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Lloyd’s zwischen Umbruch und Revolution

25.06.2018 – Inga Beale_LloydsFür die Mitarbeiter bei Lloyd’s ist es zur Routine geworden, in Katastrophen zu denken. In der Vergangenheit waren es Schäden und ein nicht immer durchdachter Umgang mit diesen, die an der Überlebensfähigkeit von Lloyd’s haben Zweifel aufkommen lassen: Die Asbest-Krise und der Anschlag auf das World Trade Center haben der Liebe der Lloyd’s-Underwriter für schwarzen Humor Nahrung gegeben.

Doch jetzt sind es zwei vollkommen neue Herausforderungen, vor denen Lloyd’s steht. Dabei handelt es sich zum Ersten um den Brexit und die richtige Antwort darauf. Hinzu kommen die Digitalisierung und das neue Geschäftsmodell von Lloyd’s. Das Target Operating Model, kurz TOM, wird von vielen Marktteilnehmern eher als Bedrohung wahrgenommen.

Die Digitalisierung ist ein Riesenschritt für die Marktteilnehmer. Derzeit ist es noch Usus, das Geschäft beim Mittagessen bei einer guten Flasche Wein zu besprechen und dann auf der Basis von Papier zu tätigen. Seit ein paar Monaten dürfen Lloyd’s-Mitarbeiter keinen Wein mehr zum Mittagessen trinken, Vorzeichen einer Kulturrevolution?

Der Brexit hat nur eine scheinbare Atempause bekommen. Es ist mehrfach angemerkt worden, dass die längere Übergangsphase nichtig wird, falls es Großbritannien und der Europäischen Union nicht gelingt, eine Einigung über die Modalitäten und Konsequenzen des Brexit zu erzielen. Auf dem Versicherungsmarkt Lloyd’s mit seinen 85 Syndikaten wurden im vergangenen Jahr umgerechnet 38,4 Mrd. Euro an Prämien gezeichnet. 14 Prozent des Geschäfts zeichnen die Syndikate von Lloyd’s in Kontinentaleuropa.

Zwanzig Mitarbeiter für Lloyd’s in Brüssel

Lloyd’s wird nach aktuellen Plänen am 1. Januar 2019 eine Tochtergesellschaft in Brüssel starten. Anfang März hat Lloyd’s alle Zeichnungsbevollmächtigten benachrichtigt, kontinentaleuropäisches Geschäft für das Jahr 2019 ausschließlich bei der Tochtergesellschaft in Brüssel einzureichen. Jüngsten Ankündigungen zufolge werden 40 Mitarbeiter in dem Brüsseler Büro von Lloyd’s tätig sein. Der Großteil der Verwaltungsaktivitäten wird weiterhin in London ausgeführt, wo Lloyd’s 700 Angestellte zählt.

Ungefähr 80 Versicherer machen von Großbritannien aus Geschäft in der Europäischen Union. Die europäische Versicherungsaufsicht Eiopa möche verhindern, dass britische Versicherer sich auf Briefkastenfirmen in der Europäischen Union beschränken, die das Geschäft fronten und ohne großen bürokratischen Aufwand nach London zedieren. Gabriel Bernardino, Vorsitzender von Eiopa, hat im September gesagt: “Wir sehen eine Richtschnur von zehn Prozent des Geschäfts im Sebstbehalt als gute Zielmarke.”

Inga Beale, CEO von Lloyd’s, versucht den Einfluss des Brexit für Lloyd’s kleinzureden. Gegenüber der britischen Zeitung Guardian sagte sie, nur elf Prozent des Geschäfts von Lloyd’s würde in der EU gemacht aber nur die Häfte davon sei betroffen. Der Brexit werde sich nur auf einfache Versicherungsprodukte auswirken. Die großen Versicherungsgeschäfte in der Rückversicherung, in Specialty und Luftfahrt beispielsweise seien davon nicht betroffen. Folgt man diesen Rechnungen, würden ab dem 1. Januar 2019 schätzungsweise zwei Mrd.Euro Prämie aus einfachen Versicherungsverträgen von höchstens 40 Mitarbeitern verwaltet werden.

Lloyd’s bleibt attrativ für Newcomer

Die größte Stärke von Lloyd’s ist sicherlich die Innovationsfreude in Produktfragen und bei der Risikotragung. Trotz der Herausforderungen durch den Brexit bleibt der Markt attraktiv und zieht neue Teilnehmer an. Der polnische Marktführer PZU hat sich im Dezember letzten Jahres an der Argenta Syndicate Management Limited beteiligt, die zur Hannover-Rück-Tochter Argenta Holdings gehört. Argenta Syndicate Management Limited managt das Syndikat 2121 und zeichnete Prämien von umgerechnet etwa 300 Mio. Euro, vorwiegend in der Sachversicherung, Specialty und Energy.

Eine stille, aber sicherlich die größte Herausforderung für Lloyd’s ist die technologische Revolution. Sie stellt die Geschäftsprozesse im Versicherungsgeschäft in Frage und wird in einen heftigen Effizienz-Wettbewerb münden. Die Führung von Lloyd’s hat das erkannt und treibt den Markt zur Modernisierung an.

Nach dem Vorbild großer Versicherungskonzerne hat Lloyd’s Mitte Februar angekündigt, dass es Ende dieses Jahres ein Innovation Lab öffnen wird. Es hat dazu eine externe Firma beauftragt. Lloyd’s-CEO Inga Beale möchte in dem Lab die Erforschung von Data Analytics und künstlicher Intelligenz vorantreiben. Ziel ist es, Risiken besser einzuschätzen und vorhersagen zu können.

Das wichtigste und emotionalste Thema bei Lloyd’s ist die Abkehr vom Papier und das neue Ziel-Modell (Target Operating Model, kurz TOM). Shirine Khoury-Haq, COO von Lloyd’s, und Inga Beale treiben die technologische Erneuerung mit Macht voran. Die neu geschaffene Placing Platform Limited (PPL) erleichtert die Platzierung von Geschäft durch Makler bei den Syndikaten erheblich, doch es wird bei Lloyd’s nicht schnell genug angenommen.

“Unsere Investitionen schlagen fehl, wenn nicht mehr Marktteilnehmer daran teilnehmen und als Konsequenz drohen die Verwaltungskosten weiter zu steigen”, warnte Inga Beale. Insgesamt 29 Makler und 92 Risikoträger verwenden die PPL laut einem jüngsten Bericht von Khoury-Haq. Sie will nicht den Menschen und die menschliche Aktion aus dem Geschäft verbannen, sondern das Papier.

Sie schreibt: “Wir wollen manuelle Papieraufgaben durch elektronische Prozesse ersetzen. Vergangene Woche habe ich einen Underwriter gesehen, der ergänzende Informationen auf seinem Policenantrag notierte, die der Broker nach der ursprünglichen Diskussion neu eingegeben und dann ausgedruckt hat. Dies wurde dann jemand anderem zum Scannen gegeben und dann in ein System eingegeben. Der Makler trug das Stück Papier zurück in das Büro, um noch mehr Scans, Schreibvorgänge, E-Mails und Verarbeitungen zu erledigen. Meine Güte. All das für eine Antragsannahme?”

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft.

Autoren: Michał Trochimczuk und Grzegorz Podleśny sind Managing Partner von Sollers Consulting.

Bild: Inga Beale (Quelle: Lloyd’s)

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