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Fusion: Überlebensstrategie oder Risiko?

18.04.2017 – Fusion_niefee_pixelio“Aktuell scheitert insgesamt jede zweite Übernahme. Das ist der Schnitt über alle Branchen hinweg”, bilanziert Professor Kai Lucks, Fusionsexperte und Geschäftsführer des Merger Management Instituts (MMI) aus Gauting bei München. Obwohl auch die Finanzinstitute von diesen Entwicklungen betroffen sind, nehmen die weltweiten M&A-Aktivitäten von Banken und Versicherern kontinuierlich zu.

Seit 2014 haben sich die Transaktionen im Insurance-Sektor sogar verdreifacht, stellt Willis Towers Watson fest. Davon stammen die meisten aus reifen Märkten, vor allem aus den USA und Europa. Auch wenn nicht jede Unternehmens-Ehe den erhofften Erfolg mit sich bringt, sind Zukäufe oft der einzige Weg, um neue Marktanteile zu gewinnen. Das gilt für Autobauer und für Versicherer gleichermaßen.

Wachstum als Überlebensrezept

“Wer nicht wächst, stirbt”, begründete Allianz-Chef Oliver Bäte zuletzt sein Übernahmestreben vor Investoren. Seit Jahren haben große Versicherer Probleme, aus eigener Kraft im Kerngeschäft zu wachsen. Während die Branche als Ganzes 2017 um vier bis fünf Prozent bei den Beitragseinnahmen zulegen soll, rechnet die Allianz selbst mit einer Stagnation beim Umsatz. Bei den Rivalen aus Paris, Zurich und Triest sieht es nicht besser aus.

“Die Mittel für große Übernahmen sind da”, stellt Marcus Severin fest. Nach Angaben des Insurance-Leiters des deutschen Blackrock-Geschäfts müsse man sich genau überlegen, was man anfassen möchte. “Viele suchen gerade wegen Solvency II einen Sachversicherer, aber diese sind zu auskömmlichen Preisen derzeit nicht zu bekommen.” Auch Bäte hält den Markt für überteuert. Konkurrent Axa indes hat durch viele große Akquisitionen bereits eine “kritische Größe” erreicht, berichtet Vorstandschef Thomas Buberl.

Verstärkt werden in der unternehmerischen Praxis kleine Zukäufe im Ausland bevorzugt, weil keiner die Geduld mitbringt, in jahrelanger Pionierarbeit dort selbst Fuß zu fassen. Schließlich soll die Milliarde an zusätzlicher Prämie bereits morgen konsolidiert werden, sodass die Käufer lieber einen erheblichen Goodwill für ein bereits etabliertes Unternehmen im Ausland zahlen. Doch auch das birgt Risiken. “Diese liegen in der mangelnden Kenntnis der lokalen Marktgegebenheiten die die Due Diligence erschwert und nicht selten für negative Überraschungen sorgt”, erklärt Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung bei Willis Towers Watson.

Häufig kommen kulturelle Unterschiede hinzu, die einer Integration im Wege stehen. Ergo scheiterte in Südkorea und in der Türkei, besser lief es mit der Übernahme des polnischen Lebens- und Sachversicherers Hestia, der zum zweitgrößten Versicherer des Landes aufgestiegen ist. Mühselig war hingegen der zweijährige Übernahmeprozess der griechischen ATE Insurance. Die schwierige wirtschaftliche und politische Situation des Landes beschreiben die Düsseldorfer als “herausfordernd”.

Aufseher werden zum Hochzeitscrasher

“Aufsichtsregime treffen ihre Entscheidungen aus der Markterfahrung heraus und auch aus dem Blickwinkel anderer Branchen, und das ist – auch zum Schutz der Verbraucher – im Großen und Ganzen sinnvoll”, sagt Klüttgens. So stoppte beispielsweise ein US-Gericht im vergangenen Monat die Fusion zwischen den Krankenversicherern Anthem und Cigna. Begründung: Zu starke Monopolstellung. Aus dem gleichen Grund wurde bereits der Zusammenschluss zwischen Aetna und Humana ausgebremst.

Dabei können Aufsichtsbehörden durchaus auch als Heiratsvermittler auftreten, wenn es gilt, eines ihrer Sorgenkinder in die Arme eines reichen Erwerbers zu scheuchen. Gleichzeitig könnte durch die Akquisition zu einem unverhältnismäßigen Preis die Solvabilität des Erwerbers gefährdet werden, oder dieser könnte zu einem systemrelevanten Akteur heranwachsen.

Das Kartellrecht lässt es auch zu, einzelne beanstandete Marktmachtzuwächse durch Abstoßen von Unternehmensteilen zu korrigieren. So legte die EU-Kommission erlegte der London Stock Exchange als Bedingung für die geplante Fusion mit der Deutschen Börse auf, sich von einer als strategisch angesehenen italienischen Plattform zu trennen. Wer auch immer der Käufer wird – ähnliche Vorgaben könnten die Kartellwächter aus Brüssel beim ewigen Übernahmekandidat Generali vorschreiben.

Aufkäufe von kleineren Versicherern auf dem Heimatmarkt mögen dagegen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen kein großes Risiko bergen. Fehler beim Integrationsprozess haben jedoch weitreichende negative Folgen. Ergo und Generali sowie deren entlassene Mitarbeiter haben sich bis heute nicht davon erholt “Wir haben die Integration der Ergo nicht mit dem hinreichenden Tempo durchgeführt”, gesteht Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard.

In der Tat ist der Zeitfaktor entscheidend, da es kostspielig wird, wenn die Vereinheitlichung unterschiedlicher Geschäftsprozesse oder die Zusammenführung der Belegschaften zu lange dauert. Mit dem Zickzackkurs bei der Postbank hat die Deutsche Bank etwa viel Geld zum berühmten Fenster rausgeworfen. Selbst wenn Integrationsrisiken vor der Vertragsunterzeichnung erkannt werden, haben Manager oft nicht den Mut, die geplante Vereinbarung platzen zu lassen (siehe UNTERNEHMEN & MANAGEMENT). (dg/cpt)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.

Bildquelle: niefee / PIXELIO / (www.pixelio.de)

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