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Rechenspiele um die Krankenversicherung

22.06.2017 – 125104_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.deWenn sich die privaten Krankenversicherer heute zu ihrer Jahrestagung in Berlin treffen, werden sie den Politikern im Jahr der Bundestagswahlen ganz sicher ins Stammbuch schreiben, nicht am bewährten dualen System von GKV und PKV zu rütteln. Die Dualität ist zu einem gesellschaftspolitischen Reizthema geworden. Der Ton wird schärfer, vor allem seitens der Parteien, die alle Versicherten unter das Dach einer Bürgerversicherung packen wollen.

Das aber hätte fatale Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Es ist keineswegs so, dass mit einer Einheitsversicherung die Finanzierungsprobleme der GKV mit einem Schlag gelöst wären, ganz im Gegenteil. Gesundheitsexperten sind sogar der Meinung, dass zwar genug Geld zur Verfügung steht, aber die Mittelverteilung ungerecht sei.

Die PKV-Vorderen warnen vor einem Einheitsbrei und legen das fast schon gebetsmühlenhaft dar: Ein einheitlicher Versicherungsmarkt werde eher zu einer Senkung des vorhandenen Versorgungsniveaus führen. Es gebe kein Indiz, dass ein einheitlicher Krankenversicherungsmarkt zu mehr Qualität, Wahlfreiheit und einer effizienten Mittelverwendung führe.

Die Folgen wären fatal. Wartezeiten von Wochen und Monaten auf eine Behandlung, oft organisiert über offizielle Wartelisten, Einschränkung der freien Arztwahl durch Hausarztsysteme sind einige der möglichen Schreckensszenarien (siehe POLITIK & REGULIERUNG).

Die Erfahrungen in Schweden oder Großbritannien zeigen, dass gerade älteren Menschen Behandlungen verweigert werden, wenn der finanzielle Aufwand zu hoch, der Nutzen zu gering erscheint. Eine Studie des Wissenschaftlichen Institutes der PKV soll jetzt empirisch belegen, dass Deutschland von solchen realen Rationierungsszenarien bisher verschont geblieben ist.

Egal, ob gesetzlich oder privat versichert, können sich Patienten in Deutschland über den umfangreichsten Leistungskatalog, die geringsten Wartezeiten, die größte Patientenautonomie bei der Auswahl von Ärzten und Krankenhäusern und maßvolle Zuzahlungen freuen.

Der internationale Vergleich widerlegt zugleich die These, dass einheitliche Krankenversicherungssysteme einer “Zwei-Klassen-Medizin” entgegen wirken könnten. Mit dem hohen Rationierungsniveau gehen in allen OECD-Staaten mit Einheitssystemen ebenso hohe Versorgungsunterschiede einher, da die vorenthaltenen Leistungen je nach Geldbeutel privat dazu gekauft werden oder in privaten Zusatzversicherungen abgesichert werden. Damit wird das staatliche Versorgungssystem umgangen.

Die Private Krankenversicherung hat nach wie vor einen großen Einfluss auf die Gesamtwirtschaft in Deutschland. Ohne das Geld, das Privatversicherte zusätzlich ins Gesundheitssystem einbringen, würde eine Bruttowertschöpfung von 13,4 Mrd. Euro entfallen.

Selbst Vorstandsvorsitzende gesetzlicher Krankenkassen sind ganz und gar nicht begeistert von der neuen Kundschaft, falls die Bürgerversicherung kommen sollte: “Dann müssen wir auch Beamte aufnehmen, die haben statistisch gesehen mehr Krankentage als Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft”. Ein weiterer, sehr pragmatischer, Grund spricht auch dagegen, dass sich die Bundestagsabgeordneten den Ast absägen auf dem sie sitzen. Viele von ihnen sind privat versichert.

Der Geschäftsverlauf der PKV im zweiten Halbjahr 2016 indes klingt erstaunlich: Erstmals seit fünf Jahren verzeichneten die Privaten wieder einen positiven Saldo im Nettoneuzugang. (wo)

Bildquelle: S. Hofschläger/ PIXELIO (www.pixelio.de)

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

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Adaptive Versicherung: Makler vor dem Aus?
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