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“Irma” lässt deutsche Rückversicherer in Monte Carlo kalt

12.09.2017 – Irma dpaWährend Hurrikan “Irma” in Florida wütet, diskutieren die Teilnehmer des Rückversicherungstreffens “Rendez-Vous de Septembre” über die Sturm-Folgen im sonnigen Monte Carlo. Air Worldwide schätzt die versicherten Schäden bei Irma auf bis zu 40 Mrd. US-Dollar. Die Munich Re ist laut Vorstand Torsten Jeworrek in Florida nicht stark engagiert. Bei der Hannover Rück liegt der Marktanteil in den betroffenen US-Gebieten unter zwei Prozent.

Rund 3.000 Manager, Experten und Berater kommen in Südfrankreich zusammen, um über die Preise der Rückversicherer für das Jahr 2018 zu verhandeln. Ob die Prämien steigen, hängt auch vom Verlauf der Hurrikan-Saison ab. Die Ratingagenturen S&P und Moody’s erwarten für 2018 einen Rückgang der Prämien um bis zu fünf Prozent, der Konkurrent Fitch rechnet mit einem Minus von bis zu 7,5 Prozent.

Das für Rückversicherungs-Risikotragung (unter Ausklammerung von Eigenkapital, das Investment- oder Erstversicherungsrisiken abdeckt) liegt weltweit bei 355 Mrd. Dollar. Hinzu gesellen sich weitere 81 Mrd. Dollar an im Wege von Sidecars, Risikoverbriefungen und Funded Reinsurance durch die Kapitalmärkte beigesteuertem Kapital. Die durchschnittlichen Kapitalkosten der Branche (gewogenes Mittel aus den Kosten für Eigen- sowie für nachrangiges Fremdkapital) liegen bei 7,4 Prozent, erwirtschaftet wurden in letzter Zeit auf das Risikokapital 8,4 Prozent. Letztere Zahl relativiert sich, bedenkt man, dass sie durch Reserve-Besserabwicklung und das langzeitige Ausbleiben von größeren Naturkatastrophen geschönt ist.

Hannover-Rück-CEO Ulrich Wallin: “Nach wie vor gelten in der Rückversicherung niedrige Eintrittsschranken, die Zulassungsvoraussetzungen sind in der Rückversicherung weniger stringent denn in der Erstversicherung. Ein Teil der Konkurrenz verhält sich irrational. Dies gilt insbesondere für die von ILS-Zeichnern zum 1. Juli 2017 akzeptierten, nicht rationalen Preiskonzessionen im Geschäftsfeld Florida Hurricanes. Insgesamt aber kommt es immer wieder zu selektiven Preisanpassungen je Marktsektor, entsprechend der Schadenerfahrung. Derzeit befinden wir uns in einem recht stabilen Markt. Ungewissheiten ergeben sich aus der noch schweren Einschätzbarkeit der Schäden aus den Ereignissen Harvey und Irma.”

Harvey offenbart Versicherungslücke in den USA

Jedenfalls bereitet Harvey Hannover Re keine besonderen Sorgen, auch wenn es bis zur vollständigen Regulierung, insbesondere was BU angeht, noch Jahre brauchen wird.  Auf das Konto von Harvey gehen nebenher auch noch 5,5 Millionen zerstörte Autos, eine besondere Kumulproblematik für Zedenten. Harvey hat die auch in den USA bestehende Protection-Gap-Problematik wieder offensichtlich werden lassen: nur ca: 25 Prozent der privaten Gebäude waren auch gegen Flutrisiken gedeckt. Sollte dieser Anteil aufgrund der jüngsten Schadenerfahrung steigen, so könnte sich hieraus zusätzlicher Rückversicherungsbedarf ergeben. Für die laufende Hurrican-Saison (derzeit befinden wir uns erst in der Mitte) könnten manche Zedenten nach Erschöpfung der bislang eingekauften Tranchen Bedarf nach Backup-Covers verspüren. Harvey ist noch voll durch das Großschadenbudget der ersten neun Monate 2017 gedeckt. Für Aussagen in Sachen Irma ist es Hannover Re noch zu früh.

Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek ist sicher, dass Harvey auch die Frage des richtigen Preisniveaus für Deckungen von Naturkatastrophen motivieren wird. Die Harvey-Schäden liegen laut Munich Re bei 30 Mrd. Dollar inklusive ca. 25 Prozent der privaten Haushalte deckenden National Flood Programs. Sowohl vom Hergang her (ebenfalls weitgehend Flut) als auch von der Schadensumme ähnele Harvey dem Hurricane Sandy, so Jeworrek. 2017 sei nach Ausklingen des El Niño Phänomens, der Hurrikans unterdrückt, erstmalig wieder normales Cat-Jahr.

Wie stark sind nun die deutschen Rückversicherer selbst von den Stürmen betroffen? Sowohl die Münchner Rück als auch der Wettbewerber Hannover Rück scheinen recht glimpflich davonzukommen. Der Marktanteil der Hannover Rück in Florida und Texas liege deutlich unter zwei Prozent, erklärte der Konzern am Montag. Hannover Rück erwartet für 2017 weiterhin einen Gewinn von über einer Mrd. Euro. Die Münchner Rück sei in Florida ebenfalls nicht stark engagiert, sagte Vorstand Torsten Jeworrek.

Bezüglich Irma unterscheidet die Ratingagentur AM Best drei Szenarien, was den versicherten Marktschafen betrifft: Bleiben die Schäden unter 50 Mrd. Dollar, dann wird es keine Marktverhärtung geben. Steigen die Schäden auf 75 Mrd. Dollar,  dann steigt die Combined Ratio der weltweiten Rückversicherer auf 106 Prozent (US und Bermuda wesentlich höher, über 110 Prozent wegen Cat-Schwergewicht). Derzeit liegt das Combined Ratio bei 95 Prozent. Würden die Schäden bei 125 Mrd. Dollar liegen, dann würde die Combined Ratio auf 141 Prozent klettern, was etwa zehn Prozent der Marktkapazität vernichten würde. (cpt)

Bild: Mit großer Wucht hat Hurrikan “Irma” Florida getroffen. 6,5 Millionen Menschen waren vorsorglich aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. Rund 130.000 Menschen harrten in Notunterkünften aus. (Quelle: dpa)

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