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Fonds Kongress: Mekka der Trump-Dompteure

26.01.2017 – Fondkongress dgMannheim ist wieder Europas Metropole der Investmentbranche. Auch dort ist der Trump-Effekt zu spüren. Ethna-Fondsmanager Luca Pesarini: “Das Jobwunder in den USA wird ausbleiben, denn die Trump-Branchen wie Bau und produzierendes Gewerbe tragen kaum zum US-BIP bei.” Im Versicherungsvertrieb empfiehlt Sebastian Grabmeier, CEO Jung, DMS & Cie, weiterhin auf persönliche Beratung zu setzen. Die Absage von Uli Hoeneß tut weh.

Auch sein Ersatz Günter Netzer ist nicht erschienen. Nach der Verkündung der Nachricht verließen viele Besucher enttäuscht den Hauptsaal. Dabei hätten die Sportgrößen durchaus von der amerikanischen Tragödie ablenken können. “Trump, Brexit, Italien und nun ziehen sich Bernie Ecclestone und Sigmar Gabriel zurück. Gesprächsstoff wird es genug geben”, begrüßte Fonds professionell-Herausgeber Hans Heuser die 6.000 Besucher im Mannheimer Rosengarten.

Leider war es manchmal zu politisch. Der Ex-Wirtschafts- und spätere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg läutete mit seinem Auftritt das Interpretationsseminar über die Wirtschaftsfolgen des neuen US-Präsidenten Donald Trump ein. “Es ist zweifellos eine Zeitenwende. Wir steuern auf einen Handelskrieg zu”, so Guttenberg. Deutschland habe sich in Krisen immer auf die Institutionen verlassen. Nun sind Nato, WTO und vor allem die EU handlungsunfähig. Er hoffe darauf, dass Angela Merkel den US-Präsidenten bändigen kann. “Mit selbstbewussten Männern konnte sie immer fertig werden, da spreche ich aus Erfahrung”, betont der CSU-Politiker. “Wenn Merkel auf Trump trifft, dann wäre e,s als ob Mutter Teresa auf Bart Simpson treffe.”

Auch Friedrich Merz sprach mehr über politische Ereignisse als über seinen Arbeitgeber Blackrock. Seit März 2016 ist er Aufsichtsratschef der Deutschland-Tochter des US-Investmenthauses. Interessanter waren die Thesen von Ethna-Fondsmanager Luca Pesarini zur Amerika: “Mit Investitionen in Infrastruktur entstehen kaum Jobs, die USA lebt vom Dienstleistungssektor.” Außerdem herrsche Vollbeschäftigung in den USA. “Mehr Stimulus in dieser Phase lässt die Wirtschaft überhitzen und führt direkt in die Rezession.” Die Inflation wird seiner Meinung nach nur kurzfristig ansteigen. “Weil die USA sich abschotten, erhöhen die Importzölle die US-Warenpreise. Die Löhne werden dagegen nicht steigen und der Höhenflug beim Ölpreis findet ein abruptes Ende, weil die USA jederzeit selbst mehr Öl produzieren können”, erklärt Pesarini.

Kunden treiben Digitalisierung voran, nicht Insurtechs

ZinsAuch unter den Versicherern wurde es politisch. WWK reduzierte das Thema fondsgebundene Lebensversicherung auf ein EZB-Bashing, indem der Versicherer den Focus-Money-Chefredakteur Frank Pöpsel einlud. “Wir haben derzeit ein Schuldgeldsystem. Mehr Geld im Markt bedeutet mehr Schulden und das Geld ist nichts mehr Wert.” Passend dazu gab es im Eingang Spielautomaten mit der Aufschrift “Der Böse Zins”.

Im Versicherungsvertrieb wurde dagegen über Digitalisierung und IDD sinniert. Die Beratung werde unter der Regulierung leiden, prophezeit Frank Ulbricht, Vorstand BCA. Bei so viel Verwaltungsaufwand rät der Maklerpool auf Private Investing umzusteigen, dort seien weniger Dokumentationspflichten vonnöten.

Die Branche findet immer Wege das Glas als halb voll zu sehen, auch beim Nachwuchsmangel. “Jeder zweite Vermittler wird bis 2025 vom Markt verschwinden. Das ist natürlich gut für diejenigen, die noch im Geschäft bleiben”, sagt Sebastian Grabmeier, Vorstandsvorsitzender von Jung, DMS & Cie. Denn der Markt wachse weiter, vor allem im B2B2C-Bereich. Ob Roboadvising oder persönliche Beratung, die Wahrheit liege wie immer in der Mitte.

Fondskongress 2017 doppelt
“Die Branchendigitalisierung wird nicht von Start-ups forciert, sondern von den Kunden selbst”, führt Grabmeier aus. Deswegen könne jeder Vermittler selbst die vorhandenen Technologien nutzen, um als Fintech durchzustarten. “Es werden diejenigen den Markt dominieren, die beides können: Technologie und persönliche Beratung. Reine Roboadviser werden sich nicht durchsetzen”, urteilt Grabmeier. (vwh/dg)

Bilder: Eindrücke vom Fondskongress 2017 in Mannheim. Oben: Spielhalle mit dem “Bösen Zins”, den “keiner aufhält” (Quelle: dg)

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Weitere Schlaglichter bei VWheute:

Generali: “Ergebnisse unserer neuen Strategie sind sehr positiv”
Simpler, smarter for you: Die Generali berichtet, dass die neuen Produkte Vitality, Mobility und Domocity im Rahmen der Smart Insurance-Offensive erfolgreich eingeführt worden sind. “In der Lebensversicherung haben wir frühzeitig begonnen, unser ‘Geschäftsmodell der neuen Normalität’ zu etablieren”, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens zur Berichterstattung von VWheute.

Provinzial Nordwest treibt 41 Projekte voran
Ein exzellentes Jahr in der Schadenversicherung hat die Provinzial Nordwest hinter sich. Das Lebensversicherungsgeschäft litt unter dem rückläufigen Geschäft gegen Einmalbeitrag. Vorstandschef Wolfgang Breuer wird in diesem Jahr Projekte in acht Handlungsfeldern vorantreiben. Im vergangenen Jahr hat er bereits die Führung des Konzerns deutlich gestrafft.

“Autonome Schiffe werden Risiken nicht revolutionieren”
Autonome Autos sind derzeit in aller Munde. Auf dem heute stattfindenden Deutschen Verkehrsrechtstag in Goslar beschäftigen sich die Experten hingegen auch mit rechtlichen Rahmenbedingungen in der autonomen Schifffahrt. VWheute sprach daher exklusiv mit den Leitern der Transport- und der Luftfahrtsparte des Industrieversicherers HDI, Stefan Volle und Alexander Malik, über die Versicherbarkeit von autonome Schiffen und Flugzeugen.

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