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Respektiert, aber nicht geliebt: Bomhard verlässt Bühne

15.03.2017 – von-bomhard-150Es ist der letzte große öffentliche Auftritt des Nikolaus von Bomhard. Nur noch wenige Wochen und die drei so heiß begehrten Buchstaben “CEO” strahlen bei der Munich Re unter neuem Namen. Ein glanzvolles Geschäftsergebnis blieb dem 60-Jährigen verwehrt, zu durchschnittlich sind die Zahlen. Wenn der Vorhang nach 13 Jahren an der Spitze fällt, wird der Abschied aber respektvoll sein. Der Manager hat sich kaum etwas zu Schulden kommen lassen.

Sein größter Erfolg dürfte es gewesen sein, dass er in all den Jahren den Rückversicherungs-Titan souverän durch Tiefen und Höhen steuerte und dieser die Balance hielt. Ein Abschiedsgeschenk hat Bomhard dann auch noch für die Aktionäre. Die Dividende soll gegenüber 2015 um 35 Cent auf 8,60 Euro je Aktie steigen. Der Aristokrat unter den Vorstandschef der Dax-Konzerne – macht im April Platz für seinen Nachfolger Joachim Wenning. Bomhard selbst wird sicher einen ihm gebührenden Abschiedsempfang bekommen. Als 2004 für Branchenkenner völlig überraschend bekannt wurde, dass Bomhard den Vorstandsvorsitz der Munich Re übernehmen soll, legte die Aktie gleich einmal um acht Prozent zu.

Großer Erwartungsdruck auf den Juristen

Der Erwartungsdruck, der seitdem auf dem Juristen ruhte, war von Anfang an groß. Er sollte das traditionell zurückhaltende Welt-Unternehmen angesichts von Börsenkrise, Naturkatastrophen und den Terrorschäden in New York zurück zu alter Stärke führen. Doch einen Strategiewechsel, verbunden mit einer stärkeren Modernität, war nie seine Sache. Dies hätte vermutlich auch nicht zum traditionell konservativ geprägten Kurs des Hauses in der Münchener Königinstraße gepasst. Kontinuität sollte auch weiterhin bei der Münchener Rück angesagt sein.

Bomhard kam 1985 als Trainee nach München und er kennt das Geschäft. Sein Gesellenstück lieferte er in Brasilien ab, wo er in drei Jahren die Präsenz der Münchener Rück aufbaute. Vor seiner Berufung zum CEO betreute er ab 2000 im Vorstand die Region Lateinamerika und fast das gesamte Europa-Geschäft.

Der Angehörige eines 200 Jahre alten Adelsgeschlechts, der vier Fremdsprachen spricht, verkörpert auf gewisse Weise eine Mischung aus Bodenständigkeit und Weltgewandtheit. Sein Leitmotiv war stets die Risikominimierung. Experimente waren nicht sein Ding. Vielmehr galt für ihn, nicht alles auf eine Karte zu setzen, Puffer zu bilden und dafür ein langfristig erfolgreiches Geschäftsmodell zu gestalten.

Niederlagen musste er in den vielen Jahren auch einstecken. Die Schieflage des Ergo-Konzerns dürfte ihn die letzten Jahre deutlich belastet haben. Während von Aktionärsseite immer wieder gefordert wurde, sich von der unrentablen, in Verruf geratenen, Tochter zu trennen, hielt Bomhard an ihr fest. Kritiker behaupten, dass er bei dem ungeliebten Konzern-Unternehmen immer nur die Rendite im Vordergrund gesehen habe, weniger aber den immer gefährlicher werdenden substantiellen Zustand.

Mit dem ehemaligen Allianz-Manager Markus Rieß scheint bei der Ergo inzwischen die Trendwende zum Besseren hin eingeleitet worden zu sein. Auch der Rückzug aus dem drittgrößten Geschäftsfeld Munich Health nach nur wenigen Jahren gehört sicher nicht zu den unternehmerischen Highlights. Ob Bomhard nach der vorgeschriebenen Ruhepause von zwei Jahren zurückkehrt und sich an die Spitze des Aufsichtsrats setzen kann, bleibt abzuwarten.

Anspruchsvolle Aufgaben für den Nachfolger

Nicht für alle Problemfelder der Rückversicherung trägt Bomhard die Allein-Verantwortung. Der Preiskampf gilt weltweit und auch branchenfremde Konkurrenz macht der Branche zu schaffen. Allerdings galt die Königsdisziplin in der Versicherungswelt viele Jahrzehnte lang als nahezu unangreifbar und verdiente dabei recht prächtig. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Finanzkräftige Kapitalgeber geben sich mit niedrigeren Renditen zufrieden als die stets auf Risiko bedachten Rückversicherer. Kapitalkräftige Erstversicherer verzichteten zudem gänzlich auf die Rückversicherung. Das bekam auch der Primus unter Führung Bomhards zu spüren. Inzwischen gibt es wieder verhaltenen Optimismus auf leicht steigende Prämien und insgesamt eine Konsolidierung im Markt.

Auf den Nachfolger wartet eine Reihe anspruchsvoller Aufgaben. Er muss dem Großtanker unter den Versicherern eine kräftige Frischzellenkur verpassen. Denn ein Riesenschiff auf Schlingerfahrt wäre kaum auf Kurs zu halten. Wenning findet sich rasant verändernde Märkte vor, die nichts mehr gemeinsam haben mit denen unter der Führung Bomhards. Offen bleibt die Frage, ob der Nachfolger für mehr Risiko steht oder den bisherigen, traditionellen Weg weiter gehen will. Auch das entscheidet über die künftigen Erfolge des Vorzeige-Unternehmens aus der bayerischen Landeshauptstadt. (wo)

Bild: Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Munich Re (Quelle: Munich Re)

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