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Lebensversicherern mangelt es an Transparenz

01.02.2017 – reiner_will_lieDer Marktüberblick der Kölner Ratingagentur Assekurata wird nicht nur in der Branche geschätzt, sondern findet auch in Institutionen wie der Bundesbank oder dem Sachverständigenrat Beachtung. Umso ärgerlicher, dass immer mehr Unternehmen mauern. An der aktuellen Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2017 haben sich nur noch 52 (Vorjahr 62) Unternehmen mit einem Marktanteil von 78 (86) Prozent beteiligt.

“Die Studienerhebung geht weit über die Abfrage der reinen Neugeschäftsdeklaration hinaus”, kritisiert Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will das Informationsverhalten der Nichtteilnehmer. “Dass man als Gesellschaft das Neugeschäft mit klassischen Garantien ganz oder in Teilen eingestellt hat, ist keine Begründung dafür, dass die Kunden keine Informationsversorgung brauchen. Jeder Versicherer kann grundsätzlich mit seinen Daten zur Markttransparenz beitragen. Und jeder Versicherer mit einer klassischen Vergangenheit hat auch Kunden, für die dies ein wichtiges Informationsthema ist.”

Hinzu komme, so Will, dass auch die neuen Produkte oft in Teilen auf den klassischen Deckungsstock zurückgreifen. “Neugeschäft braucht eine Vertrauensbasis.” Für die Studie wurden in diesem Jahr 550 (450) Items abgefragt. Wie in den Vorjahren war es für die Studienteilnahme nicht erforderlich, alle Punkte zu beantworten. “Die Stuttgarter, die Iduna, die Huk Coburg, die SV Leben und die Hannoversche haben extrem transparent geantwortet”, so Will. Diese vier Gesellschaften hätten “alle Datenfelder ausgefüllt, auch die ganz sensiblen”. Nach Beobachtung der Assekurata korrelieren Nicht-Teilnahme und unterdurchschnittliche Ertragskraft miteinander (siehe MÄRKTE & VERTRIEB).

Ähnlich kritisch äußern sich im übrigen auch die Autoren des Map-Report in ihrem jüngsten Klassik-Rating deutscher Lebensversicherer. So habe sich der Fokus auf klassische Produkte in jüngster Zeit als zunehmend schwierig erwiesen, da manche Anbieter eben diese Produkte “scheuen wie der Teufel das Weihwasser. So könnten viele Gesellschaften durchaus besser bewertet werden, “wenn auch die schwächeren Mitbewerber Mut zur Transparenz” bewiesen hätten, beklagen die Autoren des Map-Report.

Auch Susanna Karawanskij, Versicherungsexpertin der Linksfraktion im Bundestag, kritisiert die mangelnde Transparenz der Lebensversicherer: “Die Bundesregierung redet Probleme im Versicherungssektor klein. Sie baut zum wiederholten Male darauf, dass in der Not wieder Gelder, die den Kunden zustehen, angezapft werden. Beim Lebensversicherungsreformgesetz hat dies ja schon vorzüglich geklappt. Am Hungertuch nagen jedoch die meisten Versicherungen nicht. Ihnen kommt zugute, dass das Überschusssystem ein Dickicht ist, durch das nicht mal versierte Finanzer von außen dringen können. Dieses Dickicht muss aber endlich gerodet und zugunsten der Verbraucher transparent gemacht werden. Die Bundesregierung blockiert dies seit Jahren”.

Jedenfalls gleicht der einst so monolitische deutsche Lebensversicherungsmarkt heute einem Flickenteppich. “Die Produktvielfalt und Innovation an neuen Garantieprodukten ist gerade in Deutschland weltweit am ausgeprägtesten”, stellt Tigran Kalberer vom Aktuardienstleister Miliman fest. So laufen die Produkte ohne klassische Garantien zwar keine Gefahr, irgendwann mit der teuren Zinszusatzreserve unterlegt zu werden. Zudem bedürfen sie unter Solvency II einer geringeren Eigenkapitalunterlegung als die Klassiker mit ihren jährlichen fixen Garantien.

Allerdings kommen die neuen Produkte derzeit beim Kunden schlecht an. Zwar sprach man in der Branche vereinzelt von positiven Entwicklungen, doch die allgemeine Marktstimmung ist trübe. So erwarten die Analysten von Fitch ein stagnierendes Geschäft: “Die Umstellung auf neue Produkte, die beispielsweise mit weniger Kapital unterlegt werden müssen oder sich auf biometrische Risiken fokussieren, braucht Zeit”, lautet deren Prognose.

Die Branche selbst hat für 2017 hingegen eher neutrale und damit unveränderte Geschäftserwartungen, heißt es bei Assekurata. Dabei setzen die Versicherer ihre Hoffnungen vor allem in die fondsgebundene Lebensversicherung und in die Berufsunfähigkeitsversicherung. Nur eine Minderheit unter den Lebensversicherern bewertet die Geschäftserwartungen für die konventionellen Produkte neutral oder positiv. Die konventionelle Lebens- und Rentenversicherung ist zu einem Nischenprodukt geworden. (vwh/lie/td)

Bild: Reiner Will (Quelle: lie)

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