Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

D&O-Policen sind kein Allheilmittel

31.01.2017 – Manager_kasto_fotoliaDer Abgasskandal bei Volkswagen ist längst ein nimmermüder Dauerbrenner im medialen Blätterwald, der zunehmend auch die Versicherer ins Spiel bringt. So ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn nun wegen des Anfangsverdachts des Betruges. Sollte sich der Verdacht erhärten, könnte sein früherer Arbeitgeber Schadenersatz in Milliardenhöhe fordern – mit Folgen für den Versicherungsschutz.

Sollte sich der Verdacht erhärten, droht Winterkorn womöglich ein finanzielles Desaster. Das Problem: Volkswagen hat bei einem Versicherungskonsortium von etwa 20 bis 30 Konzernen – darunter auch die Allianz und Zurich – eine Haftpflichtversicherung für ihre Manager abgeschlossen. Diese zahlt zwar laut einem Bericht der Zeitung Die Welt bereits die Anwaltskosten im Rahmen des Abgasskandals. Allerdings ist die Deckungssumme auf 500 Mio. Euro begrenzt. Im Falle einer Verurteilung Winterkorns wegen Betruges würde die D&O-Police gar nicht mehr greifen.

Dennoch sei der Fall “auch für alle Manager und Organmitglieder ein klarer Weckruf: Haftungsrisiken sind nicht nur theoretisch vorhanden, sondern es sind ganz reale Risiken, gegen die sich absichern sollte. Den Sinn einer Unternehmens-D&O stellt deshalb niemand mehr in Frage”, betont Diederik Sutorius, Geschäftsführer des Kölner D&O-Versicherers VOV GmbH, auf Anfrage von VWheute.

Trotzdem sei das Thema VW auch für die D&O-Versicherer “schon von Bedeutung”, ergänzt Sutorius. “Wir sehen, dass vermutlich die vereinbarte Schadenssumme erkennbar jetzt schon nicht ausreicht, um die Milliardenforderungen aufzufangen. Bei solchen großen öffentlich wirksamen Fällen bei den großen Dax-Unternehmen ist das oft zu beobachten. Aber eine Deckungssumme von 500 Mio. Euro oder mehr, die ein Unternehmens-D&O abdeckt, ist schon sehr ordentlich. Sehr viel größere Schadenssumme gibt der Markt derzeit nicht her”, erläutert der Experte.

Ungeachtet dessen sei VW “vom Ausmaß des Schadens ein Ausnahmenfall”, lautet die Einschätzung Sutorius’. So gebe es inzwischen “auch in kleineren Unternehmen inzwischen sehr oft mehrere Beteiligte, wenn es um einen Haftungsfall geht die sich die Deckungssumme teilen müssen. Das heißt: Die Versicherungssumme aus der Unternehmens-D&O ist dann weg und wer zuletzt in der Futterkette steht, geht unter Umständen leer aus. Dann ist die Schadenssumme aus der Unternehmens-D&O aufgebraucht und man muss persönlich zahlen.”

Steigende Nachfrage individueller D&O-Policen

Dass Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte in Deutschland derzeit insgesamt mit einem steigenden Haftungsrisiko zu kämpfen haben, zeigt auch die jüngste Umfrage von VOV. Demnach haben sich allein im vergangenen Jahr bereits 35 Prozent aller Manager für eine persönliche D&O-Versicherung interessiert. Zudem stieg die Nachfrage von Unternehmens-D&O-Versicherungen im vergangenen Jahr um drei Prozentpunkte auf 39 Prozent (2015: 36 Prozent).

Dennoch sind Haftpflichtpolicen für Manager noch lange kein Allheilmittel. Schließlich werden die D&O-Fälle immer komplexer und die Schadenansprüche höher und selbst Unternehmenspolicen lösen nicht jedes Problem, konstatiert Stefan Steinkühler, Rechtsanwalt und Beirat der Finlex GmbH in Frankfurt am Main gegenüber dem Business- und Managementmagazin Versicherungswirtschaft.

Demnach sehen die verschiedenen Public Corporate Governance Kodices (PCGK) mittlerweile Selbstbehalte für bestimmte Organmitglieder vor. Das heißt: “Jedes Vorstandsmitglied hat sich bei jedem Schadenfall mit einem vertraglich festzulegenden Prozentsatz zu beteiligen, der mindestens zehn Prozent des Schadens betragen muss”, so Steinkühler.

Die Obergrenze muss zudem mindestens 150 Prozent der festen jährlichen Vergütung im Jahr der Pflichtverletzung betragen. Dieser Selbstbehalt kann jedoch aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Mindesthöhe nicht selten zu einem existenziellen Risiko für den Vorstand oder Aufsichtsrat führen, ergänzt der Jurist. Die Folge war eine deutlich gestiegene Nachfrage nach individuellen Versicherungslösungen, mit denen dieser Selbstbehalt abgesichert werden sollte.

Selbstbehaltpolicen dienen lediglich als “Kasko”-Schutz

Allerdings zeichnen sich die aktuell auf dem Markt lancierten Selbstbehaltsversicherungen vor allem dadurch aus, dass sie im Schadenfall der Regulierung durch den Unternehmens-D&O-Versicherer uneingeschränkt folgen und lediglich als “Kasko”-Versicherer den einbehaltenen Selbstbehalt ausgleichen, betont Steinkühler. Zudem sei bei sehr vielen Unternehmens-D&O-Versicherungen nicht geklärt, wie bei einer nicht ausreichenden Versicherungssumme die Verteilung an die jeweiligen Versicherten zu erfolgen habe.

Ein weiteres Risiko besteht aus Sicht des Juristen zudem darin, dass vielen Managern oftmals auch die Konzernpolice nicht bekannt sei oder die ausländische Konzernpolice hinsichtlich der Managerhaftung und des Versicherungsschutzes nicht die deutschen Mindest- und Marktstandards erfüllen.

Ob und inwieweit die Managerhaftpflicht auch in der Causa Winterkorn einspringen wird, werden die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen der kommenden Tage und Woche ergeben. Etwas Positives scheint der leidige Abgasskandal dann doch zu haben: Winterkorns einstiger Konzern-Airbus wurde laut einem Bericht der Welt an die Lufthansa Technik verkauft. Dort soll die Maschine dann zu einem Aufklärungsflugzeug umgebaut und anschließend an die Luftwaffe verkauft werden – mit dem Ziel: Sicherung des allgemeinen Weltfriedens. (vwh/td)

Den vollständigen Beitrag von Stefan Steinkühler lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: Fotolia

- Anzeige -

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten