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Missmanagement? Versicherer PZU entlässt Vorstandschef

24.03.2017 – michal_krupinski - QUELLE PZUDer größte mittel- und osteuropäische Versicherer PZU hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem CEO Michał Krupiński getrennt. Das 36-jährige Greenhorn unter den Top-Managern muss nach nur 15 Monaten in einem der höchsten Wirtschaftsämter Polens seinen Tisch räumen. Konflikte mit dem Aufsichtsrat, eine fehlende Rückendeckung  im Vorstand sowie unverhältnismäßig hohe Beitragserhöhungen sollen den Ausschlag gegeben haben.

Polnischen Medienberichten zufolge soll sich der Konflikt mit dem Aufsichtsrat um die Deckelung von Vorstandsgehältern gedreht haben. Von dieser Regelung sind Unternehmen betroffen, die dem Schatzministerium unterliegen.

Welche Rolle die Politik bei dem unerwarteten PZU-Manöver genau gespielt haben könnte, ist äußerst undurchsichtig. Immerhin galt Krupiński in der Öffentlichkeit lange Zeit als goldenes Kind der amtierenden Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Doch dieses Bild kann sich in der schnelllebigen polnischen Politik schnell ins Gegenteil verkehren. Zuletzt war etwa das Verhältnis Krupińskis zum PiS-Mann und Schatzminister Mateusz Morawiecki angespannt.

Krupiński-nahe Personen beobachten die Entlassung des Jung-Managers mit Argwohn. Ihrer Meinung nach seien die Beitragserhöhungen der PZU 2016 geringer ausgefallen als jene der Konkurrenz und die Bilanzzahlen des vergangenen Jahres im grünen Bereich.

Zu den größten Verdiensten Krupińskis in seiner Zeit bei der PZU dürfte der Kauf der Pekao gezählt haben. Der Deal mit der Großbank soll den Einfluss ausländischer Investoren in polnischen Bankensektor deutlich gesenkt haben – eine der zentralen Marschrouten der aktuellen Regierung.

Wer jedoch an die Spitze der PZU rückt, sitzt fast schon traditionell auf heißen Kohlen. Regierungswechsel wie Ende 2015 haben direkte Auswirkungen auf das Management des Versicherers. Mit Anteilen in Höhe von rund 35 Prozent ist der polnische Staat Hauptaktionär der PZU, die restlichen Wertpapiere befinden sich im Streubesitz institutioneller und privater Investoren.

Seit 1989 haben mittlerweile 17 Manager ihr Vorstandsglück bei der PZU gesucht. Gelungen ist das dem Krupiński-Vorgänger Andrzej Klesyk mit einer Rekord-Amtszeit von acht Jahren bislang am besten.

Ob die Karriere Krupińskis mit der fristlosen Entlassung nun endgültig vorbei ist oder die PZU-Zeit nur eine Zwischenetappe für höhere Ziele war, bleibt offen. Ebenso wie der Name seines Nachfolgers. Bis dieser gefunden ist, übernimmt Marcin Chludziński interimsmäßig den Vorstandsvorsitz der Gruppe. (mst)

Bild: Michał Krupiński, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der PZU-Gruppe (Quelle: PZU)

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