Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Kunden erwarten personalisiertes Risikomanagement

16.10.2017 – yoost_hillegaart_funkCyber-Attacken, Terroranschläge und politische Unwägbarkeiten gehören jüngsten Umfragen zufolge aktuell zu den größten Risiken für Unternehmenslenker. In Monte Carlo diskutieren Experten diese Woche auf dem Risiko Management Forum über die Folgen, die sich aus den globalen Risiken ergeben. Yorck Hillegaart skizziert in einem Gastbeitrag die Herausforderungen für die Versicherer.

Neben den schon jetzt akuten Themen Cyber, Supply Chain, Internet der Dinge, neue Mobilität und Logistik, Katastrophenrisiken, Patentverletzungen und politische Risiken werden die Unternehmen zunehmend mit spezifischen Risiken, die soziale, demografische, politische, technologische und Umweltursachen aufweisen, konfrontiert.

Im gleichen Umfang steigt die Nachfrage nach ganzheitlichen Ertrags- und Kapitalschutzdeckungen, die in Bausteinen in Deckungskonzepte eingearbeitet werden können. Ein weiteres großes Betätigungsfeld liegt in einer sich bereits abzeichnenden Verlagerung der Schwerpunkte im Umgang mit Schadenereignissen. Weg von der reinen Schadenabwicklung- und –bezahlung hin zur Vorhersage und Prävention von Schadenszenarien.

Ein weites Feld ist das Zurverfügungstellen von immer präziser werdenden sogenannten “predictive data”. Das Kfz-Flottengeschäft lässt sich in ganz anderer Weise präventiv steuern, wenn mit Hilfe der Telematik Echtzeit-Daten über Fahrerverhalten, Aufzeichnungen von Unfällen, zurückgelegte Strecken etc. zur Verfügung stehen.

In diese Kategorie gehört auch die Sensorik im Kontext der Industrie 4.0, die ebenfalls zunehmend Echtzeit-Informationen über unterschiedliche Ausformungen von eingetretenen oder bevorstehenden Anomalien liefern wird. Kunden wünschen sich dementsprechend Tools, die nicht nur in der Lage sind, auftretende Anomalien zu identifizieren, idealerweise, bevor sie eintreten, sondern dass diese Tools zusätzlich die Daten so aufbereiten, dass sie Bestandteil eines integrativen Risikomanagementsystems werden können.

Intuitive Technologien, die unabhängig machen und zudem dem Kunden ohne Wartezeit in Echtzeit Zugriff auf Daten liefern, werden damit zum wesentlichen Differenzierungskriterium. Kunden wollen weniger lesen und mehr sehen, informative Videos werden lange Texte zunehmend verdrängen.

Industriekunden mit komplexen Strukturen erwarten eine deutlich auf sie zugeschnittene Personalisierung der ihnen angetragenen Versicherungs-/Risikomanagement-Dienstleistungen verbunden mit der Aufforderung, dass die jeweiligen Anbieter sich eingehend mit dem Unternehmen, seinem Geschäftsmodell, den spezifischen Risiken und den damit verknüpften Datenwelten auseinandergesetzt haben. Hieraus ergibt sich, dass eine weitgreifende Datenanalysekompetenz ebenfalls wachsend in den Anforderungskatalog Einzug finden wird.

Welche Herausforderungen und Erfolgsvoraussetzungen ergeben sich hieraus?

Für die Marktteilnehmer im industriellen Firmenkundengeschäft, die Versicherer und die Makler stellt sich die Frage der Rollenverteilung sowie mögliche Veränderungen und Verschiebungen in der Wertschöpfungskette. Wem gelingt es am ehesten und nachhaltigsten, die wesentlichen Schnittstellen zum Kunden zu besetzen?

Grundsätzlich hat der professionell agierende unabhängige internationale Versicherungsmakler eine solide Ausgangsposition. Er hat per se die stärkste Beziehung und genießt das Vertrauen des Kunden, weil er die Kundensituation umfänglich versteht und die daraus resultierenden Bedarfe kennt. Angesichts der stetig wachsenden Algorithmisierung werden Makler ihre Analyse- und Interpretationsfähigkeit zunehmend ausbauen müssen um ihre originäre Beratungsleistung zu stärken.

Die Versicherer müssen sich schnell auf die Übernahme von neu- bzw. andersartigen Risiken einstellen und jenseits von Standardlösungen bereit sein, derartige Risiken zu akzeptablen Konditionen zu übernehmen. Unabhängige Makler als unmittelbare Interessenvertreter ihrer Klientel dürften sehr gute Chancen haben, wenn sie ihre Kunden nutzenstiftend bei der Bewältigung ihrer jeweiligen Risikobewältigungsstrategien unterstützen und darüber transparent und adressatenspezifisch kommunizieren.

Eine weitgehende Disruption der Industrieversicherung à la Uber und Co. ist derzeit nicht erkennbar. Einstellen sollte man sich aber auf eine rasante Evolution. Die Industrieversicherung steht mithin am Scheideweg: Entweder sie wird zunehmend unbedeutender und riskiert schleichend zu einer Commodity zu werden. Oder sie unterstützt ihre Kunden ganzheitlich über das derzeitige Repertoire hinaus. Entscheider müssen akzeptieren, mit ihrem Nichtwissen zurechtzukommen, aber dennoch vorausschauend und klug zu navigieren.

Bild: Yorck Hillegaart ist Jurist und geschäftsführender Gesellschafter der Funk Gruppe. (Quelle: Funk)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten