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Generali sucht Lösungen für das Deutschland-Geschäft

25.01.2017 – gebaeude_muenchen_generaliNach der Übernahmedrohung vom Montag denkt man bei der Generali über alle Varianten nach. Mit einer Solvenzquote von 159 Prozent steht der Konzern vergleichsweise solide da. Doch das täuscht über massive operative Defizite hinweg. In Deutschland scheint die Generali derzeit nicht mehr sprechfähig zu sein. DVAG-Chef Andreas Pohl könnte bei der Lösung der Krise ein Wörtchen mitreden.

Es sind unter anderem auch die Probleme im Deutschland-Geschäft, die der neuen Führung des italienischen Versicherungskonzerns Kopfzerbrechen bereiten. 24 Prozent ihres Geschäfts macht die Generali in Deutschland, wo sie mit 14,1 Mrd. Euro Beitragseinnahmen (Marktanteil: 11,5 Prozent) die Nummer zwei im Lebensversicherungsgeschäft ist. Doch das einst so lukrative Geschäft mit der Altersvorsorge ist zu einem Problem geworden. Mit einiger Verspätung haben die deutschen Konzerntöchter ein partiell internes Modell für Solvency II implementiert. Über die Genehmigung dieses Modell diskutiert man mit der Bafin.

Die Aufsicht fordert von der Generali, die Deutschland-Gesellschaften zu rekapitalisieren. Von mindestens 300 Mio. Euro ist die Rede. Angesichts von Eigenmitteln von 1,36 Mrd. Euro bei der Aachen Münchener Leben, 2,3 Mrd. Euro bei der Generali Leben und 644 Mio. Euro bei der Cosmos Leben wäre das ein Klacks. Nach sechs Monaten 2016 weist der Generali Konzern nach ungeprüften Zahlen ein operatives Ergebnis von 1,6 Mrd. Euro aus, allein in der Lebensversicherung. Doch im November musste die Generali bereits die Problembank Monte dei Paschi di Siena mit 400 Mio. Euro stützen. Die Rekapitalisierung des Deutschland-Geschäfts tut weh.

Dass die Solvabilitätsquoten der deutschen Lebensversicherer verbesserungswürdig sind, zeigt ein Blick in die Geschäftsberichte. 135 Prozent waren es Ende 2015 bei der Generali Leben, 121 Prozent bei der Cosmos Leben, und 109 Prozent bei der Aachen Münchener. Sie dürften inzwischen deutlich gesunken sein. Konzernweit sank die Solvenzquote der Generali seit Ende Dezember 2015 von 171 auf 159 Prozent (Stand: Ende September 2016), trotz der sehr guten Lage in der Schadenversicherung.

Donnet stellt alles in Frage

Der neue Generali-Chef Philippe Donnet stellt so gut wie alles in Frage. “Unser Ziel ist die Führerschaft in ausgewählten Märkten”, sagte der Manager auf dem Investor’s Day am 23. November. “Das messen wir nicht an der Größe, sondern an der Profitabilität.” Derzeit tobt ein heftiger persönlicher Zwist zwischen Donnet und Alberto Minali, der auf die Zerrissenheit unter den Aktionären (Mediobanca und Intesa), ja, der gesamten italienischen Republik zurückgeht. Donnet will sich aus bis zu 15 Märkten zurückziehen, der Fokus soll auf Wachstumsmärkten liegen. Intesa will offensichtlich die Generali übernehmen, auch gegen deren Widerstand. Teile des Konzerns sollen verkauft werden (siehe UNTERNEHMEN & MANAGEMENT).

Pohl_Andreas_DVAGVon dem möglichen Verkauf des Frankreich-Geschäfts an die Allianz war man zwischenzeitlich wieder abgekommen. In Deutschland befindet sich die Generali-Führung unter Zugzwang. Zu groß ist die Unruhe in der Organisation. Bei einer Zerschlagung des Deutschland-Geschäfts könnte Andreas Pohl und die DVAG eine entscheidende Rolle einnehmen.

Die DVAG marschiert auch unter der Ägide des Filius von DVAG-Gründer Reinfried Pohl mit unveränderter Wucht und die Aachen Münchener steht bilanziell viel besser da als die Konzernschwestern. Die Solvenzquote der AM Leben berücksichtigt die Fondspolicen nicht, bei denen das Kapitalanlagerisiko bei den Kunden bleibt. Mit einem Anteil von knapp 40 Prozent am Gesamtbestand ist die AM Leben der Marktführer bei Fondspolicen in Deutschland. Pohl könnte sich für den Vertrieb der Generali interessieren. Die DVAG hatte 2007 bereits die Außendienstler der Aachen Münchener eingemeindet.

Eine Lösung muss her und das möglichst schnell. Durch die Umstrukturierungen im Vertrieb und in den Gesellschaften verabschieden sich immer mehr Vertreter von der Generali. Profiteur ist unter anderem die R+V. Die Wiesbadener wären ein interessanter Partner bei der Lösung des Deutschland-Problems. Die Nähe ist da. Der neue R+V-Chef Norbert Rollinger hat vier Jahre lang Vorstandserfahrung bei der Generali gesammelt. Interessant dürfte für den Versicherer der Genossenschaftsbanken vor allem das hoch profitable Schadenversicherungsgeschäft sein, das Rollinger von 2005 bis 2009 verantwortet hatte. Für die Lebensversicherung wären eine ganze Reihe unterschiedlicher Lösungen denkbar, von der externen bis zur internen Abwicklung. Das Fusionskarussell kommt wieder ins Rollen. (ba)

Bildquellen: Generali & DVAG

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