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Jetzt übernehmen die Großen: Talanx und Zurich erfinden Betriebsrente neu

20.02.2018 – Hantel Senioren Rente - quelle Allianz DeutschlandSeit Jahresbeginn hat die betriebliche Altersvorsorge per Gesetz eine Aufwertung erfahren. Der Markt gilt als attraktiv, immer mehr Versicherer springen auf den Zug auf. Nachdem Barmenia, Debeka, Gothaer, Huk-Coburg und Stuttgarter ihr “Rentenwerk” präsentierten, macht nun auch Talanx Nägel mit Köpfen und investiert mit der Zurich in das neue bAV-Modell unter dem einfallsreichen Namen “Die deutsche Betriebsrente”.

Offensichtlich scheint das zunächst auch von Talanx skeptisch beäugte neue Sozialpartnermodell doch seinen Reiz zu haben und bietet eine gute Alternative zur schwächelnden Lebensversicherung allgemeiner Art. Überhaupt soll die bAV verstärkt in den Fokus der Lebensversicherer rücken, um verloren gegangenes Terrain gut zu machen. Viele Versicherer sehen in der betrieblichen Altersvorsorge ein wachsendes Geschäftsfeld, das guten Umsatz verspricht. In diesem Jahr wird erwartet, dass die Beitragseinnahmen aus der bAV auf über 20 Mrd. Euro ansteigen werden.

Erst vor einigen Tagen unterstrich der Vorstandsvorsitzende der Talanx Pensionsmanagement AG, Fabian von Löbbecke, im Exklusivnterview mit VWheute, dass das von der damaligen Arbeitsministerin Andrea Nahles initiierte Sozialpartnermodell eine sinnvolle Ergänzung zur etablierten bAV sei. Beide Systeme könnten nebeneinander existieren. Der Optimismus von Löbbeckes begründet sich darauf, dass Arbeitnehmer in tarifgebundenen Betrieben, die bisher vielleicht gar keine bAV angeboten bekommen haben, mit dem Sozialpartnermodell einen neuen Zugang zur Betriebsrente erhalten.

Zielrente mit Pensionsfonds

Talanx und Zurich wollen nun mit einer Konsortiallösung im Sozialpartnermodell in den bAV-Markt einsteigen und planen daher zu kooperieren. Das Konsortium soll den Namen “Die Deutsche Betriebsrente” tragen. Die Kooperation bedarf noch der Genehmigung der Kartellbehörde. Man hofft darauf, Mitte 2018 an den Markt gehen zu können. “Die Deutsche Betriebsrente” plant eine Zielrentenlösung auf Basis des kapitalmarktbasierten Pensionsfonds. Bei der Umsetzung wollen die beiden Konzerne im Rahmen des Konsortiums gemeinsam mit den Tarifpartnern Lösungen entwickeln.

Die Unternehmen verfügen nach eigenen Angaben “über große Erfahrungen in der bAV, insbesondere mit Betriebsrenten und Pensionsfonds”. Die automatisierte Verarbeitung von Anträgen und Pflege bestehender Verträge sei eine besondere Kompetenz von Zurich, die mit der Expertise von Talanx Deutschland bei der digitalen Steuerung von Beratungs- und Angebotsprozessen kombiniert werden soll.

So werde sich eine gemeinsame Konsortiallösung flexibel an die Bedürfnisse der Sozialpartner anpassen können. Nach vorliegenden Informationen denken die Firmen sogar darüber nach, Unternehmen sogenannte White-Label-Lösungen anzubieten. Dann könnte das Unternehmen, für dessen Mitarbeiter die Betriebsrente gilt, im Namen auftauchen.

Kooperationsidee ist nicht neu

Die Kooperationsidee in der bAV ist nicht neu. Deshalb dürfte das Bundeskartellamt auch bei Talanx und Zurich keine Bedenken gegen eine Genehmigung haben und wird “Grünes Licht” geben, weil keine marktbeherrschende Position vorliegt. Bereits Mitte 2017 stellten – allerdings recht unbemerkt von der Öffentlichkeit – fünf Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, Barmenia, Debeka, Gothaer, Huk-Coburg und Stuttgarter, ihr eigenes “Rentenwerk” vor. Auch diese fünf Gesellschaften wollen gemeinsam in das Sozialpartnermodell einsteigen. Sie werben damit, dass Gewinne nicht an Aktionäre ausgeschüttet werden, sondern ausschließlich den Kunden zugutekommen.

Diese Form von Konkurrenz wird den Wettbewerbsdruck in der betrieblichen Altersvorsorge erheblich ansteigen lassen und bringen das Geschäftsfeld in Bewegung. Auch andere Player am Markt werden sich das eine oder andere noch einfallen lassen. Das dürfte diesem Markt außerordentlich gut tun.

Auch die Arbeitgeber können der bAV aufgeschlossen gegenüberstehen, fällt doch bei der Zielrente die Pflicht zur Gewährung von Garantien weg, und die für Betriebsrenten typische Haftung entfällt. Damit die neue sogenannte Zielrente trotzdem ein zuverlässiges Versprechen darstellt, darf sie nur exklusiv von den Tarifparteien für ganze Branchen vereinbart werden.

Die Gewerkschaften wiederum haben die Chance, durch ein vergleichsweise großes Angebot am Markt das Optimum für die Arbeitnehmer heraus zu holen. Allerdings hört man hinter vorgehaltener Hand, dass die Sozialpartner noch sehr zurückhaltend, wenn nicht gar skeptisch, auf die neuen Angebote reagieren und kurzfristig kaum mit Abschlüssen zu rechnen ist.

Erfolgreiche MetallRente

Bei aller Euphorie über neue, lukrative Angebote sollte die Erfolgsgeschichte der bereits seit Jahren bestehenden MetallRente nicht unbeachtet bleiben. Sie ist ein Versorgungswerk für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie und angeschlossener Branchen. Die Leistungen des Versorgungswerkes, das von den vier Versicherern Allianz, Ergo, R+V sowie Swiss Life, getragen wird, stehen den Angehörigen von über 36.000 Unternehmen zur Verfügung. Metallrente hat einen Vertragsbestand von inzwischen 740.000 Verträgen.

Metallrenten-Chef Heribert Karch sieht die neuen Möglichkeiten in der bAV als sehr positiv. Die Tarifparteien hätten nun viel neuen Spielraum für die Ausgestaltung der Betriebsrenten. Die Möglichkeiten seien gewaltig, bedingten aber durch die Erweiterung der Steuerungsaufgaben auch eine neue Rolle der Sozialpartner. Den Beschäftigten würden sie die Chance, bieten, mit ihrer betrieblichen Altersvorsorge zukünftig stärker in Aktien zu investieren und so vom Wachstum der Wirtschaft zu profitieren.

“Das Bild der falsch verstandenen Sicherheit in Form von Garantien wandelt sich”, ist sich Karch sicher. Die Teilhabe am Produktivvermögen, z. B. durch Aktien, sei nachweislich erfolgreicher als die Anlage in typische festverzinsliche Kreditpapiere. Pensionsfondslösungen könnten zum neuen Motor für die Sozialpartnerrente werden. (wo)

Bildquelle: Allianz Deutschland

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