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Ottonova will “iTunes der Medizinbranche” werden

23.08.2017 – roman_rittweger-sascha-schulzAuch die privaten Krankenversicherer zeigen in den letzten Monaten immer stärker digitale Initiative. Geschwindigkeit, Enthusiasmus und Lässigkeit hinken der von Fintechs und Insurtechs aber noch etwas hinterher – was wohl auch den zahlreichen Stakeholdern im Gesundheitssystem geschuldet ist. Heraus stechen zwei Online-Projekte, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten.

So hat Roman Rittweger mit Ottonova den ersten privaten Krankenversicherer, voll digital, an den Start gebracht. Der Start-up setzt auf zeitgemäße Usability, eine smarte App und hohes Engagement der Mitarbeitenden. Kundengewinnung läuft über Online-Werbung. Das funktioniert und bringt Rittweger neue Verträge mit “guten Risikoprofilen”, so der Gründer, der mit ArztPartner schon vor 20 Jahren zu den Pionieren webbasierter Gesundheitsleistungen zählte. “Viele klassische PKV Produkte sind dafür gebaut, im Vertrieb ‘magisch’ zu wirken, um eine Beratung erforderlich zu machen”, erläutert er sein Erfolgsgeheimnis.

Rittwegers Ziel: “iTunes der Medizinbranche”

“Zeitgemäße Kunden haben das durchschaut und wollen sich einfach selbst informieren.” Mit der App kann eine PKV direkt abgeschlossen werden. Papierkram mit Rechnungen gibt es auch nicht mehr – “auch die Auszahlung erfolgt im Normalfall innerhalb von Minuten.” Ottonova ist so kundenzentriert, dass selbst der Chef am Wochenende bei der Kundenbetreuung mitmacht. Rittweger will in ein paar Jahren das “iTunes der Medizinbranche” sein, Infos aus Wearables anbinden und Tools downloadbar machen.

kv-fux.de will Vergleichsportalen Paroli bieten und vielleicht auch ein Stück weit Aggregator werden. Ursprünglich eine Initiative der Debeka, wird die Tarif-Suchmaschine mittlerweile von einem Betreiber-Konsortium gesteuert, das für alle PKV-Anbieter offen ist. “Bislang waren nur 60 Prozent der privaten KV-Anbieter bei Vergleichen auffindbar, Vergleichsmethoden waren intransparent”, präsentiert Roland Weber, Debeka-Vorstand. 7.700 Tarife und 1,7 Mio. Kombinationsmöglichkeiten sind nun live und werden täglich aktualisiert.

Die Produktpräsentation erfolgt auf Basis der Finanztest-Methodik von 2014. Der “Inner Circle” der Portalbetreiber erhält seine Leads unmittelbar online. Entscheiden sich Kunden für andere Partnertarife, können sie eine PDF herunterladen, die die Kontaktdaten von Makler oder PKV-Vertrieb enthält. Das Portal soll in den nächsten Monaten durch SEO-Maßnahmen besser auffindbar werden, auch Kundenbewertungen sollen hinzu kommen, was sicherlich dabei helfen wird, dem Projekt aus Kundensicht mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, wenn es um eine objektive Bewertung des “Preis-/Leistungsverhältnis” geht.

Familien setzen auf Telemedizin

Digitale Vertriebskanäle sind nur ein Teil des PKV-Innovationsprogramms. Das Internet bietet hervorragende Möglichkeiten zur Telemedizin. Katharina Jünger stammt aus einer Ärztefamilie. Sie weiß, dass insbesondere Familien gerne nach den regulären Praxiszeiten Behandlungsbedarf haben. Mit ihrem Unternehmen teleclinic.com ist ein Mediziner zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar. “Für die meisten Konsultationen reichen Laptop mit Kamera, Mikrofon und Web-Zugang – und 30 Minuten Zeit für ein kurzes Anwendungstraining”. In der PKV sind diese Leistungen künftig über die GOÄ abrechenbar, bei der GKV nur über Selektivverträge. “Etabliertere Hausärzte haben am ehesten etwas gegen unsere Lösung”, so Gründerin und CEO Jünger. “Jüngere Ärzte sind offener. Und in Ländern wie der Schweiz, in denen Ärztemangel herrscht, läuft das System prima.”

Was haben wir aus der Veranstaltung gelernt? Digitalisierung hat im Gesundheitswesen viele Gesichter. “Digital Natives” möchten lieber autonom und ohne Medienbrüche gesund bleiben. Deshalb gewinnen junge PKVs, die komplett auf Online setzen. Sie sind durch schlanke Prozesse vom Start weg effizient. Die Marktanteile sind heute noch klein, aber das ändert sich sicherlich noch. Etablierte PKV-Anbieter sorgen für mehr Markttransparenz. Sie erhöhen die Servicequalität für ihre Versicherten, wie die Axa durch die “Meine Gesundheit”-App.

Thilo Schumacher, Axa Vorstand, betont: “Wir haben einen riesigen Vorteil in der PKV: Einen Kundenkontakt pro Monat. Das ist verdammt viel. Was machen wir damit?” Die Axa bietet ihren Kunden in “Meine Gesundheit” eine sichere Lösung für die Vereinfachung der Abrechnung. Und Content: Kunden suchen Informationen über “Gesundheit” statt “Krankheit”, ebenso Tipps zu Pflege und Betreuung. Auch digitale Gesundheitsanwendungen sind auf dem Vormarsch: Über das Fallmanagement sollen sich technisch vernetzte Lösungen am Körper etablieren, um besonders “teure” Patienten zur bestmöglichen ärztliche Betreuung zu führen. Thorsten Pilgrim, Geschäftsführer CareLutions GmbH (eine Debeka Beteiligung) will dabei helfen, dass Wohlbefinden besonderer Risikoprofile, Diabetiker zum Beispiel, in Echtzeit besser steuerbar zu machen.

Die Branche setzt unter dem Schirm der Digitalisierung verstärkt auf Partnerschaften. Das beschleunigt Entwicklungsprozesse. Gewinnen werden letztlich die Player, die die Kundenerwartungen an die eigene Versicherungsmarke am besten verstehen und Kundenzentrierung in Einklang mit Effizienzsteigerung bringen. (Sascha Schulz)

Bild: Ottonova-Gründer und CEO Roman Rittweger auf dem Euroforum “PKV aktuell & digital”. (Quelle: Sascha Schulz)

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Gerichtsurteil irritiert D&O-Versicherer
Ein noch unveröffentlichtes Urteil des Oberlandesgerichts Celle hat die Frage “Werden Forderungen wegen verbotener Zahlungen von einer D&O-Versicherung abgedeckt?” ganz praktisch in den Fokus von Managern, Insolvenzverwaltern und Versicherern gerückt. Im Exklusiv-Interview mit VWheute erläutert Rechtsanwalt Karsten Kiesel, welche Auswirkungen das Urteil haben könnte und wie Versicherer reagieren sollten.

VIG Group nimmt mehr Prämien ein
Das Konzern-Ergebnis der Vienna Insurance Group (VIG) weist zum 30. Juni 2017 mit Prämieneinnahmen von 4,97 Mrd. Euro einen Zuwachs von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Das Wachstum wird weiterhin durch den Rückgang bei den Einmalerträgen im Lebensversicherungsgeschäft (minus 24,4 Prozent) beeinflusst. Ohne Einmalerträge würde die Steigerung 5,2 Prozent betragen.

Unwetter belasten Landwirte und Versicherer
Die Wetterextreme in diesem Jahr machen sowohl den Landwirten als auch den Agrarversicherern besonders zu schaffen. Wie der Deutsche Bauernverband am Dienstag mitteilte, fällt die Obsternte in diesem Jahr deutlich geringer als sonst. Auch die Getreideernte in diesem Jahr verwandle sich “vielerorts ein Nervenspiel”. Auch den Agrarversicherern macht das Wetter schwer zu schaffen.

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