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Protest bei der Ergo: Alles mies wegen Rieß?

10.10.2017 – NAG_Ergo_HH1Die Ergo-Führung soll von der eigenen Wachstumsstrategie abweichen, sie breche aus Sicht der Beschäftigten Absprachen aus dem Vorjahr und verspiele das mühevoll gehegte Vertrauen. In Hamburg gehen 1.000 Beschäftige auf die Straße, von einem möglichen Verkauf der Run-off-Bestände haben sie aus der Zeitung erfahren. Warum die Ergo-Mitarbeiter so sauer sind, erklärt Betriebsratschef Marco Nörenberg, im Exklusiv-Interview mit VWheute.

VWheute: Wie bewerten Sie die Überlegungen der Ergo, ihre bereits in den Run-off geschickte Leben-Sparte zu verkaufen?

Marco Nörenberg: Wir hatten eigentlich im letzten Jahr ein sehr weitreichendes Agreement zum Ergo-Strategieprogramm des Herrn Dr. Rieß. Teil dieses Agreement war auch eine Perspektive für die Organisationseinheit Leben Klassik innerhalb der Ergo. Insofern sehe ich das schon als Bruch dessen an, was wir miteinander verabredet hatten.

VWheute: Was hatten Sie denn miteinander verabredet?

Marco Nörenberg: Wir hatten vereinbart, dass man in die IT-Systeme der Leben-Sparte investiert und vielleicht auch als Drittanbieter am Markt auftritt, um externe Bestände in einer Third Party Administration (TPA) verwalten zu können.

VWheute: Hat die Ergo-Führung diese Strategie nun komplett geändert?

Marco Nörenberg: Bisher wird, wie wir den Medien entnehmen, nur über den Verkauf nachgedacht. Ihre Strategie würde die Ergo erst verlassen, wenn sie die Leben Klassik tatsächlich verkauft. Wir wünschen uns natürlich, dass Strategien, die wir miteinander besprechen, auch genauso umgesetzt werden. Immerhin haben sich viele Beschäftigte darauf eingelassen, vor dem Hintergrund dieser Verabredungen, in diese Run-off-Struktur einzuwechseln. Und dass weil sie auf die Wachstumsstrategie als TPA-Dienstleister vertraut haben. Davon betroffen sind 700 Beschäftigte in Hamburg und 300 in Düsseldorf.

VWheute: Machte Sie diese Geschichte von einem Wachstum im Run-off nicht stutzig?

Marco Nörenberg: In der Tat, deshalb haben wir für jene Beschäftigten einen besonderen Beschäftigungsschutz vereinbart, die in die Run-off-Organisationseinheiten gewechselt sind. Diese besitzen bis 2021 Bestandsschutz, auch von einem möglichen Käufer der Ergo Leben-Bestände nicht einfach vor die Tür gesetzt werden.

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VWheute: Die Neue Assekuranz Gewerkschaft (NAG) hat Widerstand angekündigt. Wie wird dieser aussehen?

Marco Nörenberg: Mit einer Demonstration mit 1.000 Teilnehmern sind wir am vergangenen Freitag in Hamburg gestartet, weitere kreative Protestaktionen wollen wir folgen lassen. Dazu kann ich jetzt noch nichts ankündigen, weil sie auch darauf ausgerichtet sein werden, den einen oder anderen Arbeitgeber auf dem kalten Fuß zu erwischen.

VWheute: Muss die Ergo nun mit massenhaften Krankmeldungen wie im Falle AirBerlin rechnen?

Marco Nörenberg: Streiks sind in einem Szenario nicht völlig unwahrscheinlich. Die NAG würde es, obwohl ihr Status als Gewerkschaft nicht geklärt ist, auch darauf ankommen lassen. So etwas wie massenhafte Krankmeldungen ist überhaupt nicht unser Stil, dazu würde ich auch nicht raten. Wir wollen eine offene Auseinandersetzung. Dabei sehen wir eine Reihe von Verbündeten: In der Öffentlichkeit wird gerade sehr breit diskutiert, ob man die Lebensversicherung als Sparkasse des kleinen Mannes für die Altersvorsorge wirklich so einfach an ausländische Finanzinvestoren verkaufen darf. Dabei rechnen wir auch mit der Versicherungsaufsicht.

VWheute: Wie hoch schätzen Sie die Chancen einer Ergo Leben als TPA-Dienstleister?

Marco Nörenberg: Das hängt vom Kaufpreis ab.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Dominic Egger.

Bilder: Rund 1.000 Ergo-Beschäftigte demonstrieren in Hamburg (Quelle: NAG)

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