Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Kein Appetit auf Risiko

30.01.2017 – Boerse Bulle Baer Geld Anlage by_Thorben Wengert_pixelio.deIn Europa macht man es sich zur Gewohnheit, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Beispielsweise damit: Eine Krise an den Schwellenmärkten schwappt über, die Risikoprämien steigen abrupt an, vor allem in den Krisenstaaten Europas, das Wirtschaftswachstum bleibt dauerhaft gering, die Rohstoff- und Immobilienpreise sinken, gleichzeitig stellen die Märkte die Kreditwürdigkeit der öffentlichen Haushalte in Zweifel.

In der Folge verlieren Anleihen weiter an Wert, es kommt zu einer partiellen Austrocknung der Märkte, Krisenstaaten müssen mehr Zinsen für ihre Schulden bezahlen, das Gleiche gilt für Banken und andere Unternehmen. Wegen der teureren Refinanzierung der Unternehmen gehen die Aktienkurse in den Keller, das viele überschüssige Geldflieht in kurzfristige Anleihen. Es klingt wie Finanzkrise 2.0, was Eiopa die Versicherer in seinem jüngsten Stress-Test hat durchrechnen lassen. Nur diesmal würden die Staaten finanziell noch viel schwächer da stehen als Ende 2008. Die Möglichkeiten, mit Liquiditätspumpen die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen, wären sehr gering.

Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit lautet daher die Devise der deutschen Versicherer. Beispiel Huk-Coburg: Eine „sehr sicherheitsorientierte Kapitalanlagepolitik“ bescheinigt Assekurata-Analyst Gerhard Reichl dem Versicherer. “Zielsetzung ist es, planbare und sichere Erträge zu erwirtschaften und gleichzeitig eine angemessene Überrendite zu erzielen.” Aus ihren drei Mrd. Euro Kapitalanlagen erwirtschafteten die Coburger im Jahr 2015 eine Nettoverzinsung von 2,5 Prozent, im Jahr 2015 waren es 1,8 Prozent gewesen.

“Zielsetzung der Kapitalanlagenstrategie des Konzerns ist primär, Erträge zu generieren, um die Anforderungen aus der Passivseite jederzeit sicherzustellen”, schreibt die Huk in ihrem Risikobericht. “Die anhaltende Niedrigzinsphase begrenzt das Ergebnis aus der Kapitalanlage”, schreibt Assekurata. Trotzdem liefern die Anlagen einen sehr hohen Ergebnisbeitrag, da die Huk über sehr hohe Zinsträger aus der Schadenreservierung und aus den Eigenmitteln verfügt.

Die Versicherer können sich ihr Sicherheitsdenken leisten. Sowohl bei den Krankenversicherern als auch bei den Schadenversicherern steigen die Reserven. Dadurch gehen die Kapitalerträge nach oben, selbst wenn die Anlagen immer weniger abwerfen. Eine “äußerst sicherheitsorientierte” Kapitalanlagepolitik bescheinigt Assekurata der Alten Oldenburger. Knapp 1,5 Mrd. Euro Kapitalanlagen zählt der norddeutsche Versicherer. Daraus erzielte er 2015 eine Nettoverzinsung von 3,7 Prozent, Marktschnitt. Die laufende Durchschnittsverzinsung der Oldenburger ist mit 3,5 Prozent unter dem Marktniveau. Im Jahr 2011 hatte man noch 4,3 Prozent laufend erwirtschaftet.

Doch weil die Kapitalanlagen stark wachsen, steigt auch das Kapitalanlage-Ergebnis. In absoluten Zahlen waren es 52 Mio. Euro. 2011 waren es lediglich 35,9 Mio. Euro gewesen. Konkurrent SDK hat im vergangenen Jahr ihre 5,3 Mrd. Euro Kapitalanalagen wetterfest gemacht. Die Rating-Struktur haben die Fellbacher verbessert, Risiken abgebaut. Jetzt liegt die Durchschnittsverzinsung nur noch bei 3,2 Prozent. Im Jahr 2011 waren es noch 4,3 Prozent gewesen.

Dennoch fehle es den Versicherern nicht an Risikobereitschaft, konstatierte unlängst Talanx-Finanzvorstand Immo Querner im Exklusiv-Interview mit VWheute. Dabei stehen zwar Investments in Infrastrukturprojekte besonders hoch im Kurs zu stehen. Dennoch wird der der Talanx-Manager nicht müde zu betonen, die besonders strengen Regeln für Kapitalanlagen in den Vordergrund zu stellen – getreu dem Motto: “Versicherer sind keine Zockerbuden”.

Glaubt man übrigens dem Branchendienst ECOReporter, scheinen sich auch nachhaltige Fonds derzeit großer Beliebtheit zu erfreuen. Demnach stieg deren Volumen zum Jahresende 2016 auf rund 43,8 Mrd. Euro. Das entspreche einem Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2015: 37,6 Mrd. Euro). Die Anzahl der nachhaltigen stieg zudem ebenfalls von 261 auf 270. Vor zehn Jahren (2006/07) lag das Gesamtvolumen laut Branchendienst noch bei etwa 14 Mrd. Euro.

Damit machen nachhaltige Fonds einen Marktanteil von etwa fünf Prozent aus. Nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management e. V. (kurz BVI) summierte sich das Vermögen der Publikumsfonds im November 2016 auf rund 899 Mrd. Euro. Zum Vergleich: im November 2015 lag dies noch 901 Mrd. Euro. Das Börsenhoch im Dezember 2016 dürfte jedoch dazu beigetragen haben, dass das Fondsvolumen zum Jahresende weiter angestiegen ist. (vwh/ba/td)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswortschaft.

__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Meag: Anleger müssen sich Risiko stellen
Will ein Anleger Gesamterträge erzielen, die deutlicher über Null liegen, wird er notwendigerweise sein Risiko hochfahren müssen, konstatiert der Assetmanager der Munich Re, Meag, in seinem Jahresausblick für 2017. Demnach gehen die Experten davon aus, dass im laufenden Jahr die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien sowie die Wahl Donald Trumps zum neuen Chef im Weißen Haus besonders nachhallen.

“Flaue Konjunktur und niedrige Zinsen”
Die ersten Wochen des Jahres sind an den internationalen Finanzmärkten recht ruhig verlaufen. Dies ist angesichts der politischen Entwicklungen seit Jahresbeginn erstaunlich, fast trügerisch. Wir haben nämlich gelernt, dass die Regierung unter Theresa May einen harten Brexit anstrebt und dass US-Präsident Donald Trump ähnlich unkonventionell agiert wie der Wahlkämpfer Trump, immer nach dem Motto “America first”, konstatiert Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB in einem Exklusiv-Beitrag für VWheute.

Autofahrer finden Telematik gerecht
Autofahrer finden Telematik-Tarife oft gerechter als das herkömmliche Preissystem in der Kfz-Versicherung. Das geht aus einer Befragung des Instituts für Versicherungswesen an der Technischen Hochschule Köln Studie hervor. “Viele Kriterien von Telematik-Tarifen haben eine hohe Akzeptanz, während manche, längst übliche Merkmale als ungerecht bewertet werden”, kommentierte Studienautor Horst Müller-Peters.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten