Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Insurtech: Munich Re lässt nicht locker

08.08.2017 – Digital_Fotolia_92690281Der Hunger der Munich Re auf neue digitale Start-ups scheint noch nicht gestillt zu sein. So hat der Münchener Rückversicherer nun über seine Digitaleinheit Digital Partners eine weitere Kooperation mit dem Insurtech Stripe geschlossen. Über die Softwareplattform sollen Insurtechs einen exklusiven Zugriff auf zahlreiche Tools zur Zahlungsabwicklung und Abonnementabrechnung sowie für die Auszahlung an Dritte erhalten.

Die IT-Plattform Stripe Connect soll es den Jungunternehmen ermöglichen, komplexe Fondsströme zu automatisieren, die für die Verwaltung von Marktplätzen und Auszahlungen an Versicherer, Broker und andere Dritte erforderlich sind, jeweils alles PSD2-konform. Darüber hinaus sollen die Insurtechs zusätzliche Business-Produkte von Stripe wie Radar (Betrugserkennung mit Machine Learning) und Sigma (Tool zur Datenanalyse) integrieren können.

“Technologie hat einen tiefgründigen Einfluss darauf, wie die Verbraucher mit Versicherern interagieren, vor allem mobil”, weiß Felix Huber, Nordeuropchef von Stripe. “Von der Kfz-Versicherung auf Abruf bis hin zu Plattformen, die mit Hilfe von Crowdsourcing Prämien reduzieren, tauchen jeden Tag neue Insurtech-Modelle auf.” Dies führe zu mehr relevanten und maßgeschneiderten Versicherungsangeboten für die Verbraucher und kreiere einen höheren Wert für diese.

Munich Re scheint die digitalen Versicherungs-Startups jedenfalls längst nicht mehr als Konkurrenz für das eigene Geschäft anzusehen, sondern vielmehr als Zugewinn. “Insurtech ist eine Facette der Digitalisierung: ein Trend, der die Art und Weise, wie man Versicherungsgeschäft betreibt, wie der Kunde Versicherung erlebt, und wie Versicherungslösungen zum Kunden gelangen, grundlegend verändern wird”, betonte Konzernschef Joachim Wenning unlängst in einem Interview mit dem konzerneigenen Magazin Topics Online.

Dass den Machern bei der Munich Re das Thema am Herzen liegt, konnte man vor wenigen Wochen sehen, als im Münchener Technikum das Bundeswirtschaftsministerium die bayrische Landeshauptstadt als Digital Hub für den Bereich Insurtech bekanntgab. Neben vielen anderen Szenegrößen war auch Wenning vor Ort. Aus seiner Begeisterung für das Thema Start-up und technische Entwicklung machte er dabei keinen Hehl, wenn er auch durchaus mahnende Worte für die Branche fand.

Weiteren Szenekennern ist das Engagement des Rückversicherers im Bereich Insurtechs ebenfalls nicht entgangen. Angesprochen auf den Einfluss der Allianz und Munich Re im Bereich Insurtech und Digitalisierung sagte Benjamin Papo, CEO des Insurtechs Finanzchef24 im VWheute-Interview: “Als Münchener freue ich mich, dass die Stadt hier eine Vorreiterrolle einnimmt. Auch für uns als hier ansässiges Unternehmen ist das klasse. In der Stadt sind über 60.000 Menschen in der Versicherungsbranche beschäftigt. Zudem sind mit der Allianz und Munich Re auch zwei internationale Schwergewichte vor Ort, die die Entwicklung vorantreiben.”

Rückversicherer sieht keinen “Clash of Cultures”

Einen “Clash of Cultures” sieht der Rückversicherer nach Ansicht von Andrew Rear, Chef der Digital Partners, hingegen nicht. “Mein Gefühl sagt mir, dass Munich Re ein Unternehmen ist, das verstanden hat, wie wichtig es ist, in der Start-up-Szene unterwegs zu sein. Das wird auch von ganz oben vorgelebt. Wir sind weit weniger traditionell, als es den Eindruck hat, wenn man hier in der Königinstraße zur Tür hereinkommt”, konstatierte er unlängst gegenüber dem Handelsblatt.

Ein paar warme Worte und gute Ratschläge hat der Chef der Digitalsparte dennoch für die Start-ups übrig: “Es gibt Lektionen, die man als Start-up lernen sollte. Zum einen gehören ein wirklich tragfähiges Geschäftsmodell und gutes Team dazu. Eine gute Idee reicht nicht. Es ist für ein Start-up auch schlecht, wenn ihm die Zugkraft fehlt und es beim Aufbau nicht vorwärts kommt. Dann ziehen Investoren die Reißleine.”

Daher verwundert es wenig, dass die Munich Re nicht nur zu den wichtigsten Förderern des Digital Hub in der bayerischen Landeshauptstadt München gilt. Bereits 25 Insurtechs gehören bereits zu den Kooperationspartnern des Rückversicherers, was sich der Konzern auch einiges kosten lässt.

So führt die Munich Re eine Investorengruppe an, welche bereits Anfang April 2017 rund 45 Mio. US-Dollar in das US-Insurtech Trov investiert hat. Weitere Partner sind zudem Next Insurance mit einer Investitionssumme von 29 Mio. US-Dollar und Bought By Many mit 9,5 Mio. US-Dollar. Ob sich diese Investitionen positiv in der Geschäftsbilanz widerspiegeln, werden die Halbjahreszahlen am morgigen Mittwoch zeigen. (vwh/td)

Bildquelle: Fotolia

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten