Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

- Anzeige -

“Honorarvermittlung ist Verbraucherverdummung”

09.03.2017 – Rauch_Dieter_VdhDer Bundesrat beschäftigt sich morgen mit dem IDD-Gesetzentwurf. Das kommentiert Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH). “Das Provisionssystem versagt für Verbraucher und betriebswirtschaftlich denkende Berater sichtbar seit vielen Jahren. Nun sollen die Überreste dieses überholten Systems gerettet werden. Die echte Honorarberatung in Deutschland kommt mit diesem Entwurf dagegen einen Schritt weiter.”

Der VDH fordert seit Jahren, intransparente Mischmodelle zu unterbinden. Falls nicht erneut alles zerredet und weich gespült wird, zieht die Umsetzung des Gesetzes erstmals eine klare Linie zwischen Vermittlern auf Provisionsbasis und reinrassigen Honorarberatern. Eine Lösung des vorhandenen Problems der Honorarvermittlung fehlt allerdings weiterhin.

Offenbar hat man aus den Fehlern bei der Umsetzung des Honorar-Anlageberatergesetzes (34h GewO) gelernt und die augenfälligen Missstände erkannt. Das seit langem vom VDH vorgeschlagene Honorar-Annahmeverbot für Vermittler, welche nach dem Willen des Gesetzgebers nur noch von Versicherungsgesellschaften bezahlt werden dürfen, ist das Aus für Mischmodelle und ein weiterer Sargnagel für das Provisionsmodell. Doch, es fehlt weiterhin an der Transparenz gegenüber dem Kunden.

Beim Honorarberater werden die Kosten für die Beratungsleistung ohne jegliche Verschleierungen schon im Vorfeld deutlich und vereinbart. Aber wo sieht der Verbraucher das bei einem Vermittler auf den ersten Blick? Die Beratung ist bei Vermittlern ja angeblich kostenlos, sie kostet “nur” den Abschluss. Zum Totlachen. An dieser Stelle sollte der Referentenentwurf tiefer gehen und schonungslos die Verpflichtung zur absoluten Kostentransparenz beinhalten. So hat der VDH schon immer auf die Erhaltung des Provisionsabgabeverbots gedrängt. Dies soll gesetzlich verankert werden und ausschließlich für Makler, Vermittler sowie für Versicherungsunternehmen gelten. Nicht aber für Honorar-Versicherungsberater.

Halbwegs gelungen ist im Zusammenhang mit dem Provisionsabgabeverbot die Regelung, dass Versicherungsunternehmen ohne Nettotarife im Angebot bei Honorar-Versicherungsberatern, die keine Provisionen annehmen dürfen, eben diese Provision für den Vertragsabschluss zu mindestens 80 Prozent einem Prämienkonto des Kunden gutschreiben müssen. Warum nur 80 Prozent ist allerdings nicht nachvollziehbar.

Willkürliche 80 Prozent bei den Abschlusskosten

Klar, Politik ist die Kunst des Machbaren. Aus meiner und deshalb Sicht des VDH wäre die Verpflichtung, künftig nur noch Nettotarife anzubieten, besser und für Verbraucher optimal gewesen. Aber das ist bis dato (noch) nicht durchsetzbar. Besagte 80 Prozent der Abschlusskosten eingezahlt auf ein Prämienkonto sind somit besser als nichts.

Kein Wort im Referentenentwurf habe ich übrigens zum Thema Bestandsprovisionen gelesen. Bekanntlich können diese sich bei langen Vertragslaufzeiten auf mehrere Tausend Euro summieren. Naturgemäß Geld, das allein dem Verbraucher und somit dem Versicherungskunden zusteht und ihm am Ende fehlt.

Nachgearbeitet werden muss auch beim aus meiner Sicht brisanten Thema “Honorarvermittlung”. Diese ist nichts anderes als Etikettenschwindel und weitgehend identisch mit dem Provisionsvertrieb. Und letztlich ist diese “Honorarvermittlung” auch eine respektlose Verbraucherverdummung.

Bild: Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater (Quelle: VDH)

__________

Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Kulturkampf zwischen Versicherern und Insurtechs
“Wir sind natürlich IT-mäßige Dinosaurier”, sagt SDK-Vorstandschef Ralf Kantak auf dem Stuttgarter Versicherungstag in der IHK Stuttgart, mit Blick auf die Innovationskraft von Insurtechs. Den Verbraucherschutz sieht Georg Bäuchle, Präsident des VDVM, hingegen gefährdet und fordert: Gleiche Spielregeln für alle. Einziger Referent mit engem Kontakt zur Startup-Szene, Sascha Noack vom New Players Network, erreicht mit seinem kreativen Vortrag nicht alle im Publikum.

Blackbox Telematik: Daten gegen Rabatte
Von Konrad Komorowski. Der Markt für Kfz-Versicherungen ist umkämpfter denn je und der Wettbewerb nimmt weiter Fahrt auf. Es sind nicht nur die etablierten Versicherer und die Insurtechs, die versuchen sich ein Stück vom großen Kuchen abzuschneiden. Neue Wettbewerber aus völlig unterschiedlichen Branchen drängen mit neuartigen Angeboten auf den Markt und könnten den Status quo erheblich erschüttern.

Lords verzögern Brexit, Rater packen die Koffer
Nachdem das Unterhaus das Brexit-Gesetz ohne Änderungen durchgewunken hatte, übernehmen die demokratisch nicht legitimierten Lords die Rolle der Opposition. Das Oberhaus votierte dafür, dass das Parlament das letzte Wort über die EU-Austrittsverhandlungen haben sollte. Die Regierung will den Zusatz im Unterhaus wieder rückgängig machen. Derweil müssen S&P, Moody’s und Fitch aus London abziehen, weil sie für ihre Tätigkeit in einem EU-Land sitzen müssen.

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten