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IAA unter Strom: Viel Tamtam, wenig Autos

15.09.2017 – iaa auto mercedes - dgZwischen Chrom, Vertrauensverlust und vielen Stolperschwellen auf dem Weg zum Elektroauto öffnet die 67. Internationale Automobilausstellung (IAA) ihre Pforten. Die Fachbesucher strömen vor allem zur digitalen Seitenveranstaltung namens “New Mobility World”, wo Google und Uber das autonome Fahren zelebrieren. Die Haupt-Messe scheint dagegen ihre Ausstrahlungskraft verloren zu haben.

Die Zahl der Absagen renommierter Hersteller ist zum ersten Mal zweistellig. Nicht in Frankfurt sind unter anderem Aston Martin, Alfa Romeo, Cadillac, DS, Fiat, Infiniti, Mitsubishi, Jeep, Nissan, Peugeot, Rolls-Royce und Volvo. Bedeutender ist jedoch die Absage von Tesla – in Zeiten, wo die Elektromobilität vor ihrem Durchbruch steht. Elon Musk möchte lieber wie Apple seine Produkte in Zukunft auf Hausmessen zelebrieren und Nissan bevorzugt Elektronikmessen wie die Cebit in Hannover, wo die Vernetzung des Autos mehr im Vordergrund steht als die PS-Protzerei.

Dass auch traditionelle Branchenvertreter wie Volkswagen und BMW ihre Innovationen kurz vor Beginn der IAA präsentieren, scheint die größte europäische Automesse nicht unbedingt aufzuwerten. Allerdings kann man die IAA-Verweigerer verstehen, da sie auf eigenen Roadshows nicht von Konkurrenzmarken umgeben sind. Und viel Geld sparen: 166 Euro kostet laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) ein Quadratmeter Ausstellungsfläche. BMW kommt so auf Mietkosen von rund zwei Mio. Euro.

Zwei Drittel der Auto-Premieren gehören dem Boom-Segment SUV

Dennoch ist die Messe mit 994 Ausstellern (2015 waren es noch 100 mehr) auf einer Fläche von knapp 200.000 Quadratmeter gut gebucht. Über 50 Pkw-Marken sind angemeldet, dazu mehrere hundert Zulieferer. Den Veranstaltern zufolge wird es 228 Weltpremieren geben, wie immer mit viel Tamtam, Feuerwerk und herumwirbelnden Tänzerinnen. Die Mercedes-Tochter AMG stellt ihr lang erwartetes Hypercar mit 1.000 PS vor, der Mutterkonzern zeigt seine sechs Meter lange Vision Maybach Vision 6 Cabrio, Volkswagen seinen neuen Polo, Porsche den dritten Cayenne-SUV und der chinesische Autobauer Cherry will den europäischen Markt mit – was sonst – einem  SUV erobern.

Bald jedes vierte Auto ist in Deutschland ein SUV und der Boom ebbt nicht ab, das belegt auch die Neuheiten-Flut auf der IAA. Welche Folgen hat das eigentlich für die Verkehrssicherheit? “SUV-Fahrer sind entgegen ihrem zeitweiligen Image von der Psychologie her ganz ‘normale’ Fahrer sind, oft auch Ältere und Frauen, die die bessere Sicht schätzen”, erklärt Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung der Versicherer. “Allerdings gibt es ein Problem mit der Unfallschwere, das auf das oft höhere Gewicht des SUV und die mangelnde Kompatibilität mit kleineren Pkw zurückzuführen ist. Die Insassen des Unfallgegners, wenn es kein SUV, ist, erleiden dann meist die schwereren Verletzungen.

Daten endlich nutzen, statt sie zu sammeln

Wie auf jeder Messe geht es auch um Networking. Hinter den Kulissen und Hochglanzständen wird daher nicht nur über Dieselgate und Fahrverbote gesprochen, sondern Deals eingefädelt, Visitenkarten verteilt und Karrierechancen sondiert – auch mit den neuen Playern aus dem Silicon Valley.  Google, Facebook, SAP oder das Chip-Unternehmen Qualcomm tüfteln an der neuen Mobilitätswelt auf der gleichnamigen Sonderschau “New Mobility World”.

“Wie Apple mit dem neuen Iphone so müssen wir auch den Kunden ein digitales Erlebnis mit dem Auto schaffen. Um da hinzukommen, brauchen standardisierte Data-Modelle”, sagt John Kitchingman, Vice President bei IBM Global Automotive. “Stellen sie sich vor, wenn wir mehr Zeit dafür verwenden, die Daten tatsächlich zu nutzen, statt sie zu suchen und zu ordnen.  Deswegen müssen wir alle zusammenarbeiten, Autohersteller, Zulieferer und Softwareunternehmen.” Die Berater von McKinsey fügen hinzu: “Die Autowelt ist gut darin, wenn es um das Testen von Fahrzeugen geht. Wir müssen endlich damit anfangen, im selben Umfang Business-Modelle zu testen.” (dg)

Bildquelle: dg

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Gothaer-Chef: Kunde wünscht das Pflichtprogramm
Die Mehrheit der Deutschen ist zwar offen für die Digitalisierung, wünscht sich dies aber zumindest noch in Grenzen. “Die Relevanz der Kundenschnittstelle für den Abschluss oder die Kundenbindung sind von den Insuretechs überschätzt worden”, sagte Karsten Eichmann, Vorstandschef des Gothaer-Konzerns, bei der Vorstellung der Studie “Versicherung digital 2017″. Bei den Kunden ziehe vor allem das “Pflichtprogramm”.

“Harvey” und “Irma” belasten Rückversicherer
“Harvey” und “Irma” haben in den vergangenen Tagen sowohl den Süden der USA als auch die Karibik kräftig durcheinander gewirbelt. Nun machen die beiden Wirbelstürme auch den Rückversicherern kräftig zu schaffen. So gab die Munich Re bereits am Mittwochabend eine Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr heraus. Demnach seien “aus beiden Ereignissen sind hohe versicherte Schäden zu erwarten”, heißt es aus München.

Psychische Erkrankungen lassen Fehlzeiten stark steigen
In Deutschland sind die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren spürbar um 79 Prozent gestiegen. Zudem sind die Ausfallzeiten der betroffenen Mitarbeiter deutlich gestiegen: Mit 25,7 Tagen je Fall liegen sie deutlich über dem Durchschnitt von 11,7 Tagen. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Fehlzeitenreport der AOK.

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