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Krimi in China: Anbang-Chef festgenommen

16.06.2017 – anbang - dpaWu Xiaohui hat Anbang von einem kleinen Autoversicherer zu Chinas Nummer drei mit einem verwalteten Vermögen von 300 Mrd. Dollar katapultiert. Überraschend teilte der Konzernchef nun mit, dass er aus “persönlichen Gründen” die Aufgaben als CEO nicht länger wahrnehmen könne. Übereinstimmend berichten Chinas Medien, dass Wu Xiaohui festgenommen wurde – ihm drohe ein Korruptionsverfahren.

Angeblich soll Wu von der Disziplinar-Kommission der Staatspartei festgehalten worden sei, damit er bei einer Untersuchung mitwirke. Das “Mitwirken” bei einer Untersuchung durch die Disziplinarkommission ist in China häufig ein Zeichen dafür, dass man in Verdacht steht, in einer Korruptionsaffäre verwickelt zu sein. Wu soll bereits in den vergangenen Wochen immer wieder verhört worden sein. Er hatte damals jedoch noch erreicht, nach ein paar Stunden wieder in sein Büro oder nach Hause zurückkehren zu dürfen – bis zum Freitag vergangener Woche. Seitdem soll er sich in Gewahrsam der Behörden befinden.

Anbang ist von diesem Schritt überrascht. Auch für Politikexperten birgt der Fall besondere Brisanz, weil Wu kein Nobody ist, sondern der Ehemann der Enkelin von Deng Xiaoping, der nach Maos Tod die Kommunistische Partei Chinas zwischen 1979 und 1997 führte. Peking meint es mit der Korruptionsbekämpfung scheinbar ernst. “Es ist gut möglich, dass weitere Spitzenmanager festgenommen werden”, wird ein Banker, der anonym bleiben möchte, im Handelsblatt zitiert. Vor dem richtungsweisenden Parteikongress im Oktober wolle Peking in der Branche aufräumen.

Im Februar wurde der Gründer und Chairman des Versicherers Foresea Life Insurance, Yao Zhenhua, für zehn Jahre von Geschäften in der Branche ausgeschlossen. Am 17. April dieses Jahres war der Chef der China Insurance Regulatory Commission (Circ), Xiang Junbo, wegen ähnlicher Vorwürfe verhaftet worden. Dabei hatte Circ selbst Anbang im Visier, weil der Versicherer sich mit seinen Investitionen im Ausland übernehmen könnte.

Wer hinter Anbang steckt, bleibt ein Mysterium

Vor einem Jahr hat Anbang überraschend den Kauf der Hotelkette Starwood für 14 Mrd. Dollar wieder absagen müssen. Damals wurde spekuliert, dass Circ mit der Entscheidung etwas zu tun hatte. Zuletzt ist Anbangs Übernahme des US-Lebensversicherers Fidelity & Guaranty Life geplatzt, weil die US-Regulierungsbehörde mehr Informationen zur Anbangs Eigentümerstruktur anforderte. Diese konnte Wu nicht liefern. Bis heute ist unklar, wer genau hinter Anbang steckt. Wu baute die Firma während der vergangenen Jahre zu einem Konglomerat aus, das sich neben dem Versicherungsgeschäft über Banken, Immobilien und andere Investments erstreckt.

Die New York Times untersuchte vor einigen Monaten das Firmengeflecht intensiv: Auf 39 Unternehmen stieß die Zeitung dabei, die meisten davon waren Briefkastenfirmen. Auch chinesische Journalisten haben offen die Rechtmäßigkeit der Geldquellen des Versicherers angezweifelt. Das Magazin Caixin warf Anbang vor, seine Kapitalstärke künstlich aufgebläht zu haben, indem sie Prämien von Kunden als Gelder von Investoren bezeichnet haben.

Expansionspläne geraten ins Stocken

Auch in Deutschland ist Anbang aktiv und prüft derzeit die Bücher der HSH Nordbank, berichtete VWheute. Bafin-Chef Felix Hufeld sieht darin kein Problem. Die Finanzaufsicht begrüße den Einstieg chinesischer Investoren bei deutschen Banken, sagte er kürzlich auf einer Pressekonferenz. Anbangs Expansionsdrang dürfte jedoch durch die Verhaftung des CEOs abrupt enden. “Das Geschäftsmodell funktioniert wegen der strengen Überwachung durch die Aufsichtsbehörden nicht mehr”, sagte ICBC-Analystin Grace Zhou der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Dabei hat der Versicherer erst vergangene Woche den renommierten Investmentbanker Nicolo Salsano von der Credit Suisse in Frankfurt abgeworben. Der 47-jährige Deutsch-Italiener, der für die Schweizer Großbank jahrelang Banken und Versicherungen bei M&A-Aktivitäten beraten hat, soll für Anbang auf Einkaufstour in Europa gehen. Er wird seinen Job wahrscheinlich unter einer neuen Führungsspitze starten. (dg/hy)

Bild: Wu Xiaohui auf der Asia Annual Conference 2017 in Boao (Quelle: dpa)

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