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“Harvey” sorgt für historische Ausmaße

29.08.2017 – hurrikan_harvey_dpaHurrikane gehören in den USA längst zum Alltag. Was allerdings derzeit über Texas wirbelt, sprengt jedoch fast alle bisherigen Erwartungen. Wetterexperten sprechen bei Sturm “Harvey” mittlerweile von einer Katastrophe historischen Ausmaßes – nur vergleichbar mit “Katrina”. Die Erst- und Rückversicherer halten sich mit Schadenschätzungen auf Anfrage von VWheute noch zurück.

Bereits am Freitagabend erreichte “Harvey” mit Geschwindigkeiten von rund 200 Stundenkilometern bei Rockport auf die texanische Küste am Golf von Mexiko. Allein im Süden des US-Bundesstaates Texas sind Medienberichten zufolge weite Gebiete überschwemmt. Besonders schwer getroffen ist dabei die Millionenmetropole Houston.

Nach Einschätzung der Behörden sind derzeit etwa 30.000 Menschen obdachlos. Dabei macht den Helfern nicht nur der Wind zu schaffen. Während sich der Sturm mittlerweile abgeschwächt hat, kommt es immer noch zu sintflutartigen Regenfällen, die nach Angaben der Meteorologen in den kommenden Tagen andauern werden. Bereits jetzt sollen die Regenfälle laut Spiegel Online alle Rekordzahlen übertroffen haben.

So haben die Behörden bislang zwei Todesopfer bestätigt, eines in Houston und eines in Rockport. Allerdings gehen diese noch von weiteren Todesopfern aus. Zudem ist nach Behördenangaben in einigen Städten die Infrastruktur nahezu vollständig zusammengebrochen. Derzeit sind zahlreiche Haushalte ohne Strom und fließendes Wasser.

Vor allem für die Ölindustrie in der Region rund um Houston ist von “Harvey” besonders stark betroffen. Derzeit sind viele Erdölraffinerien geschlossen. Zudem gehen Experten laut FAZ derzeit davon aus, dass derzeit 22 Prozent der Ölförderung im Golf von Mexiko stillstehen und täglich eine Million Barrel (je 159 Liter) Öl nicht verarbeitet werden.

Experten ziehen Vergleiche mit “Katrina”

Angesichts der bisherigen Auswirkungen von Hurrikan “Harvey” verwundert es wenig, dass Experten und Beobachter bereits Vergleiche mit “Katrina” im Jahr 2005 mit versicherte Hochwasserschäden von mehr als 15 Mrd. US-Dollar ziehen. Über die aktuellen Schäden können die Versicherer wie AIG oder die Allianz auf Anfrage von VWheute bislang noch keine Schadenschätzung machen.

Auch die Rückversicherer geben sich auf Anfrage bislang noch zurückhaltend. Demnach sei es aufgrund der anhaltenden Regenfälle noch zu früh, um Schadensabschätzungen zu kommunizieren, sei es wirtschaftliche, versicherte oder dementsprechend auch die bei Swiss Re anfallenden Schäden, betonte eine Sprecherin des Schweizer Rückversicherers.

Entsprechend vorsichtig äußert sich auch die Hannover Rück: “Gemäß den ersten Schätzungen zum Ereignis, beläuft sich der Marktschaden für Hurrikan “Harvey” auf gegenwärtig unter drei Mrd. US-Dollar. Eine Schadensumme für die Hannover Rück zu schätzen, ist zu früh”, betont eine Unternehmenssprecherin gegenüber VWheute. Zum Vergleich: Allein der Marktschaden für “Katrina” betrug nach Angaben der Hannover Rück knapp 80 Mrd. US-Dollar und lag für “Sandy” etwa bei 36 Mrd. US-Dollar.

Allerdings geht der Branchendienst Insurance Information Institute unter Berufung auf Experten bereits davon aus, dass die Schäden durch Hochwasser im Zusammenhang mit “Harvey” könnten ähnlich hoch liegen wie bei “Katrina”. Dabei handele es sich hauptsächlich um Kosten wegen der zu erwartenden Regenfälle und Überschwemmungen zu erwarten und weniger wegen des Windes. So rechnen die Experten vom Analysedienst CoreLogic mit versicherten Immobilienschäden von ein bis zwei Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich: “Ike” hatte die Versicherer im Jahr 2008 etwa elf Mrd. US-Dollar gekostet.

An den Börsen standen die Aktien der Versicherer zu Wochenbeginn wegen “Harvey” unter Druck. So zählten Versicherungspapiere in Asien zwar zu den Verlierern, allerdings stünden die Versicherer laut Wall Street Journal insgesamt finanziell so gut da, dass sie der Wirbelsturm nicht allzu schwer treffen werde.

Kaum Versicherungsschutz in den USA

Für die Rückversicherer sind Überschwemmungen in den USA jedenfalls nichts neues, insbesondere in den US-Bundesstaaten Lousisana, Mississippi und Texas. “Die Topographie des Südens von Louisiana macht die Region besonders anfällig für Überschwemmungen. Es handelt sich um weitgehend nasses und tiefliegendes Land mit vielen großen Flüssen, das zusätzlich feuchter Luft aus dem Golf von Mexiko ausgesetzt ist”, heißt es in sigma-Studie der Swiss Re aus diesem Jahr.

Dennoch sind die USA in Fragen der Überschwemmungsrisiken weiterhin “in einem bedenklichen Maß” unterversichert, konstatiert die Swiss Re weiter. Ein Beispiel: Allein “Katrina” verursachte nach Angaben des Schweizer Rückversicherers einen wirtschaftlichen Schaden von rund 140 Mrd. US-Dollar, von dem lediglich 17 Prozent versichert waren. Ähnlich sah es auch bei Hurrikan “Sandy” mit einem wirtschaftlichen Schaden von etwa 70 Mrd. US-Dollar aus.

In ähnlichen Kategorien rechnet zudem auch die Allianz-Tochter AGCS. So beziefert der Spezialversicherer allein die versicherten Schäden durch “Katrina” auf etwa 62,2 Mrd. US-Dollar, gefolgt von “Sandy” mit 29,5 Mrd. US-Dollar und “Ike” mit 18,5 Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich: Sturmtief “Lothar” verursachte 1999 nach AGCS-Angaben einen versicherten Schaden von 6,2 Mrd. US-Dollar, gefolgt von “Kyrill” mit 5,8 Mrd. US-Dollar und “Daria” mit 5,1 Mrd. US-Dollar. Teuerster Typhoon war laut AGCS “Mireille” im Jahr 1991 mit einem versicherten Schaden von sechs Mrd. US-Dollar, gefolgt von “Songda” im Jahre 2004 mit 4,7 Mrd. US-Dollar und “Bart” (1999) mit 3,5 Mrd. US-Dollar.

So verwundert es auch nicht, dass auch in diesem Jahr die Unwetterschäden in den USA die größten Schadenposten der Versicherer ausmacht. Während der Swiss Re im ersten Halbjahr vor allem Gewitterereignisse zu schaffen machten, rechnet die Munich Re vor allem durch die sogenannten “Landfalls” in Nordamerika traditionell mit den größten Schäden. (vwh/td)

Bild: Hurrikan “Harvey” in Texas. (Quelle: dpa)

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