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Rechenkunststück mit den Garantien

16.02.2017 – Garantie_Rainer Sturm_pixelioDie Menschen werden naturgemäß immer älter. Nach Berechnungen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung verlängert sich die durchschnittliche Lebenserwartung in entwickelten Ländern alle vier Jahre um rund zwölf Monate. Den Versicherern kommen solche Ergebnisse durchaus zugute, erleichtern diese ihnen doch die Prognosen. Das Langlebigkeitsrisiko erfordert aber auch mehr Geschick im Umgang mit Garantierenten.

Dabei sind “Garantien in der langfristigen Anlage zu teuer, meist unverständlich und nutzlos”, konstatiert die Frankfurt School of Finance & Management im Rahmen einer aktuellen Studie im Auftrag von Standard Life. Demnach haben Garantien nach Ansicht der Experten für den Anleger – insbesondere bei längerfristigen Investments – keinen Nutzen. Ganz im Gegenteil erhöhen fest zugesagte Garantien über die gesamte Laufzeit die Kosten der Kapitalanlage und verringern deren Renditechancen, so die Ansicht der Experten.

So lautete die zentrale Frage der Studie: “Was kostet in einer einmaligen Geldanlage die Garantie, sodass ein Investor am Ende der Anlagedauer mindestens den eingezahlten Sparbetrag zurück erhält?”. Die Antworten scheinen auf der Basis der Fallbeispiele ernüchternd. Ein Beispiel: Demnach sei die Wahrscheinlichkeit, dass der Garantiefall tatsächlich eintrifft, eher gering, konstatieren die Experten. Auf der Basis historischer Berechnungen der Börsenkurse seit September 2000 traf die Notwendigkeit einer 100-prozentigen Absicherung nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1,2 Prozent ein. Je länger die Anlage in Aktien dauere, desto unwahrscheinlicher sei der Umstand, dass die Garantie auch “gezogen” werden müsse, so die Finanzexperten.

“Unsere Studie hat erwiesen, dass die Kosten für eine Kapitalgarantie bei einer langfristigen Einmalanlage nicht nur hoch sind, sondern auch, dass das tatsächliche Eintreffen eines Garantiefalls unwahrscheinlich und die Garantieleistung gering ist”, betont Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Frankfurt School. “Die Garantiekosten sollten dem Kunden transparent dargestellt werden, die Entscheidung für oder gegen eine Garantie sollte individuell erfolgen und nicht für alle Anleger pauschal.”

Die Versicherer müssen sich angesichts solcher Studien und der steigenden Lebenserwartung daher die Frage stellen: “Wie viel werden wir brauchen, um Rentenversprechen auch dann erfüllen zu können, wenn viele Versicherte eines Kollektivs deutlich älter werden, als angenommen”, so Jacques Wasserfall, Leiter Finanzen Aktuariat Leben bei der Zurich. Besonders problematisch werden entsprechende Prognosen vor allem für die jüngere Generation. “Wir müssen uns fragen, ob es sinnvoll ist, jungen Kunden eine Garantie zu geben, die in 40 Jahren eingelöst werden muss”, ergänzt der Zurich-Mathematiker.

“Für junge Menschen gibt es so viele Faktoren, die über die Zeit bis zum Rentenalter die Lebenserwartung beeinflussen könnten, dass eine verlässliche Prognose auch für große Versicherungskollektive kaum möglich ist”, ergänzt Wasserfall. Ohne verlässliche Prognosen oder Finanzierungsquellen wie Zinserträge sei eine Rentengarantie für junge Menschen daher nicht mehr finanzierbar.

Die Lebensversicherer jedenfalls stecken weiterhin in der Zwickmühle, ächzen sie doch weiterhin unter den hohen Garantieversprechungen der Vergangenheit. Die Folge: Das Run-off-Geschäft boomt: Allein 2016 erreichte das Transaktionsvolumen von Nichtleben-Beständen nach Angaben des Run-off-Spezialisten Darag einen neuen Rekordwert von 4,4 Mrd. Euro. Für 2017 rechnet Darag-Chef Arndt Gossmann mit neuen Milliarden-Deals.

Stabil bleibt hingegen übrigens die Zahl der Aktionäre und Besitzer von Aktienfonds. Laut Deutschem Aktieninstitut lag diese im Jahresdurchschnitt bei knapp neun Millionen und damit auf gleichen Stand wie im Vorjahr. “Die Kursturbulenzen der ersten Jahreshälfte haben die Aktienbesitzer nicht nachhaltig eingeschüchtert”, kommentierte Christine Bortenlänger, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. Denn “Nur mit Aktien und Aktienfonds werden wir es schaffen, die Schwächen der staatlichen Rente zu kompensieren”, ergänzt Bortenlänger.

Der hochkarätig besetzte “ZukunftsMarkt Altervorsorge” beschäftigt sich heute mit aktuellen Fragen rund um die Themen Rente, Altersvorsorge und bAV. (vwh/td/epo)

Lesen Sie zudem mehr zum Thema “Rechenkunststück Rentenversicherung” in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managamentmagazins Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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