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Liverani geht aufs Ganze

07.03.2017 – Liverani_Ursula DornbergerDen Generali Gesellschaften stehen zum wiederholten Male im Zeitraum von nur acht Jahren unruhige Zeiten bevor. Diesmal sind die Folgen allerdings nicht abzuschätzen. Noch sollen es Gedankenspiele sein, die aber in einem konkreten Stadium stecken. Sonst hätte der allseits anerkannte Finanzvorstand Torsten Utecht nicht so einfach den Stab hingeworfen. Der Deutschland-Ableger des Generali-Konzerns wird sein Gesicht völlig verändern.

Nachdem die Fusion der Volksfürsorge Lebensversicherung AG und der Volksfürsorge Deutsche Sachversicherung AG mit den jeweiligen Generali-Gesellschaften in München zum 1. Januar 2009 noch nahezu reibungslos vollzogen werden konnte und danach als durchaus sinnvoll anerkannt wurde, jagt seitdem die eine oder andere sogenannte strukturelle Veränderung den betroffenen Mitarbeitern Angst und Schrecken ein.

Denn jedes Mal war das mit dem Verlust von hunderten von Arbeitsplätzen verbunden: Erst die Auflösung und Eingliederung der damals neu gegründeten Volksfürsorge Vertriebs AG in den Vertrieb der Generali, dann die Neugründung einer Dienstleistungsgesellschaft in Leipzig zur Auslagerung einfacher Arbeiten sowie zuletzt auch die Abwendung von angestellten Außendienst-Mitarbeitern hin zu selbstständigen Agenturen, haben den Unternehmen offensichtlich immer nur kurze Verschnaufpausen gegönnt. Schon wieder stehen Veränderungen an, diesmal in einem Ausmaß, über deren Ausgang nur spekuliert werden kann.

Die von Deutschland-Chef Giovanni Liverani angedachten gravierenden Erneuerungspläne, mit der Fusion der Generali Sach und der AachenMünchener Versicherung, einem “Run-off” der Generali Lebensversicherung, der Einstellung des gesamten Maklergeschäfts sowie der Übertragung aller Vertriebskapazitäten an den Finanzvertrieb DVAG, werden die deutsche Versicherungslandschaft im Mark erschüttern.

Gelingt unter der Vertriebsführung der erfolgsverwöhnten DVAG diese Neuausrichtung, wird das die Konkurrenz sicher das Fürchten lehren. Der Glaube an dieses Szenario wird bei den Überlegungen des eloquenten italienischen Generali-Chefs eine wesentliche Rolle gespielt haben. Die Rückendeckung aus der Konzernzentrale in Italien soll er auch schon haben.

Scheitern dürfte Liverani den Kopf kosten

Geht das Experiment aber schief, dürfte das dem stolzen Generali-Chef, Diplom Ingenieur und Seiteneinsteiger in der Versicherungswirtschaft, den Job kosten. Die Unwägbarkeiten sind immerhin groß: Denn was passiert, wenn die erfolgreichen Agenturen im Generali-Außendienst Fahnenflucht begehen und ihre bisherige Kundschaft gleich mitnehmen. Fachleute halten eine Quote von bis zu 80 Prozent für durchaus möglich.

Oder wie reagieren die Kunden, wenn sie von heute auf morgen nicht mehr von Generali, sondern ohne gefragt zu werden, unter dem Label AachenMünchener ihren Versicherungsschutz erhalten? Wobei diese Gesellschaft in der Öffentlichkeit durchaus einen guten Ruf genießt. Und was hat eine realistische betriebswirtschaftliche Rechnung ergeben? Die Ergebnisse sollen mit ein Grund für das Ausscheiden Utechts gewesen sein.

Fragen über Fragen, denen sich Liverani mit klugen Antworten stellen muss. Denn eines ist schon heute gewiss – das ist die Ungewissheit, ob dieses unternehmerische Experiment überhaupt gelingen kann. (wo)

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Kommunikationsprobleme bei Ergo
Unruhe in der Kommunikationsabteilung von Ergo: Nachdem die Strategische Marketingleiterin Andrea Hoelken den Düsseldorfern Ende Januar den Rücken kehrte, verlässt nun auch Andreas Lampersbach nach einem kurzen Intermezzo das Unternehmen. Nachfolger soll der Content-Experte Oliver Stock werden.

Schadenfall Schlecker: Eine Familie auf der Anklagebank
Haben sie Millionenbeträge vor ihren Gläubigern versteckt oder nicht? Seit Montag wird der Schlecker-Clan um Unternehmensgründer Anton vor dem Stuttgarter Landgericht mit dieser Frage konfrontiert. Die Vorwürfe: vorsätzlicher Bankrott, Veruntreuung von Firmenvermögen und Insolvenzverschleppung. Der Prozess-Ausgang ist offen. Die Versicherer ihrerseits dürften mit Interesse in die Schwabenmetropole blicken.

VIG-Chefin Stadler: “Versicherer verstehen, wie sich Risiken verschieben”
Auch in der österreichischen Versicherungswelt spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Die Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group (VIG), Elisabeth Stadler, zeigt sich gegenüber VWheute von den enormen Vorteilen der neuen Techniken überzeugt. Mit rund neun Mrd. Euro Beitragseinnahmen ist die VIG eine der größten börsennotierten Versicherer in Zentral- und Osteuropa (CEE).

Bild: Giovanni Liverani, Deutschland-Chef Generali. (Quelle: Ursula Dornberger)

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