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Leitermann: “Neue Ideen entstehen nicht nur in Start-ups”

19.06.2017 – Ulrich Leitermann_Signal IdunaDie Signal Iduna will in die Insurtech-Zukunft mitgestalten. Dafür werden in den nächsten fünf Jahren zwischen 50 und 100 Mio. Euro in strategische Beteiligungen investiert. Wie weit steht der Plan, warum haben nur Insurtechs Ideen und müssen sich die Versicherer verändern, um morgen noch relevant zu sein? Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe, liefert Antworten zu allen wichtigen Fragen.

VWheute: Herr Leitermann, die Signal Iduna will in Insurtechs investieren. Sie sprechen von vielen spannenden Geschäftsmodellen und dies nicht nur im Versicherungsbereich. Können sie das bitte näher erläutern – besonders den Aspekt “außerhalb der Versicherung”.

Leitermann: Es gibt interessante Ansätze, die sich thematisch in der Nähe von Versicherungen bewegen, aber auch viele Geschäftsmodelle, die erst einmal weiter weg scheinen. Internet of Things wäre zum Beispiel so ein Feld. Der Fitnesstracker, der es ermöglicht, näher am Kunden zu sein, ist mittlerweile bekannt. Es entstehen aber jeden Tag neue Unternehmen, die mit Hochdruck an eigenen Ideen arbeiten. Bis zum Jahr 2020 werden über 30 Milliarden Geräte vernetzt sein – da wird es viele spannende Anwendungsbereiche geben, die für uns als Versicherer und als Kapitalanleger interessant sein können.

VWheute: Investments in Insurtechs wie sie Signal Iduna Digital Venture tätigt oder der Aufbau von Labs in Dortmund und Berlin kosten Ressourcen. Wie messen sie den Erfolg solcher Investments, erwarten sie konkrete Ergebnisse oder fordern diese sogar ein?

Leitermann:
Zuerst sind Investitionen und der Aufbau eines Labs voneinander zu trennen. Investitionen sind finanziell mit klaren KPIs verbunden, bringen aber in diesem speziellen Kontext auch weitere Vorteile mit sich: Wir bauen Know-how auf, setzen uns mit neuen Techniken auseinander und besetzen mit unseren Partnerschaften auch weiterhin die Kundenschnittstelle. Labs – egal ob in Berlin oder an einem unserer anderen Standorte – haben eine andere Funktion, daher messen wir hier den Erfolg auf andere Weise: Wir wollen im Lab schneller arbeiten, interdisziplinär und mit Start-ups Projekte voranbringen und so dazu beitragen, dass sich die Kultur unseres Unternehmens nach und nach wandelt. Erfolgreich sind wir dann, wenn das qualitative Feedback dem entspricht, was wir uns vorstellen.

VWheute: Nehmen wir an, das Dortmunder Lab entwickelt eine neue Versicherung oder App und ist von deren Erfolg überzeugt. Wer gibt am Ende das letzte OK oder legt gegebenenfalls ein Veto ein?

Leitermann: Es ist heute schon zu spät, wenn wir erst unser OK geben, wenn das Produkt, die App oder der Service fertig entwickelt ist. Und auch ein Veto wäre für das Projektteam zu diesem Zeitpunkt hinderlich. Wir müssen daher schon früh die Weichen stellen, das Go für Neuentwicklungen geben und dann auch mutig genug sein, die Verantwortung in die ausführenden Teams zu geben. Ein transparentes Innovationsmanagement, welches wir an unserer Digitalstrategie vorbeiführen, minimiert den Raum für unnötige Umwege, die uns Zeit kosten. Kurze Entscheidungswege werden uns zudem agiler machen und so zu schnelleren Ergebnissen führen.

VWheute: Warum haben im Versicherungsbereich nur Insurtechs neue Ideen? Woran liegt das, wird die Kreativität zu wenig gefördert oder ist es die Angst vor Fehlern, die die Großen lähmt – denn Geld und Zeit kostet ein Fehlschlag ja in jedem Fall.

Leitermann: Neue Ideen entstehen nicht zwangsläufig nur in Start-ups, davon bin ich überzeugt. Sehen sie sich unsere Projekte wie den Telematiktarif AppDrive an; oder AppLife, eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die eine App nutzt und anhand der gelaufenen Schritte des Kunden Rückerstattungen möglich macht. Diese Innovationen haben wir inhouse erdacht und dann mit externen Partnern schnell umgesetzt. Wichtig ist mir zu betonen, dass es immer Menschen sind, die die Ideen haben. Egal ob im Insurtech oder in einem Konzern. Diese Ideen müssen wir intern zukünftig noch mehr fördern und entwickeln – zum Beispiel in unserem Lab.

VWheute: Sie sprachen auf der Bilanzpressekonferenz davon, dass Digitalisierung vor allem Service sei. Sie wollen demnach weg vom Geldgeber im Schadenfall zur Mutter, die einem in jeder Lage zur Seite steht. Ist das die neue Rolle des Versicherers und ist hierfür ein Mentalitätswechsel nötig?

Leitermann: Unsere ureigene Aufgabe ist es, unseren Kunden Sicherheit zu geben. Das ist und bleibt unser Hauptservice. Digitalisierung bietet uns die Möglichkeit, um diesen Kern herum weitere Services aufzubauen und so tatsächlich zu einem Lebensbegleiter für unsere Kunden zu werden. Ob im Schadensfall, bei der Suche nach einem Arzt, wenn Familienzuwachs ansteht oder es einfach nur eine Frage zum Leistungsumfang einer Versicherung ist: Wir sollten den Bedürfnissen unserer Kunden auf allen Kanälen begegnen können und an jedem Touchpoint eigene oder fremde Services anbieten. (vwh)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

Bild: Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der Signal Iduna Gruppe (Quelle: Signal Iduna)

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