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Neuer Tarifvertrag für die Versicherungswirtschaft

31.08.2017 – Nettotarife_ M. Groszmann_pixelio.deDer Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen sowie die Gewerkschaften Verdi, DHV und DBV haben sich am Mittwoch auf einen Tarifabschluss für die knapp 170.000 Angestellten des Innendienstes sowie die Auszubildenden geeinigt. Nach Angaben des AGV beinhaltet der Abschluss eine Erhöhung um 2,0 Prozent zum 1. November 2017 sowie um weitere 1,7 Prozent zum 1. Dezember 2018.

Für Auszubildende soll die Vergütung demnach zum 1. November 2017 und zum 1. Dezember 2018 jeweils um 22 Euro angehoben werden. Zudem sollen die Altersteilzeitabkommen für den Innendienst sowie den organisierenden Werbeaußendienst unverändert bis 31. Dezember 2019 verlängert werden.

Gleichzeitig soll der Tarifvertrag zur Qualifizierung, welcher zum 31. Dezember 2011 ausgelaufen ist, wieder eingesetzt werden. Die darin bestehenden Regelungen sollen um ein jährlich zu führendes Qualifizierungsgespräch ergänzt werden. Neu ist laut AGV auch der Anspruch der Mitarbeiter auf eine Bildungsteilzeit bis zu sechs Monaten. Allerdings kann der Arbeitgeber diese aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen.

Mitarbeiter, welche in einer von Personalabbau betroffenen Organisationseinheit beschäftigt sind, haben zudem einen Anspruch auf Umwandlung der tariflichen Sonderzahlungen in Freizeit. Voraussetzung ist hingegen, dass diesem keine betrieblichen Interessen entgegenstehen. Zudem gelte diese Regelung nur die Laufzeit von Interessenausgleichregelungen.

Der neue Tarifvertrag soll laut Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) eine Laufzeit von 29 Monaten haben und vom 1. April 2017 bis 31. August 2019 gelten. In den ersten sieben Monaten – also bis 31. Oktober 2017 – soll der Tarifvertrag vom 23. Mai 2015 unverändert fortgelten. Zudem haben beide Seiten laut AGV weitere Gespräche über die tarifvertragliche Regelung bezüglich der Auswirkungen der Digitalisierung vereinbart.

Nach Ansicht von AGV-Präsident und Verhandlungsführer Andreas Eurich sei dieser Abschluss “für die Branche gerade noch vertretbar”. Zudem biete “die lange Laufzeit den Unternehmen Planungssicherheit und den Beschäftigten einen Reallohnzuwachs”, heißt es beim AGV weiter.

Verdi verbucht Erfolg für sich

Die Gewerkschaft Verdi bewertete das Verhandlungsergebnis als positiv. “Der Abschluss sichert den Beschäftigten eine Reallohnsteigerung und sorgt dafür, dass die Versicherungsbeschäftigten nicht von anderen Branchen abgekoppelt werden. Das war nach dem vorherigen Angebot der Arbeitgeber nicht zu erwarten”, kommentiert Verdi-Bundesvorstandsmitglied und Verhandlungsführer Christoph Meister das Verhandlungsergebnis. Demnach hätten der jetzige Abschluss hätten nur deswegen erzielt werden können, weil tausende Beschäftigte in den vergangenen Wochen und Monaten in drei Wellen ihre Arbeit niedergelegt und sich für ihre Forderungen stark gemacht hätten, heißt es bei Verdi weiter.

Neu vereinbart werden konnte ein Anspruch auf Bildungsteilzeit mit Rückkehrrecht in das Unternehmen zu den bisherigen Bedingungen, Arbeitszeitverkürzung zur Vermeidung von Entlassungen und zur Sicherung von Beschäftigung mit einem Teillohnausgleich sowie einen Anspruch auf Umwandlung von Sonderzahlungen in Freizeit bei bestehenden Personalabbauplanungen, ergänzt Verdi. Zudem sichere der neue Tarifvertrag eine Qualifizierung “für alle Versicherungsbeschäftigten und im besonderen Maß denjenigen, deren Arbeitsplätze perspektivisch aufgrund von Digitalisierung wegzufallen drohen, einen Anspruch auf die Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen”, ergänzt die Gewerkschaft.

Außerdem seien in einer umfassenden Verhandlungsverpflichtung die Regelungsgegenstände eines neuen Tarifvertrages zum mobilen Arbeiten vereinbart worden. Gleichzeitig werde weiter ausgelotet, inwieweit ein interner Arbeitsmarkt der im Wettbewerb stehenden Unternehmen geschaffen werden kann und wie weitergehende Instrumente zur Beschäftigungssicherung geschaffen werden können, ergänzt die Dienstleistungsgewerkschaft.

Verhandlungen gingen Streiks und Sondierung voraus

Die vierte Verhandlungsrunde in München war erst nach einem Sondierungsgespräch zwischen beiden Seiten Anfang August zustande gekommen. Die ersten drei Verhandlungsrunden waren bereits Anfang Juni 2017 gescheitert. Der AGV wollte damals nach eigenen Angaben der Verdi-Forderung nach einer Aufnahme zentraler Inhalte ihres “Zukunftstarifvertrages Digitalisierung” nicht nachkommen. Die Gewerkschaft hatte unter anderem einen branchenweiten Verzicht auf betriebsbedingte Beendigungskündigungen bis zum 31. Dezember 2020, ein Rückkehrrecht für Teilzeitbeschäftigte in Vollzeit sowie ein Rechtsanspruch auf Altersteilzeit in Unternehmen mit Personalabbauplanungen gefordert.

Verdi selbst hatte zudem ein Angebot des Arbeitergeberverbandes einer linearen Anhebung der Tarifgehälter (einschließlich Tätigkeits- und Verantwortungszulagen) sowie der Vergütungen für Auszubildende um insgesamt 3,33 Prozent abgelehnt und die Verhandlungen für gescheitert erklärt. Die Folge waren drei Streikwellen und zwei Monate Funkstille zwischen beiden Verhandlungspartnern. (vwh/td)

Link: Die Eckpunkte der Vereinbarung im Überblick

Bildquelle: M. Groszmann / PIXELIO (www.pixelio.de)

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