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Missmanagement bei Generali und Ergo in der Vergangenheit?

15.12.2017 – ERGO Düsseldorf - Bild 3Schon fünf weitere Jahre auf Nullzinsniveau würden bei unveränderten Bilanzierungsvorschriften reichen, um die Finanzpolster von drei Lebensversicherern zu vernichten, die 2015 noch zu den zehn größten Anbietern zählten. Dies zeigten aktuelle Modellrechnungen, berichtet das Manager Magazin in seiner heute erscheinenden Ausgabe. Hart ins Gericht geht das Monatsmagazin in seiner Berichterstattung mit der Generali und der Ergo.

Längst gehe es um mehr als nur die bis zur Jahrtausendwende verkauften und mit Garantien von 3,5 bis 4 Prozent ausgestatteten Altverträge, schreibt das Blatt. Nun müssten die Assekuranzen auch Vorsorge für Policen treffen, die danach auf den Markt kamen und nur noch 2,75 oder 2,25 Prozent versprachen. Bereits heute schaffe rund ein Drittel den Stresstest der Finanzaufsicht nur mithilfe bilanzieller Überbrückungs- und Sonderregeln. Globale Riesen wie die Münchener Rück oder der vom italienischen Triest aus gesteuerte Generali-Konzern würden ihre deutschen Lebensversicherer am liebsten loswerden.

Dabei handele es sich über Ergo als Teil der Münchener Rück um einst große Namen, wie die Hamburg-Mannheimer, die Victoria oder die bei der Generali eingegliederte Volksfürsorge. Allesamt wären früher mit hohen Reserven ausgestattete Schwergewichte gewesen. Die Gesellschaften seien durch eine fatale Kombination aus Kapitalentzug und Missmanagement systematisch ausgezehrt und heruntergewirtschaftet worden. Am deutlichsten zeichne sich das bei der Lebensversicherungstochter des italienischen Generali-Konzerns ab. Deshalb strebe Generali Deutschland-Chef Giovanni Liverani den Verkauf der Policen an, bzw. suche eine interne Lösung. Wörtlich formuliert das Manager Magazin: “Es wäre das Finale einer beispiellosen Plünderung, die beinahe zwei Jahrzehnte andauerte”.

Tiefe Löcher in den Bilanzen

Als die Italiener kurz vor der Jahrtausendwende die Mehrheit bei dem damals noch als Volksfürsorge firmierenden Unternehmen übernahmen, hätten sie eine zwar wachstumsschwache und wenig effiziente, aber mit hohen Reserven und Kapitalpuffern ausgestattete Organisation vorgefunden. Damit konnte die Überkreuzbeteiligung mit der Commerzbank (zehn Prozent Anteil) finanziert werden. Als sich Italiener und Commerzbank später trennten, seien weit über 90 Prozent des ursprünglichen Kapitaleinsatzes aufgezehrt gewesen.

Auch Lehman- oder Hybrid-Anleihen der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria, griechische und italienische Staatspapiere sowie toxische Papiere von HSH Nordbank und BayernLB, hätten die Generali-Tochter belastet, ebenso wie Papiere aus Beständen der italienischen Großbanken, die seit Jahrzehnten bei der Generali in Triest das Sagen hätten. Der “Raubbau” habe über die Jahre hinweg tiefe Löcher in die Bilanzen gerissen. “Seit Ende 2005 sind die Reserven, gemessen an den Beitragseinnahmen, von über 100 Prozent auf 45 Prozent abgesackt”.

Wenn Liverani der Coup mit dem externen oder auch internen “Run-off” gelänge, würde die Konzernbilanz der Italiener auf einen Schlag deutlich freundlicher aussehen. Die hohen Garantiezusagen der Vergangenheit, die in der Gegenwart über viel Risikokapital abgesichert werden mussten, wären verschwunden und das bislang unproduktiv gebundene Geld frei. Es stünde entweder für Wachstumsinvestitionen zur Verfügung oder könnte an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.

Shareholder-Value-Ideologie

Von den deutschen Versicherern hänge “keiner so stark der kurzfristigen Abart der Shareholder-Value-Ideologie an wie die Münchener Rück”, folgert der Autor des Berichts. Seit Jahren schütte der weltgrößte Rückversicherer über Dividenden und Aktienrückkaufprogramme große Teile der Summen aus, die zuvor an Gewinnen eingefahren wurden. Dass sich dies auch in Zeiten erodierender Erträge im Kerngeschäft nicht ändern soll, gehöre zu den Überzeugungen des neuen Vorstandschefs Joachim Wenning. Daher sei auch hier ein Verkauf der rund sechs Millionen Lebensversicherungsverträge der 100-Prozent-Beteiligung am Ergo Konzern angedacht gewesen. Der Verkauf, so die Berechnungen, würden drei Mrd. Euro in die Kassen spülen.

Dass die Konzernmutter jahrelang Kapital abgezogen und nicht einmal das Nötigste in die Infrastruktur der Ergo investierte, habe niemanden interessiert. Genauso wenig, dass Ergo-Chef Markus Rieß nur wenige Monate davor verkündet hatte, die Verträge als Basis für eine eigene Abwicklungsplattform zu nutzen, über die auch Konkurrenten ihre Altpolicen in den “Run-off” hätten schicken können. Der Konzern habe dann einen formalen Verkaufsprozess gestartet. Doch bei nur 1,5 Mrd. Euro hätten die Gebote aufgehört. Ende November ließ der Konzern dann per Ad-hoc-Mitteilung wissen, dass der Verkauf derzeit gestoppt sei.

Die zu niedrigen Gebote, so heißt es, hätten viel mit der maroden IT-Struktur der Ergo zu tun. Die Systeme seien oft außerstande, die korrekten Auszahlungssummen zu berechnen. Der Konzern stehe deshalb unter verschärfter Beobachtung der Finanzaufsicht und müsste jeden Monat über den Fortschritt der Reparaturarbeiten berichten. Insgesamt seien hier hohe Investitionen notwendig. In den nächsten Monaten soll zusammen mit dem US-Konzern IBM eine Plattform gebaut werden, auf der die Altbestände fehlerfrei verwaltet werden können.

80 Prozent sollen der Münchener Rück gehören, IBM die restlichen 20 Prozent. Das Konstrukt soll zudem in der Lage sein, Policenbestände von Konkurrenten zu verwalten, die ihre Lebensversicherer still und leise abwickeln möchten. Für die Münchener Rück sei diese Lösung aber nur zweite Wahl. Nach wie vor werde ein Käufer gesucht, damit das in der Bilanz gebundene Risikokapital gehoben und an die Aktionäre ausgeschüttet werden könnte. (wo)

Bildquelle: Ergo

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