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Munich Re erobert Cyber-Markt: “Wir investieren heftig”

09.11.2017 – Munich Re PohlchristophGebeutelt von Tropenstürmen und Erdbeben wird heute der größte Rückversicherer Zahlen zum dritten Quartal präsentieren. Statt über Schäden spricht Munich Re lieber über einen Markt, den es bislang nur in den USA gibt: Cyber. Zehn Prozent des weltweiten Volumens, 260 Mio. US-Dollar, versichern die Münchner. Über die Potenziale dieser Sparte sprach VWheute mit Hermann Pohlchristoph, Vorstand für das Ressort Germany, Asia Pacific and Africa.

Am letzten Tag des Rückversicherungstreffens hat Munich Re seine Schaden-Schätzung veröffentlicht: Mit 2,7 Mrd. Euro schlagen allein die drei Wirbelstürme bei den Münchenern zu Buche. Zusammen mit dem Erdbeben in Mexiko und weiteren Ereignissen entsteht dem Versicherer eine Gesamtbelastung von 3,2 Mrd. Euro. Das frisst den ganzen Jahresgewinn auf. “Das Rückversicherungsgeschäft ist nur dann profitabel, wenn der Preis stabil ist”, sagt Pohlchristoph und ist zuversichtlich, dass “die Preise zu einem risikoadäquaten Niveau zurückkehren.”

Das gelte für den Bereich der Schaden-Versicherung weltweit, schließlich seien die Preise global korreliert. Die Kapazitäten verknappen will Pohlchristoph selbst im Hurrikan-gebeutelten US-Geschäft nicht. “Unser Risikoappetit bleibt auf dem gleichen Niveau wie zuvor.” Eine aktuelle Branchenstudie der US-Bank JPMorgan teilt diese Meinung. Im Versicherungssektor sehe es nach den jüngsten Katastrophenschäden mehr und mehr nach einem Wendepunkt aus, schrieb Analyst Michael Huttner. Sowohl im Rückversicherungsbereich als auch bei gewerblichen Sachversicherungen in den USA würden steigende Prämien immer mehr zum Thema. Munich Re dürfte dabei zu den Profiteuren gehören.

US-Markt als Testfeld

Pohlchristoph ist nicht nur beim Preistrend im Reinsurance zuversichtlich, sondern auch was die Erschließung neuer Märkte im Bereich Cyber angeht. Bis 2020/21, so die Prognose, soll sich der bisher rund 2,6 Mrd. US-Dollar schwere Markt vervierfachen. Munich Re will sein Cyber-Geschäft bis dorthin ebenfalls mit dem Faktor vier multiplizieren, den Marktanteil von zehn Prozent will Pohlchristoph halten. Bisher gibt es nur in den Vereinigten Staaten einen nennenswerten Markt für Cyber-Versicherung; 80 bis 90 Prozent des Marktes spielt sich in den USA ab – das allerdings mit einer Dynamik, die an einen Kick-Start erinnert, zumindest bei Munich Re: Wurden im Jahr 2015 noch Kapazitäten von 76 Mio. US Dollar bereitgestellt, waren es im Jahr darauf schon 127 Mio. US-Dollar. “Wir investieren heftig in diesem Gebiet”, erklärt Pohlchristoph.

Neben der Hauptaufgabe als Risikoträger aufzutreten, würden Dienstleistungen von der schnellen Hilfe nach einer Cyber-Attacke bis zur Schaden-Prävention immer wichtiger. Nicht zuletzt setzt Munich Re hier auf datenbasierte Produkte: Digitale Analyse und Produktentwicklung, Plattformen und Lösungen für automatisiertes Underwriting sollen den Rückversicherungsschutz noch öfter flankieren. “Nicht jeder kann in diesen Markt gelangen”, sagt Pohlchristoph.

Konkurrent Hannover Rück will mitmischen

Auch die Hannover Rück, genauer gesagt ihre Deutschland-Tochter, schielt in Person des Vorstandsmitglieds Michael Pickel auf das Cyber-Segment, allerdings mit strategischem Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). In ein bis zwei Jahren schon – so die Prognose des Unternehmens – würden Erstversicherer ein erweitertes Angebot an reinen Cyber-Deckungen anbieten, auf 200 bis 250 Mio. Euro könnte der deutsche Markt anwachsen. Über 15 Prozent der Cyber-Policen, dem durchschnittlichen Marktanteil der Hannover Rück, will E+S mit Rückversicherungs- Kapazitäten versorgen. Bevor es so weit ist, müssen sich die Rückversicherer als Pioniere auf unbekanntes Terrain vorwagen: Anders als in der Kfz-Rückversicherung, die E+S in Deutschland anführt, verfügt keiner der Marktakteure über historische Daten zu Cyber-Schäden. (de/dg)

Bild: Seit 27. April 2017 ist Hermann Pohlchristoph Mitglied des Vorstands der Münchener Rück AG. Er ist für das Ressort Germany, Asia Pacific and Africa sowie für die Zentralbereiche Central Procurement und Services verantwortlich. (Quelle: de)

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