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Prognose 2018: Was ist drin?

22.12.2017 – OLYMPUS DIGITAL CAMERANiedrige Zinsen, die Dauer-Challenge Regulierung oder die digitale Beschleunigung sind nur ein kleiner Auszug an Themen, die intensive Bewegungen bei den Versicherern eingeleitet haben. Zwischen erwartbaren und unverhofften Momenten gilt es nun klug zu kalkulieren. Mit einem Querschnitt aus Kursangaben führender Manager dazu verabschiedet sich VWheute in die Weihnachtszeit. Ab 8. Januar 2018 sind wir börsentäglich wieder für Sie da.

Pünktlich zum Nachrichtenstart ins neue Jahr beginnen zeitgleich im winterlichen Berlin die Sondierungsgespräche zwischen Union und Sozialdemokraten. 15 Themenfelder haben sich die Politakteure rund um Merkel, Seehofer, Schulz & Co. auf die Agenda gesetzt, die ab dem 7. Januar 2018 in nicht weniger als zwölf Tagen durchpeitschen. Die Versicherer dürften dabei mit besonderem Interesse auf des Themenfeld “Soziales/Rente/Gesundheit/Pflege” blicken und welche Weichenstellungen die potenziellen Großkoalitionäre für die kommenden vier Jahre vornehmen werden.

Die Aussichten dürfte man nach dem krachenden Scheitern der Jamaika-Sondierungen hingegen bei optimistischer Einschätzung allenfalls als “heiter bis wolkig” bezeichnen. “Es besteht die Gefahr, dass man sich auf faule Kompromisse einigt und bei den Staatsausgaben sehr großzügig ist. Die auf dem Tisch liegenden Forderungen haben mich bisher nicht überzeugt. Ich befürchte auch, dass für die Kunden die Freiheit der Auswahl eingeschränkt wird, dass es also eher eine Koalition der Bevormundung wird”, warnte jüngst R+V-Vorstandschef Norbert Rollinger.

Die Versicherer wollen jedenfalls im kommenden Jahr “geschlossen auftreten – gegenüber der Politik, aber auch und gerade gegenüber der Gesellschaft”, betont GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Der fromme Wunsch für 2018: “Wir wünschen uns eine Politik, die das System der Alterssicherung demografiefest macht.” (siehe POLITIK & REGULIERUNG).

PKV steht weiter unter Druck

Geschlossenheit scheint angesichts der aktuellen politischen Turbulenzen – national wie international – derzeit auch dringend geboten. An vorderster Front werden wohl auch 2018 wiederum die privaten Krankenversicherer stehen. Angesichts der neuerlichen sozialdemokratischen Forderung nach einer Bürgerversicherung steht schlichtweg das Geschäftsmodell der PKV auf dem politischen Prüfstand.

Immerhin: Ungeachtet aller hitzigen Debatten herrscht in der Branche die uneingeschränkte Ablehnung gegen die eine Bürgerversicherung, deren “einzig Gutes” lediglich “der nett klingende Name”. “Doch dahinter verbergen sich schlimme Folgen für die medizinische Versorgung und für den Arbeitsmarkt. Sie würde nur Verlierer erzeugen”, betonte unlängst PKV-Verbandpräsident Uwe Laue. Die Chancen für die Einführung im kommenden Jahr dürften daher auch eher gering sein – trotz entsprechender Tendenzen in den Bundesländern.

Land in Sicht beim Insurtech-Tsunami?

“Verhalten positiv” auf das kommende Jahr blicken im kommenden Jahr auch die Versicherungskaufleute – trotz zunehmender Konkurrenz durch Insurtechs und neue regulatorische Vorgaben. Dabei blicken die Vermittler nicht nur positiv auf die gute Konjunktur. “Auch bezüglich der Niedrigzinsphase wird durch die Ankündigung der EZB das Anleiheprogramm herunter zu fahren sowie durch die kürzlich erfolgte Zinserhöhung des Bank of England endlich Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Diese positive Gemengelage wird das Abschlussverhalten der Kunden begünstigen, was uns veranlasst, von einer guten vertrieblichen Großwetterlage für das nächste Jahr zu sprechen”, betont BVK-Präsident Michael H. Heinz (siehe MÄRKTE & VERTRIEB).

Dem digitalen Tsunami, ausgelöst durch neue Versicherungs-Start-ups, sehen die Versicherer im kommenden Jahr jedoch gelassen entgegen. Vielmehr werden qualitätsstarke Versicherer ihre Position ausbauen, glaubt Matthias Wald von Swiss Life Deutschland. Denn “Viele Versprechen der hippen Start-ups haben sich bisher nicht erfüllt, die Kunden bleiben aus und die Wagniskapitalgeber werden langsam nervös”, konstatiert BVK-Chef Heinz gepaart mit einer gewissen Genugtuung.

Vereint im Kampf um das richtige Maß der Regulierung

Einigkeit herrscht in der Branche auch im Kampf gegen die Krake der Regulierung. So wird die Anwendung der neuen IDD-Richtlinie zwar auf den 1. Oktober 2018 verschoben werden. “Für den deutschen Markt würde das nichts ändern, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Das IDD-Umsetzungsgesetz muss ab 23. Februar 2018 von Unternehmen und Vermittlern umgesetzt werden”, betont der Branchenverband GDV. Dennoch scheint das Maß der regulatorischen Vorgaben für die Branchenheads bereits jetzt erreicht zu sein: “Bremsen Sie Ihren Regulierungseifer und lassen Sie die Regeln zunächst wirken, bevor sie geändert werden”, lautet daher der Appell des GDV-Hauptgeschäftsführers.

Und die Unternehmen: Für die sind auch die anderen großen Themen des kommenden Jahres die des vergangenen Jahres, konstatiert dabei von Fürstenwerth: “Ich will nur zwei herausgreifen, die immer häufiger auftretenden Wetterextreme und die stetig wachsende Cyberkriminalität”. “Darüber hinaus werden uns im kommenden Jahr Themen wie Niedrigzins, Digitalisierung oder die junge Konkurrenz aus der Startup-Szene weiter herausfordern. Wir müssen schneller werden und neue Trends frühzeitig identifizieren, damit das Produkt Versicherung für Kunden auch in Zukunft attraktiv bleibt”, ergänzt Herbert K. Haas in seiner letzten Prognose als Vorstandschef der Talanx (siehe KÖPFE & POSITIONEN). Worte, die in den Konzernzentralen der Ergo und Generali wohl einen besonderen Widerhall finden dürften.

2018 wird spannend. Unseren Lesern danken wir für die fleißige Lektüre unserer Inhalte, online wie offline, und das Feedback. All jene, die hinterfragen und verstehen wollen, laden wir auch im nächsten Jahr dazu ein, auf unser Wissen zurückzugreifen – wie immer um Null Uhr vier. (td)

Bildquelle: Thomas Scholz / PIXELIO (www.pixelio.de)

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