporting noch vor uns liegt, möchte ich die Öffentlichkeit nicht vorab informieren. Die SCR-Bedeckungs-quote in der Hanse Merkur Gruppe lag aber Ende 2016 bei rund 300 Prozent.

VWheute: Wo stehen Sie beim Thema Digitalisierung?

Eberhard Sautter: Nach Abschaltung unseres Großrechners im Jahre 2014 sind wir mit einer schlanken IT-Architektur auch für M&A-Aktivitäten gewappnet. Wir waren das erste PKV-Unternehmen, das eine RechnungsApp auf den Markt gebracht hat, verfügen in der Krankenversicherung über einen sehr hohen Automatisierungsgrad, und im Vertrieb wird unsere Verkaufshilfe Navigator, die einen ganzheitlichen, digitalen Beratungsprozess ohne Medienbruch ermöglicht, gut angenommen. Kurzum, wir sind auf die Digitalisierung 4.0 sehr gut vorbereitet und werden tätig werden, wo sich gute Ideen anbieten. Der Insurtech-Hype macht mir keine Angst. Ich würde mich freuen, von diesen Start-Ups erstmalig eine bahnbrechende Geschäftsidee zu sehen, die ich nachahmen könnte.

VWheute:Sie sollen eine Bonifikation an alle Mitarbeiter zahlen. Stimmt das?

Eberhard Sautter: Ja, wir haben unseren Innendienst-Mitarbeitern in diesem Jahr eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 2.000 Euro gezahlt. Wir würdigen damit ihren entscheidenden Beitrag zum Erreichen unseres besten Konzernergebnisses im Geschäftsjahr 2016.

Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bild: Seit dem 1. Juli 2014 ist Dipl.-Mathematiker Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender der Hanse Merkur Versicherungsgruppe. (Quelle: Hanse Merkur)

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