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Rechtsschutzversicherer im digitalen Zangengriff

18.05.2017 – REchtschutz_tarudeone_pixelioHeute beschäftigen sich führende Experten in Düsseldorf im Rahmen der MCC-Veranstaltung “RechtsschutzVersicherung 2017″ nicht nur mit der aktuellen Rechtssprechung und Regulatorik. Auch Themen wie Digitalisierung und Prozessoptimierung oder die neue Konkurrenz durch Legal-Techs stehen auf der Tagesordnung. Diese Newcomer haben eine klar umrissene Zielgruppe und sind kostengünstiger, weil sie alles standardisieren.

Allein 50 Gesellschaften sind derzeit im Rechtsschutzmarkt aktiv. Davon bleibt die Elite der Branchenplayer weitgehend unter sich: So halten allein die Top 15 der Branche einen Marktanteil von etwa 80 Prozent. Nummer eins auf dem deutschen Markt ist die Allianz, welche die Tabellenführung – trotz massiven Kundenverlusten – von der einstmals dominanten D.A.S. wiedererlangen und ausbauen konnte.

Zudem hat sich die ÖRAG von Platz axht auf fünf knapp hinter die Arag vorgeschoben. Die DEVK, R+V und LVM liefern sich seit Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz neun bis elf. Einen eher stagnierende Marktanteil verbucht derzeit die Huk/Huk24, der sich seit 2005 von 5,9 auf nur 6,2 Prozent in 2015 entwickelt hat. Ähnlich auch die zum Generali-Konzern gehördende AdvoCard, die ebenfalls nur leicht von 5,9 auf 6,3 Prozent zulegen konnte.

“Der Turbo für die anstehende Veränderung im Rechtsdienstleistungsmarkt und die Rechtsschutzversicherung wird dann durch den im November gestarteten digitalen Rechtsverkehr gezündet, konstatierte ÖRAG-Vorstand Andreas Heinsen in einem exklusiven Gastbeitrag für das Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft. So gehören nach Ansicht des ÖRAG-Managers “digitalisierungsfähige und vollauslesbare PDFs mit/und strukturierten Daten, die Zukunft, werden diese doch ab 1. Januar 2018 zum verpflichtenden Medium.

“Das Urteil am Ende der Verhandlung gleich digital mitzunehmen, wäre in vielen Massenbereichen dann durchaus möglich. Dieser digitale Zangenangriff auf den deutschen, eher verträumten Rechtsdienstleistungsmarkt fordert die Rechtsschutzversicherung jetzt doppelt heraus. Dies heißt für erfolgreich am Markt agierende Rechtsschutzanbieter neben der Anpassung der strategischen Geschäfts-, Produkt- und Servicemodelle, hin zum kundenorientierten Rechtsservice-Assisteur mit TopSchutz, auch massiv in technische Infrastruktur und die digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter sowie Dienstleistungsnetzwerke zu investieren”, prognostiziert Heinsen.

Legal-Techs mischen den Markt auf

Neben den digitalen Herausforderungen mischen auch die digitalen Versicherungs-Startups – auch Legal-Techs genannt – den Rechtsschutzmarkt weiter auf. “Gleich auf welche Fachveranstaltung man derzeit geht, die Antwort auf InsurTechs, die bisher fast ausschließlich die Kundenschnittstelle mit digitalen Versicherungsordnern und Maklertarifrechnern angreifen, ist fast immer: Assistance und Mehrwerte für mehr Kundenerlebnisse müssen an die Produkte. Richtig! Von einem eher halbherzigen Ansatz beim Thema Assistance muss man jetzt auf den Vollgasmodus umstellen”, glaubt ÖRAG-Vorstand Heinsen.

Allerdings ist der Abschluss einer Rechtsschutz-Police letztlich auch eine Preisfrage, den die digitalen Konkurrenten der etablierten Marktplayer für sich ausnutzen könnten. Denn: “Eine Familie mit Kindern zahlt für eine Rechtsschutzversicherung mit den abgesicherten Bereichen Privat, Beruf, Verkehr und Wohnen zwischen 280 Euro und 500 Euro im Jahr – je nachdem für welchen Versicherer und welche Leistungen sich die Familie entscheidet. Und das Rundum-Sorglos-Paket bekommt die Familie dafür dann trotzdem nicht – Selbstbeteiligungen ab 150 Euro aufwärts sind normal”, schreibt Caroline Benzel, Head of Content vom Lawtech Legalbase, in der kommenden Juni-Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Diese Preisgestaltung ist nur einer der Gründe, warum Rechtsschutzversicherer künftig eher weniger als mehr Haushalte versichern dürften. Denn dank des digitalen Wandels auf dem Markt der Rechtsberatung werden die Leistungen und Preise von Anwälten vergleichbar und damit günstiger.

“Zwar bieten auch Rechtsschutzversicherungen Anwaltshotlines und Dokumenten-Services an, doch sind diese Leistungen Zusatzangebote und nicht Kerngeschäft. Sobald es zu einer Deckungszusage für einen Rechtsschutzfall kommt, sollen die Kunden doch wieder einen Anwalt in der Nähe aufsuchen, und ihren Fall persönlich schildern. Der Vorteil von Legaltechs: sie haben eine klar umrissene Zielgruppe mit klarem Beratungs- und Produktbedarf. Das Angebot ist deshalb leicht zu standardisieren und kann zu günstigen Festpreisen verwirklicht werden”, fasst Benzel zusammen. (vwh/td)

Bildquelle: tarudeone / PIXELIO (www.pixelio.de)

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