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Run-off für Rückversicherung: Letzter Ausweg Trennung?

12.03.2018 – Lebensversicherung_FotoliaDie Rückversicherer stehen derzeit vor stürmischen Zeiten. Wenn heute führende Experten zum SZ-Rückversicherungstag 2018 in München zusammenkommen, geht es auch um die Frage, wie die Branche auf neue Geschäftsmodelle und Prozesse bei den Erstversicherern reagieren. Welche Rolle ein Run-off für die Rückversicherer spielt, skizzieren Thomas Witting und Till Wagner von Guy Carpenter & Company in einem exklusiven Gastbeitrag.

Vielen gerät das Blut in Wallung, wenn nur der Begriff Run-off fällt, vor allem in Zusammenhang mit der guten alten Lebensversicherung, lange Jahre des Deutschen liebstes Kind. Im Grunde ist jedoch jede Lebensversicherungspolice ab Beginn ihrer Laufzeit in Abwicklung, also im Run-off; daran ändert auch eine Übertragung auf einen anderen Risikoträger nichts.

Allerdings bildet das Vertrauen in die Kapitalstärke und die professionelle Kapitalanlage des Versicherers eine wesentliche Grundlage beim Vertragsabschluss, einer Entscheidung die schließlich für den Versicherungsnehmer mit dem Transfer erheblicher Finanzmittel verbunden ist.

Die Enttäuschung entsteht also in erster Linie nicht durch die Schließung des Versicherungsbestands, d.h. der Einstellung des Neugeschäfts, sondern durch die Übertragung der Leistungsverpflichtung auf einen anderen, dem Versicherten in der Regel nicht bekannten Vertragspartner.

Entsprechende Rückversicherungslösungen, die einen umfassenden Risikotransfer unter Einbezug von Marktrisiken bieten, stellen innovative Konstruktionen einzelner Rückversicherer dar, welche teilweise auch spezialisierte Risikoträger innerhalb und außerhalb der EU einbeziehen.

Die meisten Lösungen basieren auf einer Modifikation der früher im Lebensversicherungsbereich gebräuchlichen Quote auf Normalbasis. Hierbei tritt der Rückversicherer für seinen Quoten-Anteil in alle zukünftigen versicherungstechnischen Ansprüche und Verpflichtungen des zugrundeliegenden Lebensversicherungsbestands ein. Das beinhaltet eine anteilige Beteiligung des Rückversicherers an den versicherungstechnischen Verpflichtungen der Policen, insbesondere den garantierten Ablaufleistungen des rückgedeckten Bestands.

Die für die Bedeckung des RV-Anteils an den (Deckungs-) Rückstellungen zu bildenden Kapitalanlagen verbleiben aufgrund der Deponierungspflicht in der Bilanz des Lebensversicherers. Dafür wird dem Rückversicherer der jeweilige Rechnungszins gutgeschrieben. Da sich der Rückversicherer nicht an den Überschusszuteilungen beteiligt, übernimmt der Rückversicherer bei dieser Lösung auch keinerlei Marktrisiko.

Lösungen basieren auf Modifikation der Quoren auf Normalbasis

Diese klassische Form der Quoten-Rückversicherung wird nun von den Rückversicherern insoweit modifiziert, dass ein vom aktuellen Kapitalmarkt abgeleitetes Kapitalanlageergebnis anteilig dem Rückversicherer gutgeschrieben wird und dieser dafür dem Lebensversicherer eine sichere Verzinsung (Rechnungszins oder andere Festverzinsung) garantiert.

Die Rückversicherung besteht also im Kern aus einem Swap zwischen einem unsicheren Kapitalanlageergebnis und einer fest vorgegebenen Verzinsung. Die Lösungen der verschiedenen Rückversicherer unterscheiden sich dabei vor allem in der Ausgestaltung dieses Swaps.

Bei dem vom Rückversicherer mittels des Swaps rückversicherten Kapitalanlageergebnis kommen etwa das tatsächlich realisierte Kapitalanlageergebnis des Lebensversicherers, ein nach bestimmten Vorgaben des Rückversicherers gemanagtes Kapitalanlageergebnis oder ein an einem festgelegten Marktindex bemessenes Kapitalanlageergebnis in Frage.

Rückversicherer können auch im Ausland befindliche Risikoträger einsetzen, um Arbitrageeffekte aufgrund von Solvency II abweichender Kapitalunterlegungsanforderungen für bestimmte Anlageklassen auszunutzen.

Alternativ zu der Quotenlösung existiert auch eine nichtproportionale RV-Lösung, die nur in Geschäftsjahren entlastend wirkt, in denen ein negatives versicherungstechnisches Ergebnis nicht durch das Kapitalanlageergebnis ausgeglichen werden kann.

Politik der Rückversicherung greift in Zeiten volatilerer Kapitalmärkte zu kurz

Diese Form der RV verzeichnet einen gegenüber der Quote deutlich geringeren Prämienabfluss. Sie verhindert einen möglichen Kapitalverlust, der etwa aufgrund erhöhter Zuführung zur ZZR entstehen kann und führt ebenfalls zu einer Erhöhung und Stabilisierung der Solvency II-Quote.

Die bisherige Politik der Rückversicherung, den Risikoschutz für Lebensversicherer auf bestimmte biometrische Risiken zu begrenzen, greift in Zeiten volatilerer Kapitalmärkte und veränderter Regulierung deutlich zu kurz. Neuerdings stehen Rückversicherungslösungen zur Verfügung, die auch Marktrisiken abdecken.

Diese Lösungen bieten sich insbesondere für eine erforderliche Kapital- und Risikooptimierung von Altbeständen mit Zinsgarantien an. Sie stellen eine reputationsbewahrende Alternative zum Transfer kapitalintensiver Altbeständen mit höheren Zinsgarantien in Run-off dar.

Es existieren sehr unterschiedliche Lösungsvarianten verschiedener Rückversicherer. Aufgrund dieser Alternativen und der Komplexität ist die Einschaltung eines kompetenten und unabhängigen Beraters für die Selektion der optimalen Lösung und die konkrete Umsetzung ratsam.

Autoren: Thomas Witting und Till Wagner von Guy Carpenter & Company.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen März-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: Fotolia

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