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Frankreich wählt und Versicherern droht Super-GAU

21.04.2017 – le pen dpaDie Grande Nation geht am Sonntag einer Zitterpartie entgegen. Trotz einer der höchsten Mindestlöhne weltweit und einer kurzen Jahresarbeitszeit sind die Franzosen mit ihren Politikern unzufrieden. Denn die Wirtschaft stagniert, die Arbeitslosigkeit verharrt bei zehn Prozent, bei der Jugend bei 25 Prozent. In der Folge könnte eine Rechtspopulistin oder ein Kommunist in den Elysée einziehen. Das verheißt nichts Gutes für Europas Versicherer.

Die Präsidenten Chirac, Sarkozy und Hollande scheiterten allesamt daran, das Land nachhaltig zu modernisieren. Lediglich EZB-Präsident Mario Draghi hält Frankreich mit Niedrigzinsen ökonomisch am Leben. Diese schwierige Wirtschaftslage nutzen Populisten schamlos aus und geben dem Euro die Schuld an der Wirtschaftsmisere. So bereitet vor allem ein Schreckensszenario Europas Finanzindustrie große Sorgen: dass sich die Franzosen in der Stichwahl nur noch zwischen zwei radikalen Kandidaten entscheiden können, zwischen Marine Le Pen auf der rechten Seite und Jean-Luc Mélenchon auf der linken.

Letztere will die Rente mit 60, eine Wochenarbeitszeit von 32 Stunden, eine 100-prozentige Übernahme aller Krankheitskosten durch die Versicherung sowie einen Mindestlohn von 1.700 Euro. Kandidatin Marine Le Pen will die Wiedereinführung des Franc, den Austritt aus der EU und einen Einwanderungsstopp. “Wenn die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone diese verlassen würde, gäbe das einen systemischen Schock, den die Gemeinschaftswährung vielleicht nicht überstehen könnte”, erklärt der französische Ökonom Philippe Crevel der Wiener Zeitung. Seiner Meinung nach wäre dann der Versicherer Axa in einer katastrophalen Lage, ebenso Crédit Agricole, Société Générale und BNP Paribas, die zweitgrößte Bank Europas. “Es wäre der Super-GAU für die Stabilität der europäischen Finanzwelt.” In der Tat würde dann eine neue D-Mark gegenüber vielen Währungen aufwerten, die Portfolios von vielen institutionellen Investoren würden auf einen Schlag weniger wert sein. Versicherer und Pensionskassen müssten dann vom Staat gerettet werden.

Macron will Verschuldung senken, Fillon die Steuern

In einer Stichwahl würden die Franzosen eher der Chefin des Front National die Stimme geben als dem Antikapitalist Mélenchon. “Wenn sie gewählt wird und das umsetzt, was sie angekündigt hat, wäre es ein Desaster”, sagt Thomas Buberl. Der Axa-Konzernchef hofft auf die europafreundlichen Kandidaten Emmanuel Macron und François Fillon. Deren “Wirtschaftsagenden sind in mehreren Punkten ziemlich ähnlich. Beide wären gut für Frankreich”, sagt er dem Magazin Bilanz.

Fillon verfolgt eine Austeritätspolitik mit Ausgabenkürzungen und Steuererleichterungen – zunächst für Unternehmen auf 25 Prozent und später auch für sehr Wohlhabende sowie den Mittelstand. Die öffentlichen Ausgaben sollen in seinem Programm von 57 Prozent des BIP auf unter 50 Prozent bis 2019 gesenkt werden, fasst der Asset-Manager Amundi die Agenda zusammen. Angesichts der Affäre um die angebliche Scheinbeschäftigung seiner Frau Penelope ist sein Sieg jedoch unwahrscheinlich. Der 39-jährige Macron möchte dagegen die Besteuerung der Löhne senken und Steuern auf bewegliche Vermögenswerte erhöhen. Laut Amundi sei das Ziel des früheren Investmentbankers, das Budgetdefizit über die kommenden fünf Jahre unter drei Prozent und die Arbeitslosigkeit unter sieben Prozent zu drücken.

Vor der Wahl am Sonntag fliehen viele Anleger in Gold, französische Staatsanleihen geraten unter Druck. Nach dem gestrigen mutmaßlichen Terroranschlag auf dem Champs-Élysées in Paris dürfte vor allem Le Pen zusätzliche Stimmen von verängstigten Wählern einfangen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Demoskopen wie bei der US-Wahl und dem Brexit mal wieder irren und die guten Umfragewerte der Populisten sich in Luft auflösen. (vwh/dg)

Bildquelle: dpa

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