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Makler genervt von Regulierungspraxis der Versicherer

19.10.2017 – georg_braeuchle_sgkDer VDVM geht mit deutschen Versicherern hart ins Gericht. Im Fokus: deren aktuelle Praxis in der Schadenregulierung. Vor allem kleinere Gesellschaften würden sich negativ hervortun. Georg Bräuchle, Präsident des Maklerverbands, plädiert dafür, die Schadenabteilung in Komposit analog zur Lebensversicherung in “Leistungsabteilung” umzubenennen. Versicherer würden im Leistungsfall vor allem einen Schaden für sich selbst sehen.

Die Makler kämpfen mit zwei Baustellen. Da ist zum einen der zweigeteilte Markt in der Gewerbe- und Industrieversicherung mit Branchen und Risiken, für die es schwer geworden ist, überhaupt Versicherungsschutz zu bekommen. Dazu zählen laut Verband vor allem die Branchen Petro- und Grundstoffchemie, Recycling, Kühlhaus- und Lagerbetriebe sowie fleischverarbeitende Industrie.

Daneben gebe es “wünschenswerte” Risiken, wie Unternehmen der Metallverarbeitung, um die ein heftiger Preiskampf entbrannt ist. Im Gegensatz dazu ist der Markt in der Haftpflichtversicherung unverändert weich und lässt Prämienreduzierungen zu. Das gilt allerdings nicht bei anspruchsvollen Risiken in den Bereichen Produkthaftpflicht und Automobilrückruf, wo es vorkommen kann, dass mit einem einzigen Rückrufschaden die komplette Deckungssumme des Vertrags von 100 Mio Euro abgeräumt wird.

Vermittler beklagen unnötige Schikanen

Richtig genervt sind die VDVM-Makler von der Schadenregulierungspraxis vieler Versicherer, wobei nach ihren Erfahrungen sich hier vor allem die kleineren Gesellschaften negativ hervortun. Bräuchle plädiert daher dafür, die Schadenabteilung in Komposit analog zur Lebensversicherung in “Leistungsabteilung” umzubenennen – “die meisten Versicherer sehen im Leistungsfall nach wie vor vor allem einen Schaden für sich selbst.”

Das drückt sich dann in einer chronisch unterbesetzten Schadenabteilung und dem niedrigschwelligen Einschalten von Rechtsanwälten aus, die sich darauf konzentrieren, statt den Schaden zu regulieren die Ansprüche der Kunden abzuwehren. Als Folge weden die versicherten Unternehmen mit immer neuen Anforderungen schikaniert, mit denen sie nachweisen sollen, dass sie ihre Obliegenheiten auch wirklich nicht verletzt haben.

Das hat durchaus Methode, so Bräuchle: Der Kunde, der in dieser Zeit keine Abschlagszahlung bekommt, aber weiterhin laufende Kosten hat, ist irgendwann so “weichgekocht”, dass er einem Kompromiss zustimmt, der vor allem für den Versicherer günstig ist. Natürlich sei ein solches Regulierungsverfahren nicht die Regel, aber es sei schlimm genug, dass es immer wieder vorkomme.

Im Gegensatz zu den Maklern, die sich auf die Gewerbe- und Industrieversicherung konzentriert haben, sehen diejenigen, die den Schwerpunkt Lebensversicherung und betriebliche Altersvorsorge haben, weniger optimistisch in die Zukunft, wie Oliver Fellmann, M.A.R.K. Versicherungsmakler und Leiter des Arbetiskreises Lebensversicherung des VDVM, deutlich machte. Bei den Kunden habe es sich mittlerweile herumgesprochen, dass die prognostizierte Ablaufleistung immer weiter schrumpft.

Dies sei auch ein wesentlicher Faktor für das Zurückgehen des Neugeschäfts, das überdies zu einem Drittel aus der Dynamik und aus Erhöhungen der Versicherungssumme stamme. Auch das vor kurzem verabschiedete Betriebsrentenstärkungsgesetz habe deutliche Schwächen und der zunehmende Run-off führt zu “einer Umbruchsituation, die mit deutschen Gewissheiten aufräumt”, wie VDVM-Geschäftsführer Hans-Georg Jenssen konstatierte.

Keinerlei Gewissheiten gibt es zudem bei den Verhandlungen über den Brexit – hier können die Makler nach Einschätzung des VDVM ihren Kunden eigentlich nur raten, auf alles vorbereitet zu sein. (sgk)

Bild: Georg Bräuchle (Quelle: sgk)

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