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Namenswirrwarr: Deutsche Generali steht vor Umbruch

25.08.2017 – gebaeude_muenchen_generaliDie Entscheidung über eine grundlegende Umstrukturierung des Generali-Konzerns in Deutschland sollte ursprünglich im August/September 2017 getroffen werden. Wobei sich Informationen verdichten, dass die Generali Lebensversicherung AG mit ihren Beständen komplett verkauft werden soll. Dreh- und Angelpunkt ist Insidern zufolge dabei nicht so sehr der Verkaufspreis, der vielleicht bei ein bis zwei Mrd. Euro liegen dürfte, sondern die enorme Höhe des Risikos durch die große Anzahl der vor Jahren hochverzinslich mit Garantien abgeschlossenen Lebensversicherungen. Experten schätzen das Risiko daraus auf vier bis fünf Mrd. Euro.

Damit dürfte eine interne Lösung, wie lediglich Schließung des Neuzugangs für den Lebensversicherer und Bestandsbetreuung sowie -abwicklung innerhalb des Konzerns, vom Tisch sein. Dafür spricht auch, dass der italienische Mutterkonzern verfügt hat, einen vierten internationalen Interessenten ins Boot zu holen, der von dem Berater Morgan Stanley empfohlen worden sein soll. Damit wird das Bieterverfahren für alle neu eröffnet und verzögert offensichtlich den Entscheidungsprozess. Dennoch ist davon auszugehen, dass bis zum Jahresende alles klar ist. Die Generali Lebensversicherung AG verfügte 2016 über rund 4,2 Millionen Verträge, Beitragseinnahmen von 3,1 Mrd. Euro und betreute Kapitalanlagen von 41,5 Mrd. Euro. Gerade auf diese enorme Stärke dürften Aufkäufer spekulieren.

Betroffen von dieser Transaktion ist auch der Exklusivvertrieb der Generali, der etwa 3.100 Mitarbeiter umfasst, die überwiegend als freie Handelsvertreter arbeiten. Rund 700 von ihnen haben noch einen Angestellten-Status aus alten Volksfürsorge-Zeiten. Den Außendienstlern würde durch den Verkauf der Lebensversicherungs-Gesellschaft eine wesentliche Einkommensgrundlage entzogen. Hier strebt Liverani eine Übereinkunft mit dem größten deutschen Finanzvertrieb, der DVAG an, dass diese den gesamten Außendienst übernimmt. Der würde dann künftig Produkte der Generali-Tochter Aachen Münchener verkaufen, für die die Vertriebler der Deutschen Vermögensberatung bereits seit rund 40 Jahren – seit einigen Jahren sogar exklusiv – tätig sind.

An der DVAG ist die Generali mit 40 Prozent beteiligt. Die Aachen Münchener hat sich in den letzten Jahren zu einer der erfolgreichsten deutschen Lebensversicherer entwickelt und nahm 2016 rund fünf Mrd. Euro an Beitragseinnahmen ein. Die Verhandlungen sind nach Insider-Informationen dahingehend inzwischen weitestgehend abgeschlossen worden. Auch den Angestellten würden dann Verträge als sogenannte Handelsvertreter nach §84 Handelsgesetzbuch angeboten, um eine betriebsbedingte Kündigung zu vermeiden.

Verschlankungsprozess betrifft auch Markenauftritt

Für die Generali Versicherung AG, den Unfall-und Schadenversicherer, könnte dann ebenfalls die letzte Stunde geschlagen haben. Sie soll mit der Schwester-Gesellschaft Aachen Münchener Versicherung AG verschmolzen werden. Beide Unternehmen zusammen kommen dann auf Beitragseinnahmen von 3,1 Mrd. Euro und steigen damit zu den größten Gesellschaften am deutschen Markt auf.

Dreh- und Angelpunkt des gesamten Deals ist auch die Frage, ob die Aachen Münchener unter ihrem bisherigen traditionsreichen Namen weiter bestehen wird oder sich die Generali in den Verhandlungen mit der DVAG durchsetzt, eine Umbenennung in Generali Lebensversicherung AG und Generali Versicherung AG zu erreichen. Die Italiener sind durchaus dafür bekannt, dass sie grundsätzlich ihren Familiennamen bei den Töchtern auch im Ausland durchsetzen wollen. Bestes Beispiel dafür ist die Aufgabe des traditionsreichen Namens Volksfürsorge nach der Fusion mit den deutschen General-Gesellschaften vor nunmehr neun Jahren.

Auch für die Dialog Leben, den Maklerversicherer der Generali-Gruppe, die sich zu einem der größten Risikoversicherer in Deutschland gemausert hat, fällt im Rahmen der Neustrukturierung etwas ab. Hier soll eine neue Dialog-Sachgesellschaft gegründet werden, die das Maklergeschäft der (alten) Generali Versicherung AG übernimmt. Dorthin sollen auch die Bestände übertragen werden. Damit gibt die Generali zu erkennen, dass sie weiterhin am Geschäft mit freien Vermittlern interessiert ist, während für die DVAG Maklergeschäft obsolet ist. Keinerlei Veränderungen sind offensichtlich für den Direktversicherer des Konzerns, die Cosmos, geplant.

Die Umstrukturierung hat zudem einen positiven, aber auch einen negativen Nebeneffekt: Die Generali mit ihrer deutschen Konzernführung, die wie bisher schon in München bleiben soll, wird sich damit schlanker und transparenter im wichtigen Versicherungsmarkt Deutschland aufstellen. Aber auch die Streichung von mindestens 1.000 Arbeitsplätzen im Konzern kann die die Folge sein. Vor allem im Vertriebsressort mit seinen 400 Innendienst-Mitarbeitern werden weitestgehend die Lichter ausgehen.

Die Generali wollte dies auf Anfrage von VWheute nicht kommentieren. (vwh/wo)

Bildquelle: Generali

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

R+V profitiert vom starken Kfz-Geschäft
Die Wiesbadener R+V Versicherung hat ihren Wachstumskurs im ersten Halbjahr 2017 fortgesetzt. Die Beitragseinnahmen im deutschen Erstversicherungsgeschäft stiegen um 4,4 Prozent auf 7,2 Mrd. Euro (Vorjahr: 6,9 Mrd.). Besonders stark gestiegen sind die Prämieneinnahmen in der Kfz-Versicherung, der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und im Krankenversicherungsgeschäft.

Rolf Schünemann ist neuer Chef der BCA
Mit sofortiger Wirkung hat Rolf Schünemann den Vorsitz des Vorstands des Oberurseler Maklerpools BCA AG übernommen. Der 55-jährige Diplom-Betriebswirt war zuvor Vertriebsvorstand der LV 1871 a.G. in München. Der bisherige Vorstand Oliver Lang scheidet ohne Angabe näherer Gründe aus. Seine Kollegen im Vorstandsteam sind Christina Schwartmann und Frank Ulbricht.

Paritätisch gezahlte Beiträge sind ein Irrweg
Die Rückkehr zur vollständig paritätischen Beitragsfinanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die sich damit verbundene Hoffnung auf eine nachhaltige Entlastung der Beitragszahler entpuppe sich als Irrweg, hat das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) ermittelt. Der bislang allein von den Mitgliedern zu zahlende Zusatzbeitrag würde damit abgeschafft.

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