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Fusion: Maklerverbände nehmen ihr Schicksal in die Hand

21.11.2017 – Fusion Puzzle by_RainerSturm_pixelio.deUnter dem Motto “Gemeinsam sind wir stärker” haben der Verband Deutscher Versicherungsmakler (VDVM) und der Bundesverband Mittelständischer Finanz- und Versicherungsmakler (BMVF) fusioniert. Das wurde im Rahmen einer Mitgliederversammlung in Hamburg mit überragender Mehrheit beschlossen. Der VDVM verfügt über 638 Mitglieder sowie rund 150 Niederlassungen mit mehr als 12.000 Mitarbeitern. Der BMVF hat rund 250 Mitglieder.

Von der Fusion versprechen sich beide Verbände eine stärkere Durchsetzungskraft für die Belange der freien Vermittler. Der neue Verband wird am 1. Januar 2018 unter dem Namen “Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler e.V.” seine Arbeit aufnehmen. Präsident des Verbandes ist Georg Bräuchle (Marsh). Vizepräsidenten sind Hartmut Goebel (germanBroker.net AG), bisheriger Vorsitzender des BMVF und Adelheid Marscheider (Marscheider Versicherungsmakler).

Zur Begründung für die Fusion heißt es, dass die Versicherungsmakler als klassische Risikoberater und Versicherungseinkäufer des Kunden ihr Image mehr denn je selbst in die Hand nehmen müssten. Der Gesetzgeber werde, dies belege der Diskussionsprozess um das IDD- Umsetzungsgesetz, nicht genügend tun, um dem Makler als Berufsstand ein wirklich hohes Profil zu verleihen. Vor diesem Hintergrund und dem Umstand, dass Deutschland ein historischer Agentenmarkt mit starker Provisionsfokussierung sei, brauche der Versicherungsmakler dringend eine Schärfung seines Profils.

“Der Versicherungmakler als treuhänderische Sachwalter des Kunden ist der berufene Ansprechpartner für eine werthaltige Beratung und Eindeckung des notwendigen Versicherungsschutzes, die Betreuung während der Laufzeit der Verträge und einer sachgerechten Assistenz bei der Schadenregulierung sowohl für Privat- als auch Geschäftskunden”, betont Georg Bräuchle. Die Vereinigung der Verbände führt zu einer deutlichen Stärkung des Berufsbildes der Versicherungsmakler und zu einer besseren Positionierung im Rahmen der Interessenwahrnehmung, sowohl im Inland als auch auf EU-Ebene.

Jenssen: “Welt durch wird die ‘Run-offs’ nicht untergehen”

VWheute sprach dazu exklusiv mit dem Geschäftsführenden Vorstandsmitglied des VDVM, Hans-Georg Jensen und Hartmut Goebel.

VWheute: Was sind für Sie die wesentlichen Beweggründe für die Fusion?

jenssen_hans_georg_vdvmHans-Georg Jenssen: Wir sind sehr fusionserfahren. Die Fusion von 2001 zwischen dem BDVM und dem VDVM hat uns zu der heutigen Größe geführt. Damals schon wurde das Beste aus zwei Welten zusammen geführt. Gerade unsere Regionalkreis-Struktur ist unser Asset. Wir glauben, mit dieser neuerlichen Fusion eine weitere Erfolgsgeschichte zu schreiben, weil die beiden Verbände schon seit Jahren zusammen arbeiten.

Wir hatten bereits als VDVM die gemeinsame Interessenvertretung in Brüssel wahrgenommen. Ab Januar starten wir nach der Verschmelzung für zwei Jahre mit einem Vereinigungsvorstand und managen gemeinsam das Zusammengehen der beiden Organisationen. Gemeinsam steigern wir sehr deutlich unser Gewicht. Mit unseren Qualitätsanforderungen setzen wir Maßstäbe in der Maklerschaft. Es ist ja kein Geheimnis, dass es bei 45.000 Maklern große Unterschiede gibt. Wir sehen uns deshalb gut positioniert.

hartmut_goebel_bdvmHartmut Goebel: Die Fusion bringt für unsere beiden Verbände und deren Mitglieder eine ganze Reihe an Vorteilen. Wir nehmen wahr, dass die Regulierung sich immer stärker auf europäische Ebene verlagert. Da wir aber im Gegensatz zum VDVM bisher in Brüssel nicht vertreten waren, haben wir für uns allein perspektivisch keine großen Chancen mehr gesehen. Sie müssen wissen, dass mein Verband sich schon immer für eine Konsolidierung auf der Verbandsebene eingesetzt hat.

Wir sind als Interessenvertretung vor allem dann stark, wenn wir mit einer Zunge sprechen. VDVM und wir haben ein gemeinsames berufsständisches Verständnis. Daher mussten wir auch keine großen Gräben überwinden, um zusammen zu kommen. Wir haben in der Vergangenheit bei wichtigen Themen oftmals eine gemeinsame Linie vertreten.

VWheute: Bei dieser Gelegenheit haben wir noch zwei Fragen: Der “Run-off” in der Lebensversicherung scheint in Mode zu kommen. Wie bewerten Sie das für Ihre Mitglieder?

Hans-Georg Jenssen: Ich bewerte das grundsätzlich nicht als positiv. Allerdings dürfte die Welt durch die “Run-offs” nicht untergehen. Wir hatten auch in der Vergangenheit schon des Öfteren die Situation, dass unrentierliche Bestände oder sogar ganze Unternehmen verkauft wurden.

Auch Investoren haben ebenso wie die Kunden ein Interesse daran, die Bestände rentierlich weiterzuführen. Allerdings haben die Versicherer ein Problem. Diese sagen, dass sie bereit sind für die Altersversorgung mehr Verantwortung zu übernehmen, weil die Versicherer das besser könnten als der Staat. Im Lichte von “Run-off”-Szenarien gibt es im Gegensatz dazu keine bessere Promotion für die sogenannte Deutschland-Rente.

VWheute: Sind Insurtechs eine Bedrohung für den Maklermarkt?

Hans-Georg Jenssen: Vieles was ich zurzeit bei Insurtechs sehe, ist für uns keine Bedrohung. Außerdem kann ich überhaupt nicht voraussagen, welche Start-ups sich auf Dauer überhaupt durchsetzen können. Vieles, was die Insurtechs machen, ist allenfalls eine Prozessverbesserung.

Einen echten Game Changer kann ich nicht erkennen. Viele Kunden wollen sicher ihren Versicherungsbestand kurz über lang im Smartphone beobachten oder abrufen. Einfache Versicherungen, die situativ bedingt kurzfristig gebraucht werden, können sicherlich online abgeschlossen werden.

Bei der Altersvorsorge oder der Absicherung des eigenen Haushalts habe ich meine Zweifel, ob man sich in die Hand von Maschinen begeben will. Das braucht nach wie vor die echte, persönliche Beratung.

Das Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Bilder: Hans-Georg Jenssen (Quelle: VDVM) und Hartmut Goebel (Quelle: BDVM)

Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)

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