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Generali Vitality: Umsatzknaller ohne Knalleffekt?

09.02.2018 – generali_muenchenVitality, das digitale Vorzeigeprojekt der Generali erhitzt die Gemüter. Von der Konkurrenz und Verbraucherschützern kritisch beäugt, ist das Gesundheitsprogramm ein Lockruf für neue Reichweiten. Nun dient der Versicherer das Angebot auch den Kunden der Aachen Münchener mit ihrem Vertriebspartner DVAG als Zusatz an. Zudem plant man, Vitality 2018/2019 in der PKV einzuführen. Bei den Zahlen hält man sich bedeckt.

Im Rahmen des Programms – für monatlich fünf Euro zusätzlich – können sich Kunden durch Vorsorge, gesunde Ernährung, Fitness und Bewegung zu einer gesünderen und aktiven Lebensweise motivieren: Sie erhalten Gutscheine und Rabatte. Generali Vitality sei ein wichtiger Teil der Smart-Insurance-Offensive des Unternehmens, heißt es. Mittels innovativer Technologien will Generali nach eigenen Angaben ihren Kunden helfen, besser zu fahren, gesünder zu leben oder das Heim sicherer zu machen.

Auffällig ist allerdings, dass die Generali sich mit genauen Zahlen über “Vitality” sehr zurückhält. Es ist zwar die Rede von inzwischen 100.000 seit Mitte 2016 neu abgeschlossener Smart Insurance-Policen, in denen Vitality aber auch Generali Domocity und Generali Mobility sowie Cyber-Risiken mit enthalten sind. Zu den Abschlusszahlen der einzelnen Bausteine will sich das Unternehmen jedoch nicht detailliert äußern.

Das ist wohl dem Umstand geschuldet, dass Vitality selbst nach wie vor noch nicht der große Umsatzknaller ist. Was nicht verwundert, denn die Angebote sind in erster Linie für den sogenannten modernen und jungen Verbraucher gedacht, der sich schon dauerhaft in der digitalen Welt bewegt. Das betrifft aber immer noch einen relativ kleinen Kundenkreis, der zudem vor Gesundheit nur so strotzen sollte.

Verbraucher- und Datenschützer beurteilen den Generali-Vorstoß nach wie vor kritisch. Sie sehen in Vitality den Einstieg in einen sehr viel umfassenderen Antritt zum Datensammeln. Seit es die Self-Tracking-Bewegung und zahlreiche Anwendungen – zum Beispiel in Form von Fitness-Apps, Tracker-Armbändern oder Schrittzählern – gibt, wecken vom Kunden selbst ermittelte Gesundheitsdaten auch das Interesse der Versicherer. Die Generali sieht dagegen bei Vitality keine Gefahr des Datenmissbrauchs. Die gesammelten Daten würden strikt getrennt von den Versicherungsangaben gehalten, die Versicherung selbst habe keinen Zugang.

Aktuell gibt es kein der Generali vergleichbares Angebot am Markt. Doch machen wir uns nichts vor: Auch andere Versicherer beschäftigen sich mit dem digitalen Datensammeln, wenn bisher auch nur hinter vorgehaltener Hand. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, war da schon offener. Er spricht sich für eine “Integration von Self Tracking-Daten in die elektronische Patientenakte aus”. Erste gesetzliche Krankenkassen bezuschussen bereits Fitness-Tracker und Pulsmesser. Dennoch heißt es unisono aus den Vorstandsetagen, damit nichts im Sinn zu haben.

Die privaten Versicherer bewerten solche Tarifmodelle unter Datenschutzgesichtspunkten kritisch. Birgit König, Vorstandsvorsitzende der Allianz Krankenversicherung, hebt etwa hervor, dass für ihre Versicherung Datenschutz an oberster Stelle stehe und ihr Unternehmen kein Interesse daran habe, aus der Datenflut von Apps entsprechende Daten zu nutzen, um daraus Gesundheits- bzw. Risikoprofile zu erstellen. Inwieweit sich auch die Sachversicherer damit beschäftigen, ist noch nicht ausgemacht.

Ob mit Vitality der Generali-Gruppe der große Durchbruch gelingt, wird erst nachweisbar sein, wenn das Unternehmen Bereitschaft zeigt, genaue Abschlusszahlen zu nennen. Als einen guten Ansatz sollte man das Programm durchaus anerkennen. Aber noch ist es für Vermittler oder Makler eher ein Bestandspflegeprogramm und ein Türöffner in Richtung Versicherungsschutz für junge Leute. Der durchschlagende Erfolg, den die Generali nach ihren eigenen Verlautbarungen gern haben möchte, ist bisher ausgeblieben. Vitality erfordert eine saubere Beratung durch die Vertriebe, die in aller Fairness sowohl die Vorteile als auch die Nachteile aufzeigen müssen. Das ist schon deshalb wichtig, damit nicht ein neues Fass in Richtung unsauberer oder gar falscher Beratung aufgemacht wird.

Allerdings, und das muss deutlich gesagt werden. Niemand ist zum Abschluss solcher Fitness- oder Vitality-Prgramme verpflichtet. Wer seine Gesundheitsdaten nicht freigeben will, sollte auf einen Abschluss verzichten. Zudem darf niemals die Unterschrift unter einen langfristigen Versicherungsvertrag allein von einem vermeintlich lukrativen Rabatt abhängig gemacht werden. Ein weiterer möglicher Nachteil sollte ebenfalls bedacht werden. Kranke Menschen sind von vornherein weitgehend ausgegrenzt. Wie schnell kann zum Beispiel ein Unfall dazu führen, dass körperliche Bewegungen eingeschränkt sind. Dann nutzt dem Kunden ein Vitality-Programm reichlich wenig. (wo)

Bildquelle: Generali

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